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Das jüdische Echo · 1930-05-02 · 12 (2.5.1930) Der Aufstand · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
12 (2.5.1930) Der Aufstand
Date
1930-05-02
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 11. Fortsetzung Er erwachte mit dem Empfinden, eben erst eingeschlummert zu sein. Es war Mittag. In der offenen Tür stand Therese in einem kurzen Unterkleid, das ihr kaum bis an die Knöchel reichte. Auf dem Boden lagen Haarsträhnen, als ob man sie ihr ausgerissen hätte, ihr Gesicht war ganz blutig. Die blauen trüben Augen, deren Blick auf Mordechai gerichtet war, schienen nichts zu sehen und hatten jenen stieren Ausdruck, der nach epileptischen Anfällen zu beobachten ist. Mordechai stockte der Atem, er dachte, man hätte Therese mit einem Messer überfallen. Hastig sprang er vom Bett auf: „Was ist geschehen? Was haben Sie, Mademoiselle?“ ... Therese gab keine Antwort; ihre Augen starrten blicklos, und doch fühlte sie instinktiv einen Menschen neben sich. Sie näherte sich Mordechai,schlang ihre Arme um ihn und zitterte am ganzen Leibe. Ihre kleine Nase wurde länger, blasser als das Gesicht, wie abgestorben. Mit aufeinanderschlagenden Zähnen wiederholte sie unaufhörlich: „Mon eher... mon eher ...“ Mordechai setzte sie auf sein Bett, nahm ein wenig Wasser und wusch zunächst ihr Gesicht, um festzustellen, wo sie verwundet sei; jetzt bemerkte er, daß das Blut aus dem Munde kam. Allmählich wich die Starre aus ihrem Blick, und die Augen wurden klar. Doch ihr Gesicht wurde noch blasser, als wäre auch der letzte Blutstropfen daraus gewichen. Die schöne Therese, die das ganze Haus in der Rue St. Germain in Aufruhr versetzte, so daß gar manche Tür sich öffnete, wenn sie über die Treppe ging, lag jetzt gebrochen in Mordechais Zimmer. Puder und Schminke hatten sich zu einer harten Masse vermengt und und hafteten im Gesicht wie bröckelnder Mörtel an einer Hausmauer. Sie erzählte. Eine alltägliche Geschichte: Der Vater, Alkoholiker und Epileptiker, hatte die Familie niemals erhalten, verjubelte alles, was die Kinder heimbrachten. Die Kinder, die auf der Straße aufgewachsen waren, hatten des Vaters Krankheit geerbt. Sie selbst, Therese, hatte schon gestern, als die todmüde heimkam, gespürt, daß ein Anfall kommen werde; und als sie die Tür hinter sich geschlossen hatte und sich auskleiden wollte, sie war gerade dabei gewesen, die Schuhe aufzuschnüren, da wurde ihr schwindlig und sie fiel hin, mit dem Gesicht auf den Fußboden. Als sie wieder zu sich kam, da hatte sie geglaubt, ersticken zu müssen; sie rang nach Atem und bekam keine Luft. Sie hatte eine Tür gesucht, um jemand zu finden, der sie ins Freie führte. Diese war die einzige, die offen war. Erschöpft vom langen Sprechen hielt Therese inne und begann sich im Zimmer umzusehen. Alles setzte sie in Erstaunen, als wäre sie in eine andere Welt geraten. Ihre Augen vermochten keinen Gegenstand mit einem Male zu erfassen; sie nahmen bloß die Teile auf, auf welche ihr Blick fiel. Ihr Kopf war verwirrt, und die Gedanken zerfielen wie angesengtes Stroh. Es dauerte längere Zeit, bis Therese begriff, daß sie im Zimmer eines fremden Mannes auf dem Bette lag. Dann kam ihr zum vollen Bewußtsein, was mit ihr geschehen war, und sie merkte, wie schrecklich sie aussah. Unter Tränen rang sie die langen, blassen Hände und schluchzte hilflos wie ein Kind. „Mein Gott, wo bin ich, wo bin ich?“ Dann weinte sie leise vor sich hin. Mordechai trat näher und begann sie zu beruhigen: „Regen Sie sich nicht auf, Mademoiselle; Sie sind bei einem Nachbarn. Bleiben Sie ruhig liegen, das Weinen ist nutzlos. Wenn meine Anwesenheit Sie stört, sagen Sie es; ich gehe sofort.“ „0 Monsieur,“ sie streckte ihm die Hände entgegen, „lassen Sie mich nicht allein! Wenn es Ihnen keine Mühe macht, öffnen Sie ein Fenster, ich ersticke!...“ Mordechai tat es. „Wenn Sie gestatten, schiebe ich das Bett ans Fenster!“ „Ach, bemühen Sie sich nicht, Monsieur... ich habe so auch genug frische Luft... 0 Monsieur, Sie machen Tee? Wie gut! Wenn es Ihnen keine Mühe macht, in meinem Zim-

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