Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 35 (29.8.1930)
- Date
- 1930-08-29
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 55_ 29. August 17. Jahrgang Die Tagung des Zionistischen Aktionskomitees Berlin, 25. August. (JTA.) Am Sonntag, den 24. August, 12 Uhr mittags, trat das Aktionskomitee der Zionistischen Weltorganisation zu einer Sitzung im Logenhaus zu Berlin zusammen. Die Mitglieder und Ersatzmitglieder des Aktionskomitees haben sich zu dieser Session, in der politische wie wirtschaftliche, organisatorische und budgetäre Fragen von erster Wichtigkeit zur Behandlung kommen werden, in größerer Zahl als gewöhnlich eingefunden. Der Präsident der Zionistischen Weltorganisation, Dr. Chaim Weizmann, wohnte den ersten Sitzungen nicht bei; er wird am Montag um 4 Uhr nachmittags in der Sitzung des Aktionskomitees erscheinen und einen eingehenden politischen Bericht erstatten. Dr. Ruppins Kolonisationsbericht Als erster Punkt der Tagesordnung wird das Referat Dr. Ruppins über die kolonisatorische Arbeit in Palästina angesetzt. Dr. Ruppin gibt ein Bild der wirtschaftspolitischen Arbeit der Exekutive in den fünf Monaten seit der letzten Sitzung des Aktionskomitees. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit stand die Tätigkeit von Sir John Hope Simpson. Die Exekutive hat Simpson eine Reihe von Memoranden und Materialien vorgelegt und er hat auch in Begleitung Dr. Ruppins die jüdischen Kolonien besichtigt. Wir haben Simpson gegenüber betont, daß schon die Verfasser des Mandats — wie aus dem Text hervorgeht — die Absicht hatten, eine Intensivierung der arabischen Wirtschaft zu befürworten, um für mehr Menschen Platz zu schaffen. Die Regierung hat aber nichts hierzu getan. Die Exekutive hat nun genaue Untersuchungen in einer Reihe von Gebieten durchführen lassen, und auf Grund des so gewonnenen Materials haben wir Simpson einen Plan bezüglich vier Distrikten vorgelegt, und zwar der Küstenebene, Hule, Beisan und Unteres Jordantal. In diesen vier Gebieten können wir etwa 55 000 Familien ansiedeln, ohne die gegenwärtigen arabischen Siedler von ihrem Boden zu verdrängen. Es gibt in diesen vier Gebieten 3—4 000 000 Dunam, davon beanspruchen wir 1 300 000 Dunam für jüdische Siedlung, wobei die Araber die Mittel erhalten, durch Intensivierung ihrer Betriebe mit dem restlichen Boden auszukommen. In der Küstenebene, die das wichtigste Gebiet darstellt, sind von 2 500 000 Dunam, etwa 1 200 000 bewässerbar, davon 400 000 geeignet für Orangenbau. Wenn wir 800 000 Dunam bewässerbaren Bodens erwerben können, so genügt das zur Ansiedlung von 37 000 Familien in dieser Zone. Die 22 000 arabischen Familien, die jetzt diesen Boden sehr extensiv bewirtschaften, können mit Hilfe des Kaufpreises, den sie für ihren Boden von uns erhalten, sich von ihren etwa 1 000 000 Pfund betragenden Schulden befreien, so daß sie, da sie 25 Prozent Zinsen zahlen müssen, 250 000 Pfund jährlich ersparen. Weitere 2 000 000 Pfund des Kaufpreises können sie zur Verbesserung ihrer Betriebe verwenden, so daß sie nach Durchführung dieses teilweisen Bodenverkaufes ein besseres Einkommen haben als früher. Wir haben Simpson auch Material über die Industrie gegeben, die aus jüdischer Initiative in diesen zehn Jahren geschaffen wurde. Außer mit Simpson hat die Exekutive auch mit Herrn Strickland, demExperten für Kooperativen, zusammengearbeitet. Strickland hat seiner Bewunderung für die jüdische kooperative Arbeit in Palästina Ausdruck gegeben. Auch Simpson bezeugte dem jüdischen Werk und dem jüdischen Arbeiter seine Bewunderung. Der Referent wendet sich dann der Lage der Kolonisation zu. Das letzte Jahr war sehr unbefriedigend, da einerseits die Mäuseplage einen großen Teil der Ernte vernichtet hat und Palästina auch an der großen landwirtschaftlichen Weltkrise teil hat, andererseits das Budget der Jewish Agency nicht eingehalten wurde, so daß nur etwa zwei Drittel der vorgesehenen Ausgaben gemacht werden konnten, worunter die Arbeit sehr leidet. Die wichtigste Frage, mit der die jüdische Kolonisation sich jetzt zu beschäftigen hat, ist die Erschließung von Märkten. Es wird beabsichtigt, hierfür einen eigenen Experten zu engagieren. Was die Verträge mit den Siedlern betrifft, haben wir uns auf einen Vertragsentwurf geeinigt, wonach der Siedler in den ersten fünf Jahren nichts zu zahlen hat, dann zehn Jahre lang eine Verzinsung von zwei Prozent und dann in weiteren vierzig Jahren Verzinsung Amortisation des ganzen Kapitals. Die Siedler wünschen noch eine Änderung, über die das Aktionskomitee zu entscheiden haben wird, nämlich, daß nach Ablauf von je zehn Jahren eine Kommission feststellt, ob sie mehr zu zahlen in der Lage sind. In der Durchführung des Beschlusses der Londoner Sitzung über die Ansiedlung von 1000 Arbeiterfamilien wurden bisher keine Fortschritte in der praktischen Ausführung gemacht. Für die Finanzierung stehen zur Verfügung: 50 000 Pfund aus dem Hilfsfonds. 25 000 Pfund Spenden aus England, 30 000 Pfund von den Siedlern selbst, außerdem soll die Palestine Economic Corporation einen Kredit von 125 000 Pfund geben und weitere 175 000 Pfund sind aufzubringen in der Form eines Kapitals für eine Arbeiter-Kreditgesellschaft. Die allgemeine Wirtschaftslage in Palästina war in den Städten nicht schlecht. Industrie und Handel haben sich von den Folgen des Boykotts erholt. Rutenberg wird in etwa zwei Monaten aus dem Stauwerk Kraft liefern. Am Toten Meer sind etwa 100 jüdische Arbeiter beschäftigt. Die heißen Ouellen von Tiberias werden jetzt von einer Gesellschaft übernommen, deren Finanzierung versucht wird. Von den 120 000 Dunam mit Orangen bepflanzten Boden gehören den Juden 58 000 Dunam. Die Exekutive bringt ein Budget zur Sitzung mit, das sich auf 850 000 Pfund beläuft. Dies ist das Minimum dessen, was die Jewish Agency für ihre Palästinarbeit braucht. Von diesen 850 000 Pfund