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Das jüdische Echo · 1930-06-13 · 18 (13.6.1930) Der Aufstand · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
18 (13.6.1930) Der Aufstand
Date
1930-06-13
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 17. Fortsetzung Doch die 1 rabanten, die, welche auf allen Vieren vor mir kriechen, wie bringe ich es denen bei? Die Leute werden mir ja nicht glauben, sondern es für einen Spleen halten, wie ihn große Männer öfters haben!... Und wer weiß, am Ende ist der Zwerg schon gekrönt? Und wird meiner spotten? Wer kann es wissen?!.. AUF DEM WEGE NACH POLEN Schmuggler Der Nachtzug, der von Dresden über Breslau zur österreichischen Grenzstation Oderberg geht, fuhr so langsam, daß er sich überhaupt nicht vom Flecke zu rühren schien. Je mehr der Bummelzug sich Oderberg näherte, desto auffälliger überwog eine ganz neue Gattung von Passagieren. Die Deutschen mit ihren Rollkoffern und Handtaschen gerieten immer mehr in die Minderzahl, und die Waggons bevölkerten sich immer stärker mit Polen in Lammpelzen und Juden im langen, schweren Kaftan. In einem frischgestrichenen Waggon, in dem es nach dem noch klebrigen Lack roch und die Luft so dick war wie in einem Dampfbad, saß Mordechai; neben ihm schlief sein Reisegefährte, ein junger polnischer Dichter. Kahane, mit dem Mordechai von Paris weggefahren war, hatte in Lüttich für ein paar Tage Zwischenstation gemacht und mit Mordechai vereinbart, daß sie in Krakau wieder Zusammentreffen sollten. Die wohlbekannten Gesichter, die in Gruppen zusammengedrängten Juden mit ihrer gedehnten singenden Aussprache, alles erinnerte Mordechai an seine Reise nach Kozk und gab ihm beinahe die Gewißheit, er würde heute oder morgen wieder bei den Eltern iim Walde sein. Ihm gegenüber saß ein älterer Jude von stattlichem Aussehen, in Albus „Grundlagen“1 vertieft. Nervös kämmte er seinen langen Bart mit den fünf Fingern und warf ab und zu einen Seitenblick auf Mordechai. Nach drei Jahren näherte sich Mordechai wieder der Heimat, saß unter Juden und Polen und war doch mit sich unzufrieden, da er sich in dieser Umgebung fremd fühlte: ein Jude gewöhnlichen Schlages wäre schon längst mit den Mitreisenden bekannt gewesen! Mordechai hörte den Gesprächen seiner Umgebung zu und war erstaunt: niemand berührte die Ereignisse in Kronpolen; an der österreichischen Grenze, wo man doch die polnischen Häuschen sehen konnte, schien die Flamme des Aufruhrs zu erlöschen. Er begann ein Gespräch mit einem Polen: „Was gibt es Neues in Galizien?“ „Vorläufig ist es ruhig, Panie. Doch wie lange das dauern wird, das weiß der liebe Herrgott. Es heißt, in Kronpolen sei der Aufstand schon ausgebrochen. Ein Freund von mir, jünger als ich, ist gestern über die Grenze; er will, sagt er, den Russen dreschen. Ha, ha, ha!“ „Und warum schließet Ihr hier Euch nicht an und helfet nicht Euren Brüdern?“ fragte Mordechai. „Bah!“ Der Bauer lächelte einfältig. Ein Jude, welcher einen Augenblick stehen geblieben war, um zuzuhören, warf jidisch ein: „Wir Juden dürfen uns nicht hineinmischen. Und es ist gescheiter, junger Mann, die Zunge im Zaum zu halten; das ist bei den heutigen Zeiten viel gesünder.“ Mordechai wandte den Kopf, um sich den Sprecher näher anzusehen; doch der war bereits verschwunden. Mitten im Waggon brannte ein großer eiserner Ofen. Zwei Lampen, die neben der Tür hingen, beleuchteten nur schwach den langen Raum, und ein dichter Nebel schien über den Köpfen zu hängen. Es herrschte ein Getriebe wie auf einem Jahrmarkt. Chassidim entkleideten sich vor aller Augen, ohne sich vor den gegenübersitzenden Frauen zu schämen. Frauen mit Hauben und Perücken auf dem glattrasierten Kopf öffneten ihre Blusen und zogen ganze Stücke Seide hervor; andere nähten Seidenschals in die Kleider ein oder trennten das Futter ihrer Mäntel auf und ersetzten es durch eingeheftete Seidentücher. Der schwachbeleuchtete Waggon machte den Eindruck eines

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