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Das jüdische Echo · 1930-09-12 · 37 (12.9.1930) · p. Seite 522

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
37 (12.9.1930)
Date
1930-09-12
Page
Seite 522 (sequence 15)
Language
German
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522 Das Jüdische Echo Nr. 37 dem Völkerbundsrat vor, dieser möge beschließen, die Schlußfolgerungen, welche sich aus den Mandatsprotokollen ergeben, an die britische Regierung weiterzuleiten und sie einzuladen, Maßnahmen zur Verwirklichung der im Mandatsberichte enthaltenen Vorschläge zu treffen. Henderson erklärte, die Einschränkung der Einwanderung betreffe nur die Arbeiterschedule und auch diese Einschränkung sei nur zeitweilig. Er billigte der Mandatskommission das Recht und die Pflicht zu, die Mandatarmacht zu kritisieren. Die überzeugenden Ausführungen Procopes hätten ihn, Henderson, bewogen, der von Procope unterbreiteten Resolution zuzustimmen. Ein Programm über ihre Zukunftspolitik in Palästina werde die britische Regierung erst nach Prüfung des Simpson-Berichtes dem Völkerbundsrat unterbreiten. Im weiteren Verlaufe der Ratssitzung erklärte der holländische Delegierte Van Rees namens der Mandatskommission, deren Vizepräsident er ist, diese habe nicht erwartet, daß der Mandatsbericht über Palästina eine so günstige Ausnahme beider Mandatarmacht finden werde. Er drückte seine Zufriedenheit darüber aus, daß die Mandatarmacht in ihrer Erklärung den ursprünglich von Henderson vertretenen ablehnenden Standpunkt aufgegeben habe, und sprach die Hoffnung aus, daß der Rat den Gerechtigkeitswillen und die Unparteilichkeit, von denen die Mandatskommission bei ihrer schwierigen Aufgabe sich hat leiten lassen, anerkennen werde. Der Vertreter Persiens, Kahn Alla, bemerkte, die Mandatskommission habe in ihrem Berichte die Rechte der nichtjüdischen Bevölkerungsteile Palästinas nicht genügend berücksichtigt und befürwortete die Schaffung von Selbstverwaltungsorganen. Der jugoslavische Außenminister Marinkovic gab dem Wunsche Ausdruck, die Mandatsregierung möge die Rechte der Araber schützen und, während sie den ersten Teil des Mandates durchführt, den zweiten Teil nicht vernachlässigen. Der Berichterstatter Procope drückte schließlich seine Zufriedenheit über die zustandegekommeine Einigung aus und zollte der Mandatskommission für ihre Unparteilichkeit Anerkennung. Der Bericht wurde vom Völkerbundsrat einstimmig angenommen. Der sechste Nationalitätenkongreß Genf, 4. September (JTA.) Bei Anwesenheit von Delegierten aus fast allen Staaten Europas, die nicht weniger als fünfzehn verschiedene Völker vertreten, wurde der sechste Nationalitätenkongreß eröffnet. Der Präsident des Kongresses Dr. Josip Wilfan leitete seine Begrüßungsrede mit dem Ausdruck des Bedauerns ein, daß der von Anfang an an der Minderheitenbewegung führend beteiligte Repräsentant des jüdischen Volkstums, Leo Motzkin, infolge Erkrankung dem Kongreß nicht beiwohnen und diesmal nicht seinen alten Ehrenplatz im Präsidium einnehmen kann. Auf Anregung des Präsidenten Wilfan beschließt der Kongreß, Dr. Leo Motzkin einen Gruß und den Wunsch auf baldige Wiedergenesung zu übermitteln, auf daß er in Zukunft dem Kongreß und der Nationalitätenbewegung seine besonders wertvolle Mitarbeit leihen könne. In das Präsidium des Kongresses wurde als Repräsentant des jüdischen Volkstums der lettische Sejm-Deputierte Rabbiner Dr. Nurok gewählt. Außer ihm wohnen als Vertreter jüdischer Gruppen dem Kongreß noch bei: der frühere