Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 32 (12.9.1930) Der Aufstand
- Date
- 1930-09-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 30. Fortsetzung „Dazu mußte ich mehr als fünfhundert Meilen wandern, aus dem tiefen Ungarn?“ „Nicht streiten, Brüder! Laßt uns lieber etwas singen! Wo ist der Lehrer aus Mlawa?“ Der Lehrer, ein großer, hagerer Mann, trat aus dem Kreise hervor und begann mit einer vollen, tiefen Stimme, die seine ausgemergelte Gestalt nie hätte vermuten lassen: „Siedzi Krakus pod drzew cieniem, Kosa przy nim lezy; Z czola splywa pot strumieniem. A krew na odziezy.“ Die anderen hatten sich um ihn geschart und wiederholten: „Z czola splywa pot strumieniem, A krew na odziezy.“ Bei den anderen Feuern erhoben sich Schatten und kamen näher. Mordechai schob sich leise aus dem Kreise, um neuen Ankömmlingen Platz zu machen. Wirzbicki folgte ihm. Schweigend schritten sie durch die kauernden Menschengruppen, die wie ausgegrabene Baumwurzeln aus dem Boden starrten. Komarowski sprengte auf seinem Schimmel an Mordechai vorüber. Plötzlich machte er wieder kehrt und sagte: „Ich habe einen Gruß für dich, Alter, von Frau Felicia.“ „Herr Oberst haben einen Brief von ihr erhalten?“ „Sie war soeben hier im Stab, mit einer Nachricht. Ich habe sie zur Grenze begleitet.“ Komarowski übergab Mordechai sein Pferd. Die Schimmelstute dampfte. Mordechai nahm seine Decke, breitete sie über den feuchten Rücken des Pferdes und führte es in den Stall. Wirzbicki schlief bereits. Auf allen Vieren kroch Mordechai mühsam in den Unterschlupf. Feuchte Wärme schlug ihm ins Gesicht. Er legte sich ins Stroh... Abgerissene Töne erzählten von Mieroslawski. Länger als ein Vierteljahrhundert hatte der Diktator seinen Traum genährt und mit ihm ganze Reiche bedroht. Und als er die Grenze überschritt, um den Traum zu verwirklichen, da überrumpelte ihn der Feind... Verlassen, vergessen steht Mieroslawski auf dem weiten Feld, umhalst sein Roß und weint... MARYAN LANGEWITSCH Leise öffnete Langewitsch die Tür seines Zimmers; er wollte sehen, ob sein Stab schon schlief. Die Offiziere lagen auf den Tischen, auf dem Boden, in den Sesseln. Der wachhabende Adjutant saß bei der Eingangstür in einem Polsterstuhl, den Kopf zurückgebeugt, mit offenem Munde. Im gleichen Takt mit seinen tiefen Atemzügen hob und senkte sich die Konfederatka, die ihm über das rechte Ohr gerutscht war. Langewitsch kehrte in sein Zimmer zurück und schloß behutsam die Tür mit dem angenehmen Gefühl, daß ihm niemand nachspüren würde. Er setzte sich an den Tisch, auf dem eine brennende Kerze langsam zerschmolz, und begann, zunächst im Kopfe, die „Kasse“ durchzugehen, die er ständig bei sich auf der Brust trug; dann zog er ein kleines Notizbuch hervor, in welchem alle Einnahmen und Ausgaben verzeichnet waren, und überprüfte jede Ouittung und jedes Blatt, das tagsüber eingelaufen war. Die Kasse vertraute er niemanden an; Nacht für Nacht zählte er sie nach, indem er säuberlich eine Banknote über die andere legte. Die Frauken, Kronen und polnischen Gulden wuchsen zu Paketen und Langewitsch verwandelte wie ein Alchimist die Pakete in Gewehre und Munition; und es kam öfters vor, daß er, wenn die Finanzlage erörtert wurde, den Bericht erstattete: Die Kasse verfügt über so und so viele Gewehre. Er schob die Banknoten in die Leinentasche, die er wieder um die Brust hing, und begann die Nachrichten durchzusehen, die im Laufe des Tages über die Bewegungen des Feindes eingelaufen waren. Er breitete eine Landkarte auf den Tisch auf und machte einige Einzeichnungen; sein Entschluß war bald gefaßt: Wir können ruhig in Gosci bleiben. Bis der Feind hier ist, vergehen noch drei oder vier Tage. Schlimm ist nur, daß die Verpflegung von Tag zu Tag schlechter wird. Alle Dörfer in der