Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 17 (25.4.1930)
- Date
- 1930-04-25
- Page
- Seite 243 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 17 Das Jüdische Echo 243 Mitarbeit anspornt, durchzieht in verstärktem Maße ■den Sseder selbst, der durch seine Handlungen keinen unbeteiligt sein läßt. Das Wissen um Werden und Bedeutung des reichen Brauchtums am Pessachfeste war wertvolle Frucht dieses Vortrages und man hätte nur wünschen können, daß ein größerer Teil der Jugend, die ihrer Altersstufe nach über das „Mah nischtannoh“ hinaus ist, sich dieses Wissen und damit eine Bereicherung ihres Judeseins durch ihre Anwesenheit erworben hätte. Von einer anderen Seite her erfüllte Herr Prof. Kirschner mit seinem Vortrag „Die Melodien des Ssederabends“ seine begeistert lauschenden Zuhörer mit der weihevollen Festesstimmung. Er ging von dem Begriff und dem Wesen der jüdischen Hausmusik aus, die von je die gefühlsmäßige Ergänzung des geistigen Gehaltes war, durch den die Religion dem von der Umwelt bedrängten Juden die Aufrechterhaltung seines Lebensmutes ermöglichte. Wie sich diese Hausmusik, mitgetragen von der Frau und den Kindern, vor allen Dingen in den S’miroth des Freitagabends dokumentiert, so hat sie mitgeholfen, den Ssederabend im Gefühl des Juden aufs tiefste zu verankern. Die ältesten Teile der Liturgie sind noch in mixolydischer Tonart' und in pentatonischer Skala gehalten und dokumentieren so auch von der musikgeschichtlichen Seite her ihren frühen Ursprung und die Überlieferungstreue des Juden. Ist der erste Teil des Sseders mehr rezitativ, so spricht sich die volle Musikfreude im Hallel und in den auf deutsche Volkslieder zurückgehenden Gesängen am Schlüsse des zweiten Teils aus. Durch Illustration des Gesagten im Gesänge gestaltete Herr Prof. Kirschner den Abend besonders genußreich und ließ auf die Hörer die Freude des Ssederabends überströmen. Vortrag von Dr. Ernst Simon, Herr Dr. Ernst Simon wird in diesen Tagen auf einer Reise von Palästina nach Europa einige Tage in München anwesend sein und hier einen Vortrag halten. Er spricht im Rahmen der Veranstaltungen der Jesaia-Loge in einem öffentlichen, jedermann zugänglichem Vortrag (29. April, abends 8.15 Uhr, Prannerstraße 4/0) über „Sinn und Aufgabe der jüdischen Geschieht e“. Ernst Simon ist aus dem preußischen Mittelschuldienst hervorgegangen und gehört dem Brith Schalom innerhalb der zionistischen Bewegung an. Das letzte Buch von Simon über „Hegel und Ranke“, das als Beiheft der historischen Zeitschrift in München bei Oldenbourg erschienen ist, zeigt den Verfasser als einen der besten Kenner der deutschen idealistischen Philosophie und Geschichtschreibung sowie der deutschen Romantik. Zionistische Ortsgruppe München. Mittwoch, den 30. April, abends 8.15 Uhr, findet im Kunstgewerbehaus, Pfandhausstraße 7, ein Vortrag von Herrn Richard Lichtheim (Berlin) über „Der Zionismus heute und morgen“ statt. Unkostenbeitrag 1 RM., für Studenten und Jugendliche 50 Rpf. Hebräische Sprachkurse München. Das Sommersemester 1930 beginnt Donnerstag, den 1. Mai. In sämtlichen Kursen werden neue Schüler aufgenommen; außerdem werden zwei neue Kurse eingerichtet: ein Grammatikkurs und ein Anfängerkurs. Der Grammatikkurs beginnt Donnerstag, den 1. Mai, abends 9 Uhr; der Beginn des Anfängerkurses wird noch bekanntgegeben. Interessenten werden gebeten, sich möglichst bald im Unterrichtslokal, Herzog-Rudolf-Straße 1 (Telephon 2 97 4 49) anzumelden. Reichsdelegiertentagung der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands in München. In allen Gauen Deutschlands rüstet man allmählich zur Fahrt nach München. Ob’s schön und bedeutungsvoll wird?? Das Programm verheißt Wertvolles: Martin Bubers Vortrag: „Wie kann Gemeinschaft werden?“, Arbeitsgemeinschaften über das zeitgemäße Problem: „Beruf und Leben“ mit seinen Unterabteilungen: „Schule und Beruf“, „Berufsnot und Berufswahl“, „Der junge Mensch im Beruf“, „Individuelle Lebensgestaltung“, „Kollektive Lebensgestaltung“, alles mit dem Ziele: Jugend hilft der Jugend! Aber daneben erwartet uns außer einer Aufführung von Zweigs „Jeremias“ durch den Düsseldorfer Sprechchor noch viel Stimmungsvolles: als Auftakt eine Freitagabendfeier, geleitet von Herrn Rabbiner Dr. Baerwald, Festgottesdienste in beiden Synagogen u. v. a. m. Die Münchener Judenheit der Gegenwart, stolz auf ihre bedeutende Vergangenheit, begrüßt hoffnungsfroh die Träger der Zukunft im deutschen Judentum! (Siehe auch die Anzeige in dieser Nummer.) S. K. Jüdischer Jugendverein München I. Donnerstagabende. Lessingsaal, Beginn: 20.30 Uhr. An Stelle des bedauerlicherweise verhinderten Dr. Ernst Simon wird am 1. Mai Herr Dr. Ludwig Feuchtwanger (München) über „Die Richtungen im deutschen Judentum der Gegenwart“ sprechen. Der Referent und das Thema werden, wie wir zuversichtlich annehmen, neben einer zahlreichen Mitgliederschar auch andere Gemeindemitglieder veranlassen, sich diesen Vortrag anzuhören. Am 8. Mai beginnt Herr Lehrer M. Adler einen Zyklus über das Thema: „Die Juden in der deutschen Politik“, und zwar spricht er am ersten Abend über „Deutsche Politik und Judenfrage im 19. Jahrhundert“ und am 15. Mai über „Jüdische Sozialisten“. II. Freitagabendfeiern finden regelmäßig Herzog-Max-Straße 3/1, Beginn 21 Uhr, statt. Alle jungen Juden, denen die Weihe eines häuslichen Freitagabends versagt ist, sind herzlich willkommen. III. Unsere Junggruppe hat ihre Heimnachmittage jeden Samstag, Herzog-Max-Straße 3/1, und zwar: a) für die Jüngeren um 15 Uhr, b) für die Älteren um 17. Uhr. IV. Unsere Tennisgruppe nimmt ihre Tätigkeit nach den Feiertagen wieder auf. Auskunft beim Gruppenleiter Dr. Wellisch, Holbeinstraße 6/0. V. Wanderungen. Sonntag, den 4. Mai: Ettal er Mandl. Treffpunkt: 6.25 Uhr, Starnberger Bahnhof, Äußere Uhr. Sonntagskarte Oberau. Sonntag, den 11. Mai: Deining-Kraxenbichl. Treffpunkt: 8.55 Uhr Isartalbahnhof. Sonntagskarte Ebenhauseti. Sonntag, 18. Mai. Grafrath-Wörthsee- Seefe-ld. Treffpunkt: 8.25 Uhr Hauptbahnhof. Äußere Uhr. Sonntagskarte Grafrath. (Badesachen!) Bar-Kochba, München. Mittwoch, 30. April, findet zum letzten Male das Training in der Jahnturnhalle statt. Am Dienstag (nicht mehr Mittwoch) findet dann das Hallentraining ab 6. Mai in der Luisenschule statt. Jeden Donnerstag