Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 21 (23.5.1930)
- Date
- 1930-05-23
- Page
- Seite 291 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 21 23. Mai 17. Jahrgang Suspendierung der Chaluz-Einwanderung In Palästina Die Jewish Agency interveniert London, 18. Mai. (JTA.) Über die Zurückziehung der von der Palästinaregierung bewilligten neuen Einwandererzertifikate durch das Londoner Kolonialamt erfährt die Jüdische Telegraphen- Agentur: Die Jewish Agency hat sich um 3300 Einwanderungszertifikate (für 2300 männliche und für 1000 weibliche Einwanderer) auf der Basis der ernsten Bedürfnisse jeder Kolonie beworben. D i e Palästina- Regierung hat in Anerkennung der Erforderlichkeit neuer Arbeitskräfte inPalästina auf Grund ziffernmäßiger Unterlagen die Einwandererzertifikate in der gewünschten Zahl erteilt. Das Kolonialamt in London hat nun diese Zertifikate bis zur Beendigung der Untersuchung Sir John Simpsons suspendiert. 750 Einwandererzertifikate aber, die am 17. Februar d. J. auf der Basis der alten Schedule gewährt worden waren, sind von dieser Suspendierung nicht berührt und bleiben in Kraft. Die Jewish Agency hat wegen der Suspendierung der neuen Schedule Vorstellungen beim Kolonialamt erhoben. Die Zionistische Organisation wurde von offizieller Seite dahin informiert, daß die Suspendierung der Einwanderung nach Palästina eine vorübergehende Maßnahme sei. Die Regierung S. Majestät, so lautete das offizielle Statement, wünscht, klar zum Ausdruck zu bringen, daß ihr Entschluß, das Mandat für Palästina zwecks Errichtung eines jüdischen Nationalheims in diesem Lande zu übernehmen, nicht durch Gewaltmittel seitens gewisser Elemente der Palästinabevölkerung erschüttert worden ist und auch in Zukunft nicht erschüttert werden wird. Die britische Regierung und die Regierung Palästinas sind entschlossen, die Ordnung im Lande aufrechtzuerhalten und die Entwicklung seiner Hilfsquellen zum Wohle aller Bewohner des Landes zu fördern. Eine Erkärung Chancellors an die Araber Jerusalem, 1$. Mai. (JTA.) Die arabische Zeitung „Al Hayat“ teilt mit: Der Vizepräsident der Arabischen Exekutive besuchte den Oberkommissar Sir John Chancellor und gab der Entrüstung der Araber über den Abbruch der Verhandlungen in London Ausdruck. Sir John Chancellor sagte im Verlauf der Unterredung, die britische Regierung sei bestrebt, die Palästinafrage gemäß den arabischen Wünschen zu lösen. (?) Der Oberkommissar sagte auch noch, er habe vom Kolonialamt in London Instruktionen erhalten, die Einwanderung einzustellen, bis die von Sir John Hope Simpson in Angriff genommene Untersuchung der Fragen des Bodens und der Einwanderung durchgeführt sein wird. Eine Erklärung der Agency-Ex-ekutive in Palästina Protest beim High Commissioner Jerusalem, 19. Mai. (JTA.) Die Exekutive der Jewish Agency für Palästina hat das folgende Statement erlassen: Die Exekutive der Jewish Agency hat den Wunsch, die Öffentlichkeit über die Tatsachen, die mit der laufenden Einwanderungs-Schedule im Zusammenhang stehen, zu informieren. Am 17. Februar bewilligte die Palästinaregierung auf Grund von Vorstellungen seitens der Exekutive 750 Einwandererzertifikate als Vorschuß auf die Schedule für das Halbjahr April-September. Am 17. März unterbreitete die Exekutive der Palästina-Administration in regulärer Form ein Ersuchen um Gewährung einer halbjährlichen Schedule für Arbeitereinwanderung in Höhe von 3143 Einwanderern. Am 12. Mai teilte der Haupteinwanderungsbeamte der Exekutive offiziell mit, daß er, nachdem der High Commissioner im Exekutiverat die Schedule einer Erwägung unterzogen hatte, ermächtigt worden sei. 3300 Zertifikate, die obigen 750 eingeschlossen, zu gewähren. Am 14. Mai wurde Colonel Kisch eingeladen, den Chefsekretär zu besuchen. Dort wurde ihm mitgeteilt, daß der High Commissioner auf Anweisung des Staatssekretärs für die Kolonien hin die Annullierung der in dem Schreiben vom 12. Mai bestätigten Zertifikate verfügt habe; diese bleiben bis zur Vorlegung der Ergebnisse der Untersuchung von Sir John Hope Simpson suspendiert. Colonel Kisch suchte sofort um ein Gespräch mit dem High Commissioner an und legte diesem gegenüber im Namen der Jewish Ager.cy nachdrücklichen Protest ein gegen die Suspendierung der von der Palästinaregierung als vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt gerechtfertigten Einwanderungs-Schedule, eine Suspendierung, die aus politischen Gründen erfolgt ist. Die Suspendierung der Schedule ist nachher der Exekutive formell in einem 16. Mai datierten Schreiben des Haupteinwanderungsbeamten mitgeteilt worden; dieses Schreiben enthält zugleich die Mitteilung über die Bestätigung der 750 Zertifikate, die noch vor Bewilligung der Schedule als Vorschuß gewährt wurden; 485 Zertifikate wurden gleichzeitig überwiesen. Die Einwanderung anderer Kategorien, heißt es am Schluß des Statements, wurde von der letzten Verfügung nicht betroffen. Große Erregung in der palästinensischen Judenheit Jerusalem, 19. Mai. (JTA.) Die Suspendierung der Einwanderer-Schedule für das Halbjahr April-September wird in den maßgebenden' jüdischen Kreisen Palästinas als der schwerste Schlag empfunden, der der Bewegung für das jüdische Nationalheim seitens der britischen Regierung seit der Einstellung der Einwanderung im Jahre 1921 (nach den Unruhen in Jaffa) und dem darauffol-