litauische Deputierte Dr. Jakob Robinson und der Führer des bulgarischen Gemeinde-Konsistoriums Oberst Tadger. Dem Kongreß liegen Minderheitenberichte von dreizehn europäischen Völkern vor, darunter ein Bericht über die Position der jüdischen Minderheiten in den verschiedenen Ländern. Dr. Ammende hielt ein Referat über „Grundsätzliche Schlußfolgerungen, die sich aus den Lageberichten der Nationalitäten ergeben“ und führte aus, daß das europäische Nationalitätenproblem eine Sache ist, die Europa in fast allen seinen Teilen und Staaten berührt. Das Minderheitenproblem ist somit eine gesamteuropäische Frage, eine Frage, deren Lösung die europäische Bevölkerung in ihrer Gesamtheit berührt und angeht. Einen großen Umfang erreicht das Problem in Ost- und Mitteleuropa. Die Zahl der zu den Minderheiten gehörenden Menschen in Europa unter Ausschluß des gesamten russischen Gebietes betrifft ca. 40 Millionen. An den Rumänien betreffenden Berichten sind z. B. sechs verschiedene Völker beteiligt: Die Ungarn, die Deutschen, die Ukrainer, die Bulgaren, die Juden und die Russen. Für Polen kommen gleichfalls sechs Völker in Betracht: Ukrainer, Weißrussen, Litauer, Deutsche, Russen und Juden. Für die Tschechoslovakei: Deutsche, Ungarn, Russen, Polen und Juden. Für Litauen: Deutsche, Polen, Juden und Russen. Die Nationalitäten klagen über Entnationalisierungspolitik gegenüber den Minderheiten, wirtschaftliche und kulturelle Beeinträchtigung bzw. Unterdrückung der Minderheiten, Negierung des Vorhandenseins der in Frage kommenden Volksgruppen usw. Rein pesönliche Leiden ergeben sich aus der gegenwärtigen Lage der Dinge für Millionen von Europäern, es sei bloß auf die Frage der Staatenlosen hingewiesen. Tausende und Abertausende von Menschen, die unter dem Stempel „staatenlos“ Verluste an Besitz, Gesundheit und Lebensglück zu buchen haben, zählen zu den Opfern dieser Verhältnisse. Einzig in Estland und Lettland haben die Mehrheitsvölker und Minderheiten in gemeinsamer Arbeit den Weg zur Kulturautonomie, zur völligen Freiheit der nationalkulturellen Betätigung für die Minderheiten gefunden. Die Lageberichte sollen demnächst veröffentlicht werden, sie werden erstmalig eine dokumentarische Darstellung der heutigen Zustände auf dem Gebiet der Nationalitätenfrage in Europa bringen. Im Verlauf der Aussprache über die Frage „Paneuropa und die Minderheiten“ führte der jüdische Minderheitenvertreter Dr. J. Robinson (Kowno) aus, man könne sich mehr Erfolg versprechen von einer Pazifistentagung der europäischen Generalstäbe, als von dem Versuch, eine europäische Staatenföderation zu schaffen, weil man dabei nicht wisse, ob der Paneuropäer stärker als der Pannationalist sein werde. Robinson warnte vor der Veröffentlichung der Lageberichte der Minderheiten, weil daraus manche Regierungen nur Anregungen dafür schöpfen würden, wie man die Minderheiten noch schlechter, behandeln könnte. Genf, 7. September. (JTA.) Der Kongreß der nationalen Minderheiten Europas stimmte den Thesen Dr. J. Wilfans über die Entwicklung von Volksgemeinschaften bei den einzelnen europäischen Völkern zu. Dr. Naumann versicherte Dr. Wilfan die uneingeschränkte Zustimmung zu dem Plane der Volksgemeinschaften. Eine weitgehende Entlastung der Staaten von kulturellen Aufgaben und der Übertragung dieser Aufgaben an die Volksgemeinschaften würde der Bildung der überstaatlichen Kulturkreise wertvolle Dienste leisten. Der Kongreß beauftragt schließlich den Ausschuß

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