Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 16 (18.4.1930)
- Date
- 1930-04-18
- Page
- Seite 221 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nummer 16 _18. Äpril 17. Jahrgang Fünf Jahre Hebräische Universität Im Augenblick, wo der politische Zionismus als der Weg zur Wiederherstellung des jüdischen Volkes von den lebendigen Kräften der gesamten Judenheit erkannt wurde, mußte zielgemäß die Synthese des jüdischen Staats- und des jüdischen Kulturgedankens eintreten. Zionismus bedeutete in diesem Aspekt, aus einer geschichtslos gewordenen Gemeinschaft ein Geschichte machendes, sein Leben selbst gestaltendes politisches Subjekt zu schaffen: aus einer teils in alten Kulturformen erstarrten, teils in fremden Kulturen leerlaufenden. parasitären Masse ein seine eigenen geistigen Werte erneuerndes, aktives Volk zu machen. Der Schöpfer des bedeutenden Gedankens vom Jüdischen Nationalfonds, der Heidelberger Mathematikprofessor Hermann Schapira, war auch der Initiator eines hebräischen Universitätsgedankens, den er schon auf dem I. Zionistenkongreß in Basel in einem Antrag niederlegte. Die zweite Etappe leitete im Jahre 1902 eine Schrift ein, die „Eine jüdische Hochschule“ hieß und die Chaim Weizmann, Martin Buber und Bertold Feiwel zu Verfassern hatte. Erst auf dem XI. Zionistenkongreß (Wien 1913) wurde dem Plan nähergetreten, der hier leidenschaftlich und breit behandelt wurde. Ussischkin hielt das Kulturreferat und darin eingeschlossen das Referat über die Gründung den Universität. Der Weltkrieg unterbrach die Vorarbeiten, die finanziell und administrativ schon weit gediehen waren. Noch unter dem Donner der Kanonen konnte Chai'm Weizmann in Anwesenheit des englischen Oberkommandierenden, Lord Allenby, den Grundstein auf dem Skopus legen. Im Jahre 1921 wurde von Weizmann und Albert Einstein ein weiterer Schritt zur Verwirklichung getan, indem es den beiden gelang, die jüdischen Intellektuellen Amerikas für die Herbeischaffung der Mittel zu gewinnen. Am 1. April 1925, 12 Uhr mittags, betraten Lord Balfour, der Präsident der Zionistischen Weltorganisation Prof. Weizmann, der Vorsitzende der Zionistischen Exekutive, Nachum Sokolow, und der Präsident des Zionistischen Aktionskomitees, Oberrabiner Prof. Chajes, die Tribüne des Amphitheaters am Skopus, um vor einem stumm lauschenden, tausendköpfigen Auditorium (hervorragenden Vertretern von Staaten, Universitäten, Körperschaften der Wissenschaft, Kunst, Politik, Diplomatie) den Eröffnungsakt einzuleiten. Balfour sprach damals die unvergeßlichen Worte von der „Eröffnung der Universität als einem Meilenstein in der Geschichte“. Die ganze Kulturwelt stand unter dem Eindruck dieses einzigartigen Ereignisses, der Eröffnung der ersten Universität im Orient, die als hebräischer Kulturfaktor zum erstenmal seit 2000 Jahren autonom Ost und West verbünden sollte. Eine Reihe wertvoller wissenschaftlicher Institute wurde geschaffen. Hervorragende Lehrkräfte sind an dieser ersten und einzigen hebräischen Hochschule tätig, die Resultate ihrer fünfjährigen Arbeit sind zu übersehen. Die jüdische Nationalbibliothek ist zu einem Kulturfaktor ersten Ranges geworden, zu einer Quelle für die geistigen Bedürfnisse des werdenden jüdischen Palästina. In diesen Tagen, am 15. April, kann sie die Einweihung ihres neuen Bibliotheksgebäudes auf dem Skopusberg feiern. Die der Universität angegliederte landwirtschaftliche Versuchsstation leistet wertvolle Dienste für die palästinensische Agrarkultur, die vom archäologischen Institut initiierten Ausgrabungsarbeiten haben wichtige Forschungsergebnisse über die alte Geschichte Palästinas zutage gefördert. Nichtsdestoweniger hat die Universität bisher nicht vermocht, alle Funktionen zu erfüllen, die ihr zugedacht waren. Statt eine Lernanstalt zu werden für die einheimische palästinensische Jugend und für die vom Numerus clausus bedrohte jüdische Studentenschaft der Welt, ist sie immer noch im Stadium eines experimentellen Forschungs- und Versuchsinstituts geblieben und hat so den teilweisen Charakter von Weltfremdheit und Isoliertheit erhalten. So ist die hebräische Universität in Jerusalem noch keine Erfüllung, sie ist eine Hoffnung. In diesem Sinne wünschen wir dem jungen Institut an seinem fünfjährigen Jubiläumstag die Verwirklichung aller kulturellen und politischen Aufgaben, die ihm vom jüdischen Volk anvertraut wurden. Palästina — einT werdender Staat1 Durch den Völkerbundpakt, Art; 22, Abs. 4, wurden eine Reihe ehemals türkischer Provinzen, darunter nach herrschender Lehre auch Palästina, als A-Mandate„ d. h. als theoretisch unabhängige, wenn auch praktisch einstweilen bevormundete Staaten anerkannt. Die Regierung Palästinas wurde, durch das „Palästinamandat“, vom 1 Palästina — ein werdender Staat. Völker- und staatsrechtliche Untersuchung über die rechtliche Gestaltung des Mandatslandes Palästina unter besonderer Berücksichtigung des Rechtes der nationalen Heimstätte für das jüdische Volk. Von Ernst Marcus. Heft 16 der Frankfurter Völkerbund vertraglich an England übertragen. England hat damit die allgemeinen völkerrechtlichen Verpflichtungen übernommen, wie sie auch z. B. Frankreich bezüglich des benachbarten Syrien hat (und nicht erfüllt): und England hat darüber hinaus besondere Aufgaben erhalten. Die Schaffung der jüdischen Heimstätte mit Hilfe der Jewish Agency und die Sicherung der heili- Abhandlungen zum modernen Völkerrecht, herausgegeben von Prof. Dr. F. Giese und Prof. Dr. K. Strupp an der Universität Frankfurt a. M. Universitätsverlag von Robert Noske in Leipzig, 1929. XIX und 328 S., 2 Karten. 12 RM.