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Das jüdische Echo · 1930-05-09 · 13 (9.5.1930) Der Aufstand · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
13 (9.5.1930) Der Aufstand
Date
1930-05-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 12. Fortsetzung So verging Woche um Woche. Mordechai merkte plötzlich, daß Therese ganz aufgehört hatte, am Abend auszugehen, und daß sie in Heimarbeit Seidenkissen stickte. Mochte er auch noch so spät nach Hause kommen, stets war für ihn das Abendbrot auf dem Tische vorbereitet. Es war ihm rätselhaft — das Mädchen, welches ihren üblen Lebenswandel gar nicht als unmoralisch empfunden hatte, war in ihrem innersten Wesen eigentlich moralisch, mütterlich, sparsam und praktisch; und ihr höchstes Ideal wurde ein eigenes Heim, ein Nestchen, in das kein fremder Blick fallen darf. Nie sprach Therese von ihrem Verhältnis zu Mordechai; sie richtete alles so geschickt und selbstverständlich her, als könnte es gar nicht anders sein. Mordechai begann sich daheim immer wohl er zu fühlen, und in einem Restaurant zu essen wurde ihm immer schwerer. Das ruhig häusliche Leben übte auf Therese die beste Wirkung. Ihr schmales Gesicht wurde voller und ausgeruht. Das nervöse Zucken der Augen schwand fast gänzlich, und während der ganzen Dauer der Bekanntschaft mit Mordechai hatte sie keinen Anfall. Tagelang träumte sie bei ihrer Arbeit von den Wäldern von Lipowiec, sah hungrig glühende Augen, hörte das Knirschen von Wolfszähnen. Sie lernte einige jüdische Worte, um sich damit in Gunst bei Mordechais Mutter zu setzen, die aus der dunklen Zimmerecke so keusch, so unnahbar zu ihr herüberblickte. Und Therese malte sich aus, Mordechai sei ein Prinz, dessen Eltern in einem Schlosse wohnen. Das Schloß steht in einem verschneiten Wald, wo die Leute das ganze Jahr sich in Bärenpelze kleiden und heißen Tee trinken. Und kein Fremder darf hinein. Mordechai, der einzige Sohn seiner Eltern, hungert in Paris, da er sich mit seinen Eltern entzweit hat. Sie wünschen, er möge heimkommen, doch Mordechai liebt ein armes Mädchen, Therese mit Namen. Solche und ähnliche Mädchenwünsche verwob Therese in die Stickerei ihrer Seiden- 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) kissen, träumte und stickte, zierte und schmückte ihr Nest mit dem Schönsten, das sie besaß, und richtete eine Wand auf zwischen ihrem Heim und der Außenwelt. Darüber vergaß sie, daß sie, wie Tausend und Abertausend ihresgleichen, in einem kleinen Zimmer saß; sie merkte nicht, daß die geträumten Schneefelder ihr den Weg in die Kabaretts versperrten, blickte zu Dwojrele empor und bat sie, ihren Traum wahr werden zu lassen. Vor dem Aufstand Gegen sieben Uhr morgens stand Mordechai seiner Gewohnheit gemäß auf, wusch sich und machte die militärisch vorgeschriebenen Freiübungen. Draußen sprühte ein leichter Februarregen, eigentlich noch Schnee. Auf dem von der Nässe schwarzen Boulevard schleppten sich Menschen und Pferde träge dahin. Beißende Kälte drang durch das Fenster, ließ Füße und Hände erstarren, kroch die Wirbelsäule empor. Mordechai füllte den kleinen Ofen mit Holz, machte Feuer und horchte an der Wand, wie Therese das Frühstück bereitete. Wenn er an Therese dachte, kam ihm stets Sybille, Moses Heß’ Frau, in den Sinn; er schämte ich des Vergleichs, doch wider seinen Willen wuchs der Gedanke von selbst, und Mordechai sah in dem Pariser Mädchen gewissermaßen eine Antithese seiner selbst. Er hatte Paris satt, wo es fast gar kein jüdisches Leben gab, und hatte bis zum Überdruß genug von den Intrigen, die in der polnischen Kolonie gesponnen wurden. Die wenigen Menschen, für die er Interesse hatte, standen ebenso abseits wie er und hatten keine direkte Verbindung mit den Plänen, von denen die Emigrantenviertel voll waren. Norwid hatte die Polen beiseite geschoben, und Heß sah die revolutionären Deutschen als erledigt an. Und hätte Kahane nicht seine persönlichen Interessen hintangesetzt, so wäre auch er beiseite geschoben worden. Sie waren seiner nicht sicher; wenn er irgendwohin

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