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Das jüdische Echo · 1930-09-05 · 31 (5.9.1930) Der Aufstand · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
31 (5.9.1930) Der Aufstand
Date
1930-09-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 29. Fortsetzung „Wozu säße er denn sonst hier im Talkessel?“ stieß Kahane erregt hervor. „Die Stellungen sind von allen Seiten offen, und ein einziges geschicktes Manöver eines russischen Regimentes wirft uns über die österreichische Grenze! Langewitsch baut auf die russische Unfähigkeit; er setzt viel aufs Spiel, denn mag die Rechnung zehnmal stimmen, beim elftenmal muß man hineinfallen! Ach, Mordechai,“ Kahane wandte sich feldein, „du weißt ja gar nicht, was hier vorgeht! Hinter dem ruhigen, verdrießlichen Langewitsch steht die gesamte Reaktion! Die Gegner des Aufstandes, die ihm das Grab bereiten wollen, sehen in Mieroslawski und seinen Anhängern Kommunisten, welche die Bauern befreien und die Schlachta vernichten wollen. Ich sagte: die Reaktion? Auch die ,Roten4 stehen hinter Langewitsch. Für die naiven ,Roten4 ist er der Träger der neuen Idee, für die »Weißen* die einzige Waffe, um aus Polen nicht so sehr Mieroslawski selbst, als vielmehr seine Idee vom freien Polen zu vertrei: ben. Und was sich vor fünfundsiebzig Jahren beim Zerfall Polens abgespielt hat, genau dasselbe spielt sich jetzt in dem Dörfchen Gosci ab. Jeder will Diktator werden, jeder, von Langewitsch angefangen bis zu Jezioranski. Sie opfern Polen ihrem eigenen Ehrgeiz. Das ist kein Stab, das ist ein Tummelplatz der Intrigen. Jeder tut, was ihm beliebt, und ich fürchte, heute oder morgen wird sich hier eine Komödie abspielen, die von Schauspielern inszeniert sein könnte, nicht von Militärs!“ „Und Mieroslawski hat im .Stab keine Anhänger?“ fragte Mordechai. „Sehr wenige, die Brüder Kaskowski, ich und noch der eine oder andere. Unter den Zuaven hat er mehr Anhang; es sind Kinder französischer Emigranten, Studenten und Revolutionäre verschiedener Art.“ „Und Langewitsch selbst?“ „Die Grafen, die Gosci wie ein Heuschrekkenschwarm überfallen haben, die haben ihm den Kopf verdreht. Ununterbrochen werden Korrespondenten von der Auslandspresse eingeladen; man berichtet, macht photographische Aufnahmen. Und die Frauen der Gutsbesitzer, die ins Ausland geflüchtet sind, da sie sich dem Aufstand nicht anschließen wollten, kaufen den Verrat ihrer Männer mit ihrem Körper los und kleben am Stab wie die Fliegen.“ „Wenn ich recht unterrichtet bin, so ist auch im Stab selbst eine Frau?“ unterbrach Mordechai. „Du meinst die Pustowojtowna? Das ist ein ganz anderer Fall, in diesem Geschöpf polnisch-russischer Mischung lebt etwas von der Stoßkraft des unterdrückten Polen! Wenn Langewitsch nicht den Intrigen zum Opfer fällt, die um ihn rasen, so wird das nur das Verdienst der Pustowojtowna sein. Alle im Stab beten sie an, von Langewitsch angefangen bis zu Czechowski. Ihr gefällt, so scheint es mir, der alte Czechowski; der Alte kann auch gefallen! Mit einem leichten Ruck am Zügel bändigt er das wildeste Roß! Du wirst ihn ja selbst sehen!“ „Ich habe ihn schon gesehen,“ bemerkte Mordechai. „Sieht er nicht aus wie ein Kosakenhetman?“ Kahane blieb plötzlich stehen. „Mir geht es oft durch den Kopf, wäre nicht der Aufstand, sie wären nicht bei uns, die Menschen wie Czechowski oder die Pustowojtowna; die sozialen Erschütterungen schleudern sie an die Oberfläche ...“ ,Es ist aber auch Raum für Intriganten,40 unterbrach Mordechai. „Doch sie können sich nicht länger halten als eine Rakete in der Luft,“ erwiderte Kahane lächelnd. „Erinnerst du dich noch des jungen Herrchens in der Kommune — er trug ein Monokel, wie hieß er doch nur?“ „Wer trug dort kein Monokel?“ „Ich meine den, der beim Abschiedsfest Therese belästigte.“ „Graf Grabowski?“ „Ja! Das Herrchen ist plötzlich im Stab als >Roter‘ aufgetaucht und führt das große Wort! Gib acht, der Schieber wird uns alle noch so kompromittieren, daß fwir uns werden schämen müssen.“

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