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Das jüdische Echo · 1930-08-22 · 29 (22.8.1930) Der Aufstand · p. Seite 56

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
29 (22.8.1930) Der Aufstand
Date
1930-08-22
Page
Seite 56 (sequence 2)
Language
German
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56 Romanbeilage des „Jüdischen Echos' Nr. 29 Das Hämmern von Schmieden rollte wie ferner Donner durch das Tal. Freudestrahlend flüsterte Wirzbicki: „Wer hätte das auch nur zu träumen gewagt? Eine polnische Armee! Mit einer solchen Armee kann man sich offen dem Feinde stellen, da braucht man ihn nicht von hinten zu überfallen, ihn wie ein Hund zu beißen und davonzulaufen U Graf Komarowski war auf seiner Schimmelstute bald hier, bald dort, er musterte die Reihen der Rekruten; wenn er etwas auszusetzen hatte, so klangen seine Worte leise, geradezu bittend: Den rechten Fuß, den rechten Fuß, Burschen, so! Ein Soldat muß stehen können! Bewegung. „Wer kommt da?“ fragte einer der Soldaten leise. „Ein General.“ „Ein polnischer?“ „Nein, ein Russe!“ flüsterte ein $echs Fuß hoher Masure spöttisch seinem Nebenmann zu. Wirzbicki sah Mordechai lächelnd an und deutete auf die Reihen der Soldaten: „Siehst du die Männer im roten Fez mit den schwarzen Quasten, beim Walde, dort, beim Walde! das sind unsere Freunde, die Zuaven.“ Ein alter Unteroffizier, der sein Bäuchlein wie eine Trommel vor sich hertrug, lief eilfertig heran, den Säbel vor sich haltend. Er machte vor Komarowski halt und salutierte mit jungenhaftem Eifer: „General Langewitsch kommt.“ Die Soldaten gaben sich einen Ruck und richteten sich gerade. Komarowski sprang vom Pferde, machte einige Schritte vorwärts, als wollte er Langewitsch entgegengehen, und blieb dann mit gezogenem Säbel stehen. Aus dem Herrenhause trat Langewitsch, ein untersetzter Mann mit schwarzem, kurzgeschnittenem Bart und dunklen, scharfen Augen. Sein Säbel hing nachlässig an dem pelzverbrämten Mantel. Die Stabsadjutanten, die ihn umgaben, trugen tadellos anliegende neue Uniformen, deren Gold- und Silberstücke das Auge blendeten. Komarowski salutierte und erstattete Meldung. Langewitsch reichte ihm die Hand und begrüßte die neue Abteilung Rekruten. „Es lebe der General!“ scholl es als Antwort. Langewitsch faßte Komarowski unter und schritt mit ihm die Front ab. Er musterte die bärtigen Masuren und wies Komarowski auf die Heugabeln, welche die Rekruten statt Gewehren trugen. Kein Wort des Vorwurfs kam über seine Lippen, bloß sein längliches Gesicht blickte ernst. „Wie geht es Ihnen, Krasnopolski?4 ' Langewitsch blieb plötzlich stehen und begrüßte einen jungen Mann, der ein Pincenez und eine Garibaldi-Bluse trug, wie sie in der Militärschule zu Genua gebräuchlich war. „Danke, gut, Herr General!“ Langewitschs Suite rückte näher, um zu sehen, mit wem der General sprach. Man sprach halb polnisch, halb französisch. Ein junger Adjutant, von mädchenhaft zartem Körperbau, schritt neben General Czechowski. „Ihr habt gewiß Hunger, Jungens?“ riei Langewitsch plötzlich der Truppe zu. „Es lebe der General!“ Als Langewitsch mit seiner Begleitung das Exerzierfeld verlassen hatte, zerstreute sich die Truppe auf der Ebene; die Stimmung wurde fröhlich. Krasnopolski wurde bestürmt; jedermann wollte wissen, woher er mit dem General so gut bekannt sei. Doch er pfiff einen Pariser Gassenhauer vor sich hin und gab keine rechte Antwort. Mordechai kam näher. „Oh, Panie Alter! Ganz Kozk ist ja hier versammelt, Kahane ist beim Stab, Komarowski bei uns, Sie und ich sind hier, es fehlt nur noch Frau Strahl...“ Ein Faß Branntwein, etliche Säcke Brot und Körbe Wurst wurden gebracht. Die hungrige Truppe vergaß ihre Müdigkeit, stürzte sich auf das- Essen und1 plauderte unaufhörlich: „Wer ist der Adjutant mit dem Mädchengesicht?“ „Der neben Czechowski ging?“ „Das ist doch Langewitschs Adjutant!“ „Das weiß ich auch ohne dich!“ „Warum fragst du dann?“ „Das ist sicher ein Mädchen!“ „Ein Mädchen?“ „Da geht’s im Stab gewiß lustig zu!“ „An den Beinen erkannte ich, daß es ein Mädchen ist!“ » „Halt lieber ’s Maul!“ „Bruder, hier gilt die russische' Methode nichts, hier kann ich reden, was ich will!“ „Was ist das für ein Hemd, das der mit der Brille trägt?“ „Das ist ein Italiener!“ „Die können gewaltig dreschen, heißt es!“ „Ich möchte es noch mit ihm aufnehmen!“ warf ein Masure ein. Fortsetzung folgt.

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