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Das jüdische Echo · 1930-09-12 · 32 (12.9.1930) Der Aufstand · p. Seite 62

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
32 (12.9.1930) Der Aufstand
Date
1930-09-12
Page
Seite 62 (sequence 2)
Language
German
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62 Romanbenage des „Jüdischen Echos' Nr. 32 Umgebung sind schon leer, bei den Bauern wurden Kartoffeln, Mehl und Vieh requiriert. Vielleicht hat Jezioranski doch recht, Langewitsch stand auf und begann im Zimmer auf- und abzugehen, eine Armee, die keine Bewegungsfreiheit hat, wird stets schwer zu verpflegen sein. Das würde bedeuten, die Armee in einzelne Gruppen aufzulösen; vielleicht würde das den Aufstand noch aufrechterhalten, ihn um einen oder zwei Monate verlängern;aber schließlich muß es sicher zur Katastrophe führen. Rußland konzentriert immer mehr Truppen; allmählich wird es jedes Dorf, jedes Wäldchen besetzen und eine Gruppe nach der andern vernichten. Eine geschlossene Armee aber, die einen Stab hat, das ist gewissermaßen eine Adresse. Hilfe wird ja doch kommen, muß kommen. Frankreich ist für ein freies Polen zwischen Deutschland und Rußland, freilich nicht so sehr um des freien Polen als um seiner selbst willen. Wollen denn wir Polen ein freies Polen? Nein. Winnicki hetzt, Jezioranski ist neidisch und demoralisiert die Armee. Czechowski schweigt zwar, doch er kann sich jeden Tag lossagen und mit seinem Regiment abmarschieren. Mit einer solchen Armee Diktator werden? Und da heißt es schnell handeln, sonst reißt Mieroslawski morgen die Herrschaft an sich! Dieser Demagoge hat ja schon ganz Gosci mit seinen Proklamationen überschwemmt! Und Warschau schweigt — seit mehr als einer Woche ist keine Nachricht eingetroffen; und dieser Graf Grabowski fängt mir an zu mißfallen. Am Ende wird er ein Bubenstück in Szene setzen, bei dem der Gedanke des freien Polen aufs Spiel gesetzt wird. Und daß die Magnaten um jeden Preis einen Diktator haben wollen, gibt auch zu denken; sie wollen wohl alle polnischen Truppen in einer Hand konzentrieren, um sie sämtlich dem Feinde in die Hände zu spielen und so dem Aufstand mit einem Schlage ein Ende zu bereiten. Das könnte ihnen auch gelingen; gelingt es aber nicht — die Geschichte kennt solche Beispiele — so wird jeder Magnat baumeln. Müde ließ sich Langewitsch wieder am Tische nieder. Er zog seine Uhr, zwölf vorbei. Langewitsch fühlte ein Unbehagen; es verdroß ihn, daß Henryka ihn so lange allein ließ. Weit über eine Stunde ist es her, seit sie mit Czechowski in die Stellung ging. Hielte wenigstens Henryka zu mir! Daß es jetzt etwas wie eine Armee in Gosci gibt, ist nur ihr zu verdanken! Sie hat mich zur Vereinigung mit Jezioranski gedrängt. Und schließlich kommen alle Freiwilligen, die sich Tag um Tag melden, nur um ihretwillen! Von Henryka spricht doch jetzt schon ganz Polen! Schwer sank Langewitschs Kopf auf seine schmale Brust. Der Schlaf versetzte auch Langewitsch in eine andere Welt, wo der Feind vernichtet und Polen frei war; und Henryka, von strahlender Glorie umflossen hob die „Diktatur“ auf, die vor seinen Füßen lag, und setzte sie ihm aufs Haupt. Plötzlich sprang Langewitsch vom Stuhl auf, griff nach seinem Revolver und stürzte zur Tür, bei der sich Stimmenlärm erhoben hatte. Mitten im Zimmer stand Czechowski, eine Reitgerte in der Hand und hielt mit dem bloßen Blick seiner grauen Wolfsaugen die Offiziere in Schach, welche hitzig, mit drohend erhobenen Revolvern auf ihn losstürzen wollten. „Was geht da vor? Was ist geschehen?“ rief Langewitsch. Niemand hörte die Frage. Czechowski ließ sich ebenfalls nicht irre machen: „Schweine hüten soll der Kerl, nicht Uniform tragen! Wer Wache hat, darf nicht schlafen! An Langewitschs Stelle würde ich euch alle zum Teufel jagen, Schweine hüten lassen!“ „Herr Oberst haben kein Recht, mich zu schlagen!“ entgegnete der Adjutant totenbleich. „Ich hätte das Recht dich zu erschießen!“ Czechowski achtete auf jede Bewegung, jede Wendung der Offiziere, und sein Blick lähmte sie geradezu. „Ein Soldat darf auf Posten nicht schlafen! Und da wagt der Kerl noch zu widersprechen! Halt’s Maul!“ Kaltblütig schritt er durch die Gruppe der Offiziere, dann warf er einen finsteren Blick auf Langewitsch, als wollte er ihn für alles verantwortlich machen, und verließ das Zimmer. Jetzt erst machte sich der niedergehaltene Ärger der Offiziere Luft: „Wofür hält er uns eigentlich?“ „Müssen wir uns beleidigen lassen?“ „Darf er die Hand gegen einen Gleichgestellten erheben?“ „Wir dürfen nicht schweigen!“ „Essen kriegen wir keines!“ „Schlafen dürfen wir nicht!“ „Er muß sich vor uns entschuldigen!“ „Wer geht mit mir zum General?“ „Er schert sich den Teufel um den General!“ „So wird er sich um uns scheren müssen!“ „Gehen wir!“ Fortsetzung folgt

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