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Das jüdische Echo · 1930-08-22 · 29 (22.8.1930) Der Aufstand · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
29 (22.8.1930) Der Aufstand
Date
1930-08-22
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 27. Fortsetzung Plötzlich merkte Mordechai, daß Komarowski neben ihm ritt. Dieser sagte: „Wissen Sie, Alter, daß Strahl gestorben ist?“ „Wann denn?“ fragte Mordechai beinahe gleichgültig. „Vor fast einem halben Jahr.“ „Und wo ist Frau Strahl?“ „In Krakau bei ihrer Schwester ...“ Plötzlich stand die Abteilung still. Wirres Fragen begann: „Was gibt es?“ „Der Feind?“ Ein Schlitten war angehalten worden, den ein Bauer in einem Schafpelz lenkte. Im Schlitten saß ein junges, rothaariges Mädchen. Die Burschen standen umher und betrachteten das Mädchen mit wohlwollenden Blicken. „Wohin?“ fragte Komarowski. „Nach Hause, Herr Kommandant!“ „Wo wohnt Ihr?“ „Wir wohnen auf dem ,Grund4, eine kleine Meile von hier!“ „Seid Ihr auf dem Wege niemanden begegnet?“ „Ihr seid die Unsrigen,“ der Bauer sah sich mißtrauisch um, „so hört, bei der Mühle haben uns Russen angehalten und nach Gewehren nachgesucht.4* „Wie viele waren es?“ „Es waren vielleicht zehn Mann, Herr Kommandant. Wie wir aber später rechts abbogen, da sahen wir sie aus dem Walde kommen, so zahlreich wie Mohnkörner...“ Einige hundert Fuß vom Walde entfernt wurden Wachen aufgestellt. Die Abteilung lagerte im Walde um die Munitionswagen. Mordechai und ein junger Bauer standen an einem Baum auf Posten und beobachteten beide Seiten der Straße. Ein leichter Regen rieselte nieder. Vom anderen Ende des Waldes, wo der Feind lag, drang ein ersticktes Heulen herüber. „Ein Wolf!“ Der Bauer bekreuzigte sich. „Gibt es denn in dieser Gegend Wölfe?“ „Seit es Aufstand gibt, erscheinen sie in Rudeln. Der Wolf ist eine elende Bestie, er folgt dem Menschen unermüdlich, und fällt einer oder bleibt verwundet liegen, sofort ist der Wolf da! Herr Jesus, schütze mich vor solchem Tode!“ Auf der freien Ebene tauchten Menschen auf. Einzeln, zu zweit, gruppenweise kamen sie von allen Seiten. „Das sind Russen!“ „Es sind Büsche!“ entgegnete Mordechai. „Wir müssen es melden!“ Der Bauer wandte sich zum Gehen. „Es sind keine Menschen!“ rief Mordechai mit sicherer Stimme und glaubte doch seinem eigenen Wort nicht recht. „Wohin gehst du? Bleib doch, wo man dich hingestellt hat!“... „Wir stehen schon länger als drei Stunden, warum kommt keine Ablösung?“ Einige Male richtete der Bauer diese Frage an Mordechai und bekreuzigte sich jedesmal. Der Regen hörte auf; es wurde wärmer. Der Morgen erwachte ... IN GOSCI Es war heller Tag, als die Abteilung Gosci erreichte. Im Tale verstreut lagen kleine, strohgedeckte Hütten ohne Fenster. Seitwärts erhob sich auf einer kleinen Anhöhe ein altmodischer Herrensitz. Bärtige Masuren mit gebogenen Sensen standen an jedem Eingang. Auf der Veranda ein Durcheinander von grauen Jacken, kurzen und langen Säbeln und Pistolen. Auf den Feldern breitete sich ein Kriegslager aus. Hunderte von Beinpaaren stießen in die Luft, links — rechts, links — rechts, bogen sich gleichzeitig und streckten sich gleichzeitig, standen alle auf einmal still. Berittene Schlachtschitzen in weißen Krakauer Uniformen, Masuren in bunten Röcken mit Sensen auf der Schulter, Infanteristen mit schweren Jagdflinten und kurzen belgischen oder roten Garibaldi-Hemden, Zuaven in rotem Fez mit schwarzer Quaste, Fahnen mit weißen Kreuzen und Adlern.

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