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Das jüdische Echo · 1930-07-11 · 22 (11.7.1930) Der Aufstand · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
22 (11.7.1930) Der Aufstand
Date
1930-07-11
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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R O MA N-B E I L AGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) . 21. Fortsetzung Vom Hofe her, der hinter dem Parke lag, drang ein leises Brausen; es klang wie das Rauschen des Wassers bei einem Mühlrad. Mordechai horchte eine Zeitlang, um festzustellfen, wovon dieses Brausen herrührte; bald aber zogen einige Bauern, die den gefrorenen Fluß rings um das Schloß vom Schnee säuberten, seine Aufmerksamkeit auf sich. Es waren breitschultrige Männer in kurzen Schafpelzen; ihre Bärte waren mit Reif bedeckt. Nach einiger Zeit kamen Bäuerinnen, die irdene Eßgeschirre trugen. Ein Bauer nach dem anderen hielt in der' Arbeit inne. „Zwölf Uhr vorüber/- - „Wahrhaftig, nach Zwölf!*' „Warum gibt er nicht das Zeichen zum Mittag?“ „Awrejml?“ „Er ist wohl mit seinem Talmudabschnitt noch nicht fertig!“ Mordechai war starr vor Verwunderung; hatte er wirklich jiddisch reden gehört oder war es eine Halluzination? Er steckte den Köpf zum Fenster hinaus und betrachtete die Gruppe genauer; es waren Judengesichter! Er rief Wirzbicki ans Fenster: „Sieh dir einmal diese Bauern näher an!“ „Das sind doch Juden!“ Ein Glockenzeichen ertönte. Das Brausen auf dem Hofe verstummte. Wirzbicki zeigte mit dem Finger: „Sieh hin!“ Eine Gruppe Juden in dicken Kaftanen ging langsam unter den Eichen vorüber und verschwand in einem niedrigen Gebäude. „Was machen die vielen Juden hier?“ fragte Wirzbicki. . Im ersten Moment war Mordechai geneigt anzunehmen, Bliasch stelle ein jüdisches Regiment auf; dann sägte er sich, das wäre ein Unsinn. Es klopfte. Die Magd stand auf der Schwelle. „Der Herr läßt zum Essen bitten!“ „Mütterchen!“ Mordechai hielt die Magd an. „Was sind das für Juden unten im Hof?“ Die christliche Magd verstand die Frage nicht sogleich und starrte die Fremden mit großen Augen an; dann antwortete sie lächelnd: „Das sind doch die Leute aus der Tuchfabrik!“ Dabei strich sie mit ihren feuchten, vom Kartoffelschälen rissigen Fingern über ihre Schürze. „Pan Bliasch hat eine Tuchfabrik?“ „Ja!“ Sie wurde zutraulicher und' kam näher. „Dort gibt’s was zu sehen! Über dreihundert ,Bekenner des Alten Testaments1 arbeiten dort. Jetzt ist Mittagszeit, da gehen sie essen.“ „Und wo wohnen sie?“ „In der Nähe der Güter von Golumin, Panie, in Dzikowitz, in Schidlowo... Der Herr, der alte Pan Bliasch nämlich, der ist doch ein wahrer Engel... Jedes Gut, das er kauft, verteilt er gleich unter die gewöhnlichen Leute. So hat er schon drei Dörfer angesiedelt: Dzikowitz, Schidlowo, Kochor, und wenn einem Siedler ein Stück Vieh eingeht, so kauft er ihm ein anderes... Solche Herren gibt es nicht viele... Die Goluminer Güter hat der Pan Bliasch von dem Grafen Olschinski gekauft; sie waren harte Herren, die Olschinski; für nichts und wieder nichts gab’s die Peitsche. Der alte Graf hat mit keinem ein Wort gesprochen; er hat so eine Maschine kommen lassen, die stellte er auf dem Turm auf und guckte damit in den Himmel... Die Bauern sagten, der Graf halte es mit dem Bösen.“ Die Goluminer Güter gehörten seit vielen Generationen dem Markgrafen Olschinski. In den zwanziger Jahren verließ Vincenty Olschinski, der letzte des Geschlechtes, Warschau und zog mit seinem sechzehnjährigen Enkel nach Golumin. Die Veteranen, meistens Krükkel, die unter Olschinski in den napoleonischen Kriegen gekämpft hatten und jetzt ihren Lebensabend, an ihrem Kriegsruhm zehrend, in Golumin verbrachten, nahmen den jungen Olschinski in ihre Obhut und erzogen ihn auf ihre Art. In der Bibliothek, wo das Leben der Olschinski während sechs Jahrhunderten aus riesiger. Schlachtenbildern niederblickte, versammelten sie sich und erzählten dem jungen Olschinski die Geschichte seiner

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