Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 28 (15.8.1930) Der Aufstand
- Date
- 1930-08-15
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 26. Fortsetzung Wuchtig fielen die Worte in den halbdunklen Kirchenraum, die Mönche warfen einander angsterfüllte Blicke zu, und sich den Seitentüren nähernd, begannen sie sich zu rechtfertigen. „Nicht wir sind schuld!“ „Wer denn?“ „Der Abt hat es verboten!“ „Wo ist er?“ „In seiner Zelle.“ Ein fast knabenhaft junger Frater mit großen Kinderaugen geleitete Graf Komarowski in den Steinbau, der sich hinter der Kirche erhob. „Wovon lebt Ihr hier?“ fragte Wirzbicki den jungen Frater. „Von milden Gaben.“ „Ihr tätet besser daran, die Kutten auszuziehen und den Russen verjagen helfen!“ Der junge Frater hob schüchtern seine Augen zu Wirzbicki empor und senkte sie sofort verlegen. „Es ist wirklich unerhört,“ wetterte Komarowski noch immer, „polnische Priester...“ „Daran ist der Bischof von Krakau schuld“, warf der junge Frater leise hin und sah sich dabei vorsichtig um. „Was hat der Bischof von Krakau mit dem Kloster zu tun?“ „Er war früher Abt unseres Klosters; er ist ein Freund Paschkewitschs,“ Mordechai begriff nicht, wie die Klosterbrüder, welche auf milde Gaben angewiesen waren, in solchem Reichtum leben konnten. Auf schweren Teppichen schritten Fratres mit strengen Gesichtern auf und nieder. Sie warfen zornige Blicke auf die Fremden, die ihre Muße störten. Die glänzenden Kachelofen strömten übermäßige Wärme aus. welche die vollen Wangen und die prallen Hände rötete. In lose gegürtete Mäntel gekleidet, saßen die Fratres vor alten lateinischen Folianten, die in Holz oder Pergament gebunden waren; sie spielten mit den Troddeln ihrer Gürtel und lasen. Einige hielten Gänsekiele in den Händen und machten Notizen oder Abschriften. Die langen Mäntel, die vollen, weiblich weichen Gesichter, die Trägheit, in all dem lag etwas Orientalisches, das in seinem innersten Wesen dem Slawen stets fremd bleiben muß. Die weiten Säle mit den Gobelins an den Wänden und den alten Gemälden erinnerten mehr an ein Museum als an ein Kloster. Aus einem entlegenen Saal vernahm man Orgelklang. „Der Abt kann sie nicht empfangen,“ meldete verlegen der junge Frater, „doch er hat Befehl gegeben, die Bauern zur Beichte zuzulassen.“ Sie wandten isich zum Gehen. Wirzbicki hielt Komarowski an und deutete auf eine Wand; dort hing Paschkewitschs Porträt in schwerem Rahmen. Ohne sich auch nur einen Augenblick zu besinnen, sprang Komarowski auf das Sofa, weiches unterhalb des Bildes stand; ohne der Proteste der Mönche zu achten, schnitt er es mit einem Federmesser aus dem Rahmen. „Was fällt Euch ein, Ihr Herren?“ „Das gibt ein Unglück!“ „Das Kloster wird geschlossen werden!“ „Man wird uns vertreiben!“ „Schickt mir den Abt heraus!“ überschrie Komarowski die Klosterbrüder. „Warum versteckt er sich?“ „Vor Leuten, die in ein fremdes Haus kommen und dort wie in ihrem eigenen schalten, muß man sich verstecken!“ rief ein Frater wutbebend. „Wenn das ein fremdes Haus ist,“ antwortete Wirzbicki, „dann ist der Abt kein ,Vater4 mehr, unserer gewiß nicht!“ Komarowski, der noch immer, Paskewitschs Porträt in Händen, auf dem Sofa stand, sprang jäh zu Boden, stürmte auf die erschreckt zurückweichenden Klosterbrüder los und begann: „Höret: Als der Feind den Vatikan beschoß, trat Papst Pius IX. nicht mit dem Kreuz vor die Rebellen und sagte nicht: Im Namen Gottes, höret auf! Hätte er sich ihnen gezeigt, die Aufständischen wären gewiß vor ihm auf die Knie gesunken, und wäre Pius IX. durch ihre Kugeln gefallen, er wäre sogleich vom