Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 30 (29.8.1930) Der Aufstand
- Date
- 1930-08-29
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 28. Fortsetzung Es heißt, daß Garibaldi selber mit einer Armee bei Krakau steht/4 „Wer ist der Garibaldi?“ „Laß doch einen anderen auch die Kehle befeuchten, Franek, was stehst du da beim Faß wie ein Ölgötze? Schieb ab!“ „Kriege ich dafür eine Zigarette?“ „Hier, die kannst du haben!“ Ein Bau'ernmädchen kam vorüber, die Zipfel ihres roten Kattunrockes aufgeschürzt; sie trug zwei Eimer Milch. >,Magda!“ „Magdusia!“ Zwei Burschen aus Krakau in gesteppten Stiefeln vertraten dem Mädel den Weg: „Wir werden dem Fräulein die Milch tragen... Wo wohnt das Fräulein? Dort in der Chalupe?“ Das Mädchen warf den Burschen einen verschämten Blick zu. Ihr helles, rundes Gesicht wurde purpurrot. Ehe sie noch Zeit hatte, etwas zu sagen, hatten die beiden „Kavaliere“ sich der Milcheimer bemächtigt und marschierten erhobenen Hauptes der Hütte zu, als begleiteten sie nicht eine Bauerndirne heim, sondern eskortierten einen gefangenen Feind... Das Branntweinfaß war leer und vom Essen keine Krume übrig. Während die Mannschaft sich noch die Lippen leckte, waren schon die Unteroffiziere zur Stelle und formierten die Rekruten; sie teilten sie in Infanteristen mit Gewehr oder Sense und Kavalleristen und führten einen Zug nach dem anderen ab. Die Truppen marschierten durch den Gutshof und im Bogen am Dorfe vorüber; weiter seitwärts, in östlicher Richtung, flatterte eine riesige schwarze Fahne mit weißem Kreuz. Dort wartete Komarowski; neben ihm stand Oberst Rochebrun — ein kleiner, schwarzer Mann; die Haut seines Gesichtes und seiner Hände war so gespannt, daß sie die unaufhörliche Bewegung seiner Muskeln sehen ließ, die tiefliegenden, klugen Augen standen nicht einen Moment still, und seine Fliege auf dem Kinn schien stets zu lächeln. Die Rekruten blickten mit Stolz und Bewunderung auf Rochebrun, von dessen Heldentaten bei Miechow sie gehört hatten. Mordechai konnte sich des Eindrucks nicht erwehren, daß der Franzose wie ein algerischer Jude aussah. Sie wurden Mann neben Mann in einer langen Reihe aufgestellt. Rochebrun musterte jeden einzelnen Mann, stellte Fragen und machte Ausstellungen; dabei sprach er rasch, ohne sich darum zu kümmern, daß die Bauern ihn nicht verstanden und er sie — erst recht nicht. Die Bauern wagten schließlich kaum mehr etwas zu sagen; sie flüsterten leise miteinander und horchten den fremden Lauten, welche ihnen um die Ohren schwirrten: Französisch, Ungarisch, Italienisch, sogar Deutsch war zu hören, doch fast gar kein Polnisch. Über jeden Mann, der eine Uniform trug und ein Gewehr besaß, äußerte Rochebrun unbändige Freude und wiederholte immer wieder: Wir werden den Russen vertreiben! Traf er aber einen Rekruten in Zivilkleidung mit einem Pflock in der Hand, so fertigte er ihn hastig ab, indem er seinen Gehilfen zurief: „Jedem Mann einen Fez!“ Die Mannschaft erhielt rote türkische Feze mit schwarzen Quasten. Es sah wie eine Maskerade aus. Die Bauern drehten die Köpfe hin und her, blinzelten mit den Augen nach den Quasten und lächelten einfältig. „Alles zu den Unteroffizieren!“ Ein Laufen und Hasten entstand, und während sich die kleinen Gruppen noch formierten, verkündete ein Trompetensignal, daß die Mittagszeit da sei. Mordechai ging Kahane aufsuchen ... Einmal ums andere wurde er von einer Patrouille angehalten. Im Gutshof war der Stab nicht zu finden. Mordechai wunderte sich, daß er gerade hier unbehindert eintreten konnte. In einem schmalen, langen Zimmer saßen, die Konfederatkas aus Lammfell auf dem Kopf, einige Adjutanten an den Tischen. Neben ihnen ein Durcheinander von Wurst, Brot, Revolvern, Schriftstücken, Mappen und einer Unmenge