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Das jüdische Echo · 1930-08-01 · 25 (1.8.1930) Der Aufstand · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
25 (1.8.1930) Der Aufstand
Date
1930-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 24. Fortsetzung „Und jetzt“, warf Wirzbicki lächelnd ein, „ist die Höhle beliebter Aufenthalt für Pärchen.“ Ein Glöckchen ertönte. Ein Priester fuhr vorüber. Die Leute auf der Straße sanken in die Knie. Baumfeld machte eine Bewegung, als wollte er auch niederknien, und bekreuzigte sich. „Ich dachte, Sie wären Jude?“ sagte Mordechai erstaunt; die Frage reute ihn sofort. „Ich bin jüdischer Abstammung,“ antwortete Baumfeld, der die Frage erwartet zu haben schien, stolz, „doch ich kann mir Polen ohne Katholizismus nicht vorstellen. Ein jüdischer Pole ist ein Nonsens. Beide, Juden wie Polen, sind kulturmüde, nahezu unfruchtbare Völker; darum muß man trachten, sie zu vermischen, wie es zur Zeit der Frankistenbewegung geschah, frisches Blut ist vonnöten, damit das neue polnische Genie geboren werde, das die Mickiewicz und Slowacki überragt, welche die Frankisten hervorgebracht haben.“ „Waren denn Mickiewicz und Slowacki jüdischer Abstammung?“ fragte Mordechai und machte große Augen. „Sowohl Mickiewiecz als auch Slowacki sind mütterlicherseits jüdischer Abstammung.“ Beim Wawel nahm berittene Polizei Aufstellung. Baumfeld lächelte krampfhaft und gab mit einer stummen Bewegung zu verstehen, er habe keine Lust den Österreichern in die Hände zu fallen, und gebückt, wie ein Jeschiwahbocher schlich er von dannen. „Wer ist das?“ fragte Mordechai. „Ein getaufter Jude.“ „Das merke ich.“ „Ein Schüler Towianskis. Ich habe ihn in Paris kennengelernt, wo er Vorlesungen über die Kabbala hielt.“ „Was tut er hier?“ „Er agitiert gegen den Aufstand.“ Die Reiter beim Wawel bildeten zwei Reihen und achteten darauf, daß der Zugang zum offenen Tor freibleibe. Polizisten eskortierten mit gezogenem Säbel etwa zwanzig Jünglinge in polnischen Uniformen; es waren sechzehn- bis siebzehnjährige Burschen; sie schritten zu zweit, einige barhaupt, andere ohne Mantel. „Sind das nicht unsere Jungens?“ »Jä. „Wo wurden sie gefaßt?“ „Wer kann das wissen?“ „Wohl hinter Miechow.“ „Sie werden im Wawel interniert.“ „Sie werden gepeitscht werden!“ „Was?“... Die Väter, Polen mit düsteren Gesichtern oder ängstliche Juden mit Streimeln auf dem Kopf, folgten der Eskorte mit gesenkten Köpfen wie einem Leichenbegängnis. Die österreichische Regierung gab den Vätern Anschauungsunterricht, sie ließ sie Zusehen, wie unartige Kinder mit der Peitsche zu behandeln sind, und belehrte sie, wie sie die Kinder zu guten Bürgern zu prügeln hatten. Die Polizei lud die Zuschauer, die sich inzwischen angesammelt hatten, ein, der Exekution beizuwohnen. Die Menge zerstreute sich langsam, und einige Minuten später war der Platz vor dem Wawel leer, nahezu ausgestorben. Nur da und; dort reckten sich Köpfe aus Hintertüren und sahen sich vorsichtig nach allen Seiten um; nach kurzem Zögern schlichen einige Leute zum Wawel. Die Herzen der beiden bluteten. Mordechai hörte nicht, wie Wirzbicki fluchte; vor seinem tränenfeuchten Auge schwankten jüdische Jünglinge durch den Titusbogen. Wann war das doch? Und warum werden jüdische Jünglinge gepeitscht? Bis über die Knie watet der Mensch in Blut, um die Messiaszeit herbeizuführen. Wo liegt das Heil, wenn Gott selbst den Juden ihr Land Erez Israel nicht ohne Krieg geben konnte? Und ist die Messiaszeit ohne Blutvergießen nicht zu erlangen, wer braucht solches Heil? ... „Wohin gehen wir, Alter?“ „Komm zurück!“ „Was ist das für ein Gebäude, eine Synagoge?“ „Eine alte Synagoge.“ Das eiserne Tor war offen. In einem Winkel betete ein Jude. Der Schames machte sich

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