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Das jüdische Echo · 1930-05-23 · 15 (23.5.1930) Der Aufstand · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
15 (23.5.1930) Der Aufstand
Date
1930-05-23
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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R O M A N-B E I L AGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 14. Fortsetzung „Würden Sie'die Güte haben, ihm meine Karte zu übergeben?“ „Ich werde sie ihm übergeben“ — die Dame blieb unbeweglich —, „doch ich mache Sie darauf aufmerksam, Jan wird Paris nicht verlassen, vor allem aber — wir hungern.“ „Sie werden nicht mehr hungern.“ „Daraus wird nichts... Jan wird Paris nicht verlassen, und vor allen Dingen müssen Sie mir zusichern, daß wir nicht mehr hungern werden ... Jan darf davon nichts erfahren, er glaubt, ich käme mit den lächerlichen paar Franken aus, die er jede Woche verdient .. “ Kahane steckte der Dame ein Päckchen Banknoten zu; sie wurde weicher und öffnete eine Seitentür: „Bitte, treten Sie ein!“ Vor Kahane stand ein Mann in den Sechzigern mit zwei guten Augen und einem offenen Gesicht. Es war kaum zu glauben, daß das der Diktator war, dessen Name das Volk erzittern machte. Dieses Gesicht war nicht fähig, einem Menschen wehe zu tun. „Sie wünschen also, Genosse, daß ich mit Ihnen fahre?“ Die Stimme des Exdiktators war weich wie die eines Kindes. „Gut, setzen Sie es bei Leonora durch.“ „Daraus wird nichts... Jan wird Paris nicht verlassen.“ Die Ruhe und das offene Gesicht des Diktators waren verschwunden, und vor Kahane saß jetzt ein gebrochener Greis mit erlosche- Augen, der seiner Frau nicht zuwidersprechen wagte und während ihrer Worte sichtlich kleiner geworden war. „Sie werden mit uns frühstücken!4 Hochmütig richtete Leonora ihre Einladung an Ka- . hane. „Doch daraus wird nichts... Jan wird Paris nicht verlassen... er hat genug Opfer gebracht... ich ebenfalls, ich bin eine geborene Radziwill...“ Nach dem Frühstück wurden die kleinen Zimmer in der Kommune aufgeräumt, und dann erschienen nach und nach die Damen in der Hausküche. Jede kam mit Taschen und Säckchen und suchte einen Platz beim Tisch oder beim Herd zu ergattern; das tat man beileibe nicht auffällig, es hatte den Anschein, als sei niemand an einem bevorzugten Platz gelegen, als sei jeder nur auf das Wohl des andern bedacht und bereit, den letzten Bissen mit ihm zu teilen. Und die Bissen in der Kommune waren recht mager. Doch die Damen standen vor ihren Töpfen mit Graupen, Kraut und Rübensuppe, als hätten sie einen Braten in der Pfanne. Und mochte die Not auch noch so groß sein, so unterließ es doch keine, sich vor der andern herauszustreichen. „Jaques liebt Kraut nicht!“ „Anatole ebenfalls nicht!“ „Wenn Andrzej nicht ein Stück Fleisch oder Fisch zu Mittag hat, ißt er nichts/1 Die Damen, die auf ihren Zimmern auf Haltung achteten und am Leben und den Interessen ihrer Männer teilnahmen, gaben sich in der Küche ungezwungen; sie fühlten sich wohler in ihrer Frauenwelt, die bei aller Dürftigkeit des üppigsten Reichtums voll ist. Rachel, eine gutgewachsene junge Frau mit einem Puppengesicht, stand, den Zopf nachlässig aufgesteckt, beim Herd und briet Fische in Butter. Neben ihr machte sich Annette mit ihren weichen, zerbrechlichen Fingern so vorsichtig, als hätte sie Angst, sich zu verletzen, an einem Topf zu schaffen. Immer wieder mußte sie ihre kurzgeschnittenen Locken zurückwerfen, die ihr Pincenez verdeckten. Sie setzte ihre Worte überlegt und gewählt: „Verstehst du, mein Kind —Jean liebt mich anders. Du bist ein hübsches Kind, Rachel, du gefällst den Männern und überdies bist du eine vorzügliche Hausfrau: du kannst kochen, waschen und bügeln — das alles kann ich nicht.. / „Nicht alle Frauen können Dichterinnen sein“, warf Rachel naiv ein, wie um sich zu entschuldigen. „Nicht alle, Rachel, nicht alle.“ Rachel, die so ruhig aussah, kochte innerlich vor Wut über die Prahlereien Annettes; denn sie wußte, daß Jean Annette nicht ausstehen konnte, und hatte nur einen Gedanken

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