Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- Romanbeilage des Jüdischen Echo
- Issue
- 14 (16.5.1930) Der Aufstand
- Date
- 1930-05-16
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) t 13. Fortsetzung „Kein Gedanke! Seine Neider sprengen aus, Mieroslawski denke nur an seine Tasche, das ist eine Lüge! Das sagt der Neid! Doch wie dem auch sei, wir müssen vorbereitet sein, und wenn nur genügend Polenhände da sind, die all das Eisen, das auf den heimatlichen Feldern benutzt wird, zur Hand nehmen und sich damit dem Feinde entgegenstellen, dann werden wir ihn aus Polen vertreiben! Hast du den Aufruf ganz gelesen? Die Bauern sind befreit, es gibt keine Fron mehr, die Juden haben Gleichberechtigung; jetzt heißt es nur sehen, daß sich immer mehr Menschen uns anschließen! Und wenn wir uns auf den Feind stürzen, von der Weichsel bis zur Düna zugleich, mit einem Stoß wie ein Sturmwind, in einer Reihe wie ein dichter Wald, dann werden die feindlichen Gewehre und Kanonen nichts ausrichten gegen unsere Legionen von Piken, Sensen, Heugabeln und Dreschschlegeln!“ Therese klopfte an die Wand, das Frühstück war fertig. „Komm, Kahane!“ „Danke, ich habe Eile. Heute Abend ist eine kleine Feier aus Anlaß unserer Abreise. Nur ein paar Leute. Du mußt unbedingt kommen, hörst du, Mordechai?!“ „Wo ist das? Bei euch?“ „Ja, in der ,Kommune4, wo wir wohnen.“ Mordechai ging, alleingeblieben, lange im Zimmer auf und ab. Er war froh, daß er Paris schon jetzt verlassen konnte. Neue Pläne tauchten auf, erzeugten Bild um Bild. Aus den Dörfern zogen Abteilungen von Bauern. Die Luft war voll von Sensen, Heugabeln und Pflöcken. Die Begeisterung des Volkes flammte hoch auf und wirkte Wunder um Wunder. Pflöcke schossen, Sensen warfen Bomben, über allen Städten und Dörfern flatterte der weiße Adler. Juden und Christen, alles verließ die Häuser, schloß die Läden und sammelte sich in den Wäldern; in den Ortschaften blieben nur Frauen und Kinder. Mordechai erschien alles selbstverständlich. Man umzingelte den Feind, wie die Jäger einen Wolf oder ein Wildschwein, und trieb ihn aus seinem Bau. Es bereitete Mordechai nahezu körperlichen Schmerz, daß irgendwo in ihm ein Kobold saß, der den Feind mitten auf dem Schlachtfelde sammelte, die polnischen Truppen schlug und es darauf anlegte, daß er, Mordechai, der einfache Soldat, Gelegenheit fand sich auszuzeichnen und vorzurücken. Und rasch verbreitete sich in ganz Polen die Kunde — Mordechai hat den Feind geschlagen, ihn vertrieben und Polen befreit! Stundenlang spann Mordechai den Traum seiner Größe und verstrickte sich in Visionen, eine phantastischer als die andere; und am Schlüsse jeder Vision erschien das Bild eines stolzen .Juden, der die Gleichberechtigung nicht als Geschenk eines gutherzigen Schlachtschitzen erhalten, sondern sie mit seinem Blute erkauft, seinem Nachbarn, dem Polen, geholfen hatte, sich zu befreien. Doch sooft Mordechai seinen Traum bis zu diesem Punkte führte, stürzte sich die Wirklichkeit auf ihn, zerlumpt, und zerrissen, eine Jammergestalt aus Haut und Knochen, und aller Glanz war verschwunden. In nebeliger Ferne erschien undeutlich das tränenbesäte Gesicht seiner Mutter — Sohn, tu Buße und kehre heim! Und darüber schwebte Felicias strahlendes Antlitz ... I) i e „Kommun e“ Die „Kommune“, ein drei Stock hohes Haus mit langen Korridoren, gehörte einem polnischen Grafen, der sein ganzes Vermögen verteilt und nur das eine Haus behalten hatte, in dem „ganz Europa“ ein Asyl hatte. Die französische Regierung hatte schon einige Male Razzia in der Kommune gemacht, die verdächtigen Insassen verhaftet, die übrigen hinausgejagt und das Haus geschlossen; doch immer wieder vermochte es der gräfliche Besitzer des Hauses bei seinem Freunde Jeröme Bonaparte durchzusetzen, daß das Haus wieder geöffnet und die Verhafteten wieder freigelassen wurden. Es gab Emigranten, die die Kommune wochenlang nicht verließen, da sie wußten, daß die Polizei, der es verwehrt war, das Haus