Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 21 (4.7.1930) Der Aufstand
- Date
- 1930-07-04
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 20. Fortsetzung „Ein dreckiger Beruf, sag ich dir!“ „Was?“ „Gar nicht! Mach Beine!“ Die Schmuggler zerstreuten sich über die Felder... Kasriel trat mit einer Verbeugung auf Mordechai zu und sprach ihn in einem Gemisch von Polnisch und Jiddisch an. „Kann ich vielleicht etwas für Sie tun, Panie? Ich merke schon, der ,Haman‘ hat Euch zurückgeschickt... Sie glauben natürlich, er sei ein Deutscher, keine Spur! Ein Pole ist er! Ihr seid nicht die einzigen; gestern erst hat er es mit drei jungen Herren ebenso gemacht. Wäre nicht Reb Bliasch zu Hilfe gekommen und hätte sie über die Grenze gebracht, so würden sie noch heute hier sein ... Ja ... wer weiß ... vielleicht...“ „Wo wohnt der Herr Bliasch?“ „An der Grenze. Die Goluminer Güter gehören ihm. Wenn Ihr wollt... Doch sprecht zu Bliasch ganz offen, sagt ihm die Wahrheit! Er stammt selber, so heißt es, aus Russisch- Polen, er wird Euch gern einen Gefallen tun... Also“, der lange Kasriel lachte über das ganze Gesicht, „der Russe wird wirklich verjagt werden?“ „ Man tut’s schon!“ „Gott gebe es!“ „Und was sagt man hier bei Euch dazu?“ fragte Mordechai neugierig. „Meint Ihr die Gojim? Sie reden auch mehr als sie tun! Ein paar Stadtleute und ein paar Gutsbesitzer, das ist alles; die Masse rührt sich nicht!“ „Und die Juden?“ „Die Juden kümmern sich nicht darum!“ Kasriel dämpfte seine Stimme. „Es heißt freilich, daß Bliaschs Sohn ein ganzes Regiment unterhält und irgendwo bei Plozk kämpft, und der Sohn des Baders Mojsche hat seine Frau und seine sechs Kinder verlassen und ist zu den Aufständischen gegangen. Und sonst, die Grenze ist offen und so macht man ein paar Groschen, solange es geht... Der Gerer Rebbe hält, so sagt man, zu den Russen... „Reb Itsche Mei'r?“ „Ja, Reb Itsche Mei'r. Der Pan ist wohl auch aus Kongreßpolen?“ „Ja.“ „Aus unserer Gegend?“ „Nein.“ „Woher?“ „Aus der Gegend von Plozk.“ „Und geht wirklich und wahrhaftig mit?“ „Wohin?“ „Ich meine ... nun ... in den Aufstand...“ „Ja.“ „Sooo.. Überrascht schob Kasriel seinen Hut zurück und warf einen langen Blick auf Mordechai, der ebenso Zweifel wie Hochachtung ausdrücken konnte. Dann streckte er Mordechai die Hand entgegen: „Gott helfe euch, daß Ihr heil wiederkommt!“ „Amen!“ Mordechai drückte warm die Hand des Juden ... „Wer ist das, ein Bekannter?“ fragte Wirzbicki. „Nein, irgendein Jude“, erwiderte Mordechai lächelnd und erzählte Wirzbicki das ganze Gespräch; dabei fiel ihm eine spaßhafte Geschichte ein. Krasnopolski ging einst mit einigen Kollegen über die Marszalkowska in Warschau, da kam ihm sein Vater im langen Kaftan entgegen und sprach ihn an. Als die Kollegen ihn fragten, wer der Jude sei, der ihn angesprochen hatte, antwortete er, das sei ein Pächter seines Vaters. „Es hat keinen Sinn, daß wir fahren!“ entschied Wirzbicki, nachdem er Mordechais Bericht gehört hatte. „Ehe der Kutscher sich rührt, sind wir längst beim Pan Bliasch.“ „So gehen wir!“ Sie schlugen einen Seitenpfad ein, der zwischen Feldern führte. Eine alte Frau, spindeldürr, mit einer Vogelnase im spitzen Gesicht, kam den beiden Wanderern entgegen. Im Vorübergehen hob sie den vorgeneigten Kopf, warf einen Blick auf die Fremden und krächzte: