Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 34 (22.8.1930)
- Date
- 1930-08-22
- Page
- Seite 482 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nr. 34 4 82 Sekretär im Kolonialamt, Dr. Drummond Shiels, de'ssen Palästinareise gestern offiziell angekündigt wurde, wird sich, wie heute verlautet, noch vor Antritt dieser Reise nach Genf begeben, um an der in der ersten Hälfte des September stattfindenden Versammlung des Völkerbundes, in der die Palästinafrage zur Behandlung kommen wird, teilzunehmen. Die in Edinbourgh erscheinende Zeitung „Scotsman“ erfährt, daß der gegenwärtig auf Urlaub in Europa weilende High Commissioner für Palästina, Sir John Chancellor, Dr. Shiels nach Genf begleiten wird. Wie der JTA-Vertreter aus zuverlässiger Quelle erfährt, ist die Antwort der britischen Regierung auf die Feststellungen der Mandatskommission des Völkerbundes in ihrem Palästinabericht in einem sehr scharfen, ja unfreundlichen Ton gehalten. Niederbrennung der großen Synagoge in Marmaros-Sziget durch Cuzisten Die größte Synagoge in Groß-Rumänien CI ui (Klausenburg). 12. August. (.ITA.) Am 11. August, abends, wurde die jüdische Bevölkerung von Marmaros-Sziget durch den Ruf alarmiert, daß die Haupt-Synagoge, die größte jüdische Synagoge Rumäniens, auf die die Gemeinde stolz war, in Flammen stehe. Die jüdische Bürgerschaft eilte zur Rettung der Synagoge, als man aber in den Gebetraum eindrang, entdeckte man, daß die Thora-Lade erbrochen war, die Sifre Thora durcheinandergeworfen und angezündet worden waren. Man entdeckte weiter, daß die Synagoge an mehreren Stellen mit Petroleum übergossen worden war und daß der Brand auch an mehreren Stellen gleichzeitig ausgebrochen war. Die ganze Nacht über dauerten die Anstrengungen zur Löschung des Brandes fort, aber erst gegen Morgen konnte der Brand eingedä-- werden; die Synagoge ist fast vollkommen eingeäischert. Während deis Brandes spielten sich bewegte Szenen ab, indem die Polizei sich bemühte, die Bürger, von denen sich mehrere in Lebensgefahr stürzten, um die Sifre Thora und die wertvollen Utensilien zu retten, von der brennenden Synagoge fernzuhalten. Codreanu freigesprochen Bukarest, 14. August. (JTA.) Am Mittwoch, dem 13. August, abends, wurde das Urteil gegen den antisemitischen Agitator Zelea Codreanu, den Organisator der Eisernen Garde, verkündet. Codreanu hatte sich wegen zweier Manifeste zu verantworten, in denen er das Attentat auf den Unterstaatssekretär Anghelescu verherrlicht und die Studenten zu anderen Attentaten und zur Vernichtung der Juden aufforderte. Er war in allen Punkten geständig. Er erklärte: Ich bin der Autor dieser zwei Manifeste und übernehme die ganze Verantwortung für deren Inhalt. Das Urteil lautete auf Freispruch, nachdem die Geschworenen mit zwei Stimmen Mehrheit die Frage der Schuld Codreanus verneinten. Der Staatsanwalt hat Berufung eingelegt, so daß Codreanu vorläufig weiterhin in Untersuchungshaft verbleibt. Das Urteil hat im ganzen Lande ungeheure Bestürzung hervorgerufen. Erneuerung der antisemitischen Ausschreitungen in Rumänien Cluj (Klausenburg), 17. August. (JTA.) Die Freisprechung Zelea Codreanus gab anscheinend das Signal zur Erneuerung der antisemitischen Ausschreitungen. In Galaz wurden mehrere Juden durch Mitglieder der Eisernen Garde mißhandelt, ein Student wurde verhaftet. In Kischinew wurden einige jüdische Bürger verprügelt, mehrere Exzedenten wurden verhaftet, aber bald wieder freigelassen. Laut Meldung der Sigurantza haben die antisemitischen Studentenführer Danila und Totu ihren Sitz von Marmarosch nach Bestsarabien verlegt; zu ihrer Verhaftung wurden Detektive entstände ,.Adeverul“ teilt mit, daß der Polizeipräfekt von Galaz, Amarescu, wahrscheinlich abberufen wird, weil die Untersuchung ergeben hat, daß er die antisemitische Bewegung aktiv unterstützt. Trauer- und Gedächtnisfeiern für die Opfer von Hebron und Safed Eine Trauerwoche der palästinensischen Judenheit Jerusalem, 13. August. (JTA.) Am Dienstag, dem 12. August, beging die palästinensische Judenheit die erste Jahrzeitfeier für die Opfer der Massakres in Hebron. Am Abend 'strömten große Massen der Jerusalemer Judenheit in die Hurva- Synagoge, wo der Trauer- und Gedächtnisgottesdienst abgehalten wurde. Unter den Rednern war Oberrabbiner Kook. Die Menge lauschte in tiefster Ergriffenheit. Es wurde beschlossen, diese ganze Woche als Irauerwoche zu begehen und in den nächsten Tagen überall im Lande Gedächtnisfeiern abzuhalten. Die Trauerwoche wird am ersten Jahrzeittage für die Opfer der Safeder Tragödie (in Safed begannen die Masakers bekanntlich sechs Tage nach den Jerusalemer Unruhen) beendet sein. In Tel-Awiw waren am Dienstag, 6 Uhr abends, zum Zeichen der Trauer für die Hebron-Opfer alle Kinotheater und die anderen Lustbarkeitsstätten geschlossen worden. Arabischer Generalstreik am Jahrestage des Ausbruchs der Unruhen Der Proteststreik wird sich auch gegen die Begnadigung Urphalis richten Jerusalem, 14. August. (JTA.) Die Arabische Exekutive hat beschlossen, für den 23. August, dem Jahrestage des Ausbruchs der Unruhen in Palästina, einen allgemeinen arabischen Streik zu proklamieren. Der Proteststreik wird sich gemäß Beschluß der Exekutive auch gegen die Begnadigung des Juden Joseph Urphali richten. Es verlautet, daß die Exekutive sich zu dieser Demonstration entschloß, weil an ihrem angeblich schwächlichen Verhalten in der Frage der Begnadigung Urphalis seitens der extremen arabischen Nationalisten und der arabischen Presse scharfe Kritik geübt wurde. (Die Judenheit Palästinas hat den Jahrestag des Ausbruchs der Unruhen als Trauer- und Gedächtnistag nach dem jüdischen Kalender bereits begangen.) Personalia Albert Spaeth, im isr. Pensionat Kaulbachstraße, ein alter Münchener, begeht am 24. August den 70. Geburtstag. Spaeth ist in Sängerkreisen sehr bekannt. Seit seinem 10. Jahr wirkt er im Synagogenchor mit, im jüdischen Gesangverein ist er seit Gründung Notenwart. Möge er sich seines guten Humors und guter Gesundheit noch lange erfreuen.