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Das jüdische Echo · 1930-04-18 · 10 (18.4.1930) Der Aufstand · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
10 (18.4.1930) Der Aufstand
Date
1930-04-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN-BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) 9. Fortsetzung Der „Maggid“ neigte sich über ihn und raunte ihm zu: „Leid, großes Leid liegt über der Welt. Merkst du, wie das Feuer auf dem Opferaltar immer kleiner wird? Die Welt zehrt von dem Verdienst der guten Werke, die sich um den Altar sammeln. Ohne Liebe, ohne gute Werke kann die Welt nicht bestehen. Der Mensch ist böse von der Natur und wird von seiner Schlechtigkeit verschlungen, und wäre nicht der Gerechte, dessen Werke reine Liebe sind, die Welt wäre längst untergegangen. Erhebe deine Augen, Molcho, was siehst du?“ „Zur Linken einen Thron, weiß wie Schnee, zur Rechten einen blau wie Saphir.“ „Der weiße, Molcho, ist der Thron der Gerechtigkeit, der blaue der Thron der Barmherzigkeit. Die Welt ist sündhaft, Molcho, die Welt ist schlecht. Gott sitzt auf dem Thron der Gerechtigkeit und will die Welt zerstören; doch da fällt sein Blick auf die Opferstätte, wo unter Isaak die Flamme glimmt, und Gott wird ganz Barmherzigkeit. Das Feuer auf dem Opferaltar nimmt aber ab, der guten Werke werden immer weniger. Das Böse verschlingt die Liebe, und die Kälte durchzieht die Welt. Nun heißt es wirken, Molcho, daß das Feuer am Opferaltar auflodere. Mehr gute Werke, mehr Liebe — die Welt muß bestehen bleiben!“ Der blaue Hauch, der um Molchos Seele schwebte, vermochte des „Maggid“ Weihegebet nicht zu ertragen, und im Übermaß seiner Freude rief er unter Tränen: „Gelobt seist du, Gott, der du mich ausgezeichnet, dein Opfer zu werden.“ Molcho blieb auf der Pritsche sitzen. Die Turmuhr schlug. Er sprang auf, trat zu dem schmalen, eisenvergitterten Fenster und blickte in die dichte Finsternis, die — Gefängnis im Gefängnis — vor den Augen hing. Noch gab es keine Schöpfung, keine Engel, kein Leben. Nichts, gar nichts. Erst eben näherte sich Gott dem Chaos, vom Willen zur Offenbarung erfüllt. Er setzte ein Pünktchen, seinen Gedanken, und es ward die Schöpfung. Molcho wich das Blut aus den Schläfen. Es gibt keinen Himmel, es gibt keine Erde. Abgrund bloß, unendlichen Abgrund, ein Nichts. Und in diesem Nichts krümmt sich in Leid die Seele, sucht ihre Wände zu sprengen, hat keine Gewalt über sich selbst: „Ich suche dich, o Gott. Jeden Augenblick bin ich bereit, meinen Leib auf Erden zurückzulassen. Nicht im Leib ist meine Stärke. Deine Kinder wissen, daß du leidest, wissen, daß du sie aus dem Exil erlösen wirst um deines geschändeten Namens willen, daß du ohne sie nicht leben kannst, so sündig sie auch sein mögen. Und dennoch, o Gott, bin ich nicht der einzige, der bereit ist, für dich zu sterben. Nicht bloß Tausende, nicht Zehntausende — ein ganzes Volk streckt seinen Hals dem Henker entgegen! Oh, würde man doch auserwählt auf dem Scheiterhaufen zu verbrennen um deines Namens willen, Gott!“ Der Schall ferner Stimmen brach sich an dem Gemäuer. Molcho verließ das Gitterfenster und blieb hochaufgerichtet inmitten der Zelle stehen ... „Wie du, o Gott, habe ich mit meinem Blick den Tiber zum Stehen gebracht, als er über seine Ufer trat. Ich brauche nur die Arme auszubreiten und der fernste, künftigste Gedanke wird überholt. Meine Linke reicht in die Vergangenheit, und meine Rechte schleudert Welten vorwärts, verrückt sie um Tausende von Jahren. Jahre fliegen dahin, stehen nicht einen Augenblick still und werden nicht alt. Doch wohin gehen sie? Wohin?!“ Er preßte seinen heißen Kopf zwischen die beiden Handflächen, lehnte sich so gegen die feuchte Mauer und stand vorgebeugt, ohne sich zu rühren. „Zeige dich, o Gott, dieses eine Mal, das letzte Mal! Eingekerkert saß ich in Rom; ich sah wie der Pöbel herandrängt, voller Ungeduld mich brennen zu sehen und mit wildem

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