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Das jüdische Echo · 1930-03-28 · 7 (28.3.1930) Der Aufstand · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
Romanbeilage des Jüdischen Echo
Issue
7 (28.3.1930) Der Aufstand
Date
1930-03-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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ROMAN- BEILAGE DES „JÜDISCHEN ECHOS“ DER AUFSTAND VON J. OPATOSCHU Aus dem Jiddischen von Siegfried Schmitz (Copyright 6. Fortsetzung „Ich bin ein Jude, und ich schäme mich Ihres Aufrufes!“ fuhr Beniowski dazwischen. „Wie meinen Sie das?“ Lubliner erhob sich halb, setzte sich aber sofort wieder nieder. „Herr Lubliner, in den dreißig Jahren seit dem ersten Aufruf haben Sie nichts zugelernt!“ sprach Beniowski mit fester Stimme, und in seinem Blick lag Befehl. Ihr Freund Lelewel hat doch schon in den dreißiger Jahren ein Manifest an die Juden erlassen, in welchem er nicht nur von den Bürgerrechten redet, sondern das Versprechen gibt, die Polen würden den Juden helfen, Palästina wieder zu erlangen. Und jetzt, nach dreißig Jahren, kommen Sie mit der alten Melodie und geben Ihren Brüdern die Versicherung, daß sie beim Gutsherrn Verdienst haben werden. Mein Aufruf hat der Schlachta nicht gemundet, obwohl ich mehr polnisches Blut in den Adern habe als Sie und Lelewel zusammen, und dieselbe polnische Schlachta, welche so große Angst hat, die polnische Seele könnte ,verjudet‘ werden, hat sich für Ihren Aufruf entschieden. Sie wünschen, daß die Juden sich Polen mit Leib und Seele ergeben, und zu gleicher Zeit hetzen Sie Leszniowski von der ,Gazeta Warszawska‘ auf, und der zahnlose Hund bellt nach Vorschrift und packt die Jüdchen ordentlich beim Kaftan!“ Und Sie, Panie Lubliner, glauben noch immer an eine Assimilation?“ fragte Kahane. „Wenn ich an die Assimilation nicht glaubte, Panie Kahane, so säße ich nicht im Volkskomitee und würde nicht meine mühesam erarbeitete Praxis vernachlässigen. Sie wissen ja, daß ich Advokat bin.“ „Ich sitze auch im Volkskomitee und glaube nicht an die Assimilation!“ entgegneteKahane lächelnd. „Dann ist es ein Unrecht, von den Polen, daß sie Sie insKomitee aufgenommen haben!“ „Und ich gebe Ihnen die Versicherung, Panie Lubliner—selbst der Taufzettel wird euch nicht helfen!“ „Aber Panie Kahane, was sagen Sie da? Polen ist doch nicht Deutschland! Polen hat nie die Juden zur Taufe zwingen