Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 26 (8.8.1930) Der Aufstand
- Date
- 1930-08-08
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 25. Fortsetzung Wieder ernüchtert, stand Komarowski mitten im Zimmer, die Rechte faßte die Pistole; dabei fiel ihm ein, daß noch die letzte Partie Rekruten nach Gosci abzufertigen sei. Er rief: Herein! Graf Komarowski umarmte Mordechai und Wirzbieki. Sogleich setzte er ihnen eine Flasche Branntwein und ein Stück Wurst vor: „Erwärmet euch ein wenig, Panowie! Hattet ihr Schwierigkeiten an der Grenze?“ „Nein.“ „Kahane hat euch schon angekündigt.“ „Wo ist er?“ „Er ist in Gosci. Mit Gottes Hilfe sind wir morgen auch dort.“ Ein Reiter hielt vor dem Fenster. Bald darauf trat ein älterer Mann mit einer Konfederatka ein, und grüßte militärisch. Sein Gesicht war vom Frost verzerrt, und seine Augen tränten. „Wo sind die Burschen, Stach?“ „Ein Unglück, Herr Oberst, ein Unglück!“ „Was gibt es?“ „Die Pfaffen wollen ihnen keine Absolution erteilen!“ „Was?“ Komarowskis Augen blitzten auf. Mordechai sah diesen Blick Komarowskis, den er bisher nie gekannt. Eine Sekunde lang leuchtete ein Stück von seinem eigenen Leben auf, nur ein matter Schimmer blieb: Felicia. Wo mochte sie jetzt sein? Ferne, fremde Stimmen drangen auf ihn ein und flüsterten ihm zu: Es ist ein verlorenes Spiel, der Feind naht von allen Seiten mit schußbereitem Gewehr. Mordechai versuchte die Stimmen zu iiberschreien und sie mit seinem eigenen Blut zu ersticken, mit dem Blute von Polens Jugend, die, wie er, zu Tausenden ausgezogen war, um sich für das Vaterland zu opfern. Es schmerzte ihn, daß er an seine eigene Kraft nicht glaubte, daß sein starrer Trotz aufheulte,und er schämte sich vor dem Gedanken, der sich hartnäckig an ihn klammerte: es wird nicht einmal einer übrigbleiben, der deinen Eltern sagen kann, wo du liegst... Er faßte die Flasche und trank daraus in tiefen Zügen. Jetzt hörte er wieder die Stimme des Bauern: „Herr Oberst, es ist meine Schuld... Es war so... die Burschen haben mich gebeten, ich möge sie in die Kirche führen... Wir gehen kämpfen, sagen sie, keiner weiß, was der nächste Morgen bringt, darum wollen wir beichten und wollen Absolution .. „Gut, führe sie in die Kirche!“ „Ich habe sie hingeführt, Herr Oberst.. „Was willst du also?“ „Die Pfaffen wollen nicht Absolution erteilen ...“ „Warum?“ „Ich weiß es nicht. Sie sagen: ein ehrlicher Katholik darf nicht Krieg führen!“ „Wo sind also deine Leute?“ „Sie wollen nicht fort von der Kirche, sie sagen: ohne Beichte marschieren wir nicht.“ „Schicken Sie mich hin, Graf!“ Wirzbieki bebte am ganzen Leibe; er wartete nicht auf den Befehl, zog Mordechai mit sich und winkte Stach Zu dritt verließen sie die Waldhütte und bestiegen ihre Pferde. Stach ritt als Führer voran. Wirzbieki griff einmal ums andere nach seiner Pistole. „Ich schieße sie nieder! Ich schieße sie nieder! Die Kirche mache ich dem Erdboden gleich!“ Stach galoppierte auf seiner Stute voran. Es gab ihm keine Ruhe, daß er, ein Ulan von 1831, mit zwei grünen Jungen ritt, die ihn wahrscheinlich für einen Schuster aus der nächsten Stadt hielten. So riß er sein Pferd herum, zwängte sich zwischen seine Begleiter und platzte los: „Da schleichen wir herum, überfallen den Feind hinter einem Zaun wie Mörder... und wie unsere Soldaten aussehen! Da nimmt man einen Bauern aus dem Bett seiner „Baba“, steckt ihm eine Sense in die Hand — so, jetzt kämpfe!“ „Und war es im Jahre 1831 anders?“ lächelte Mordechai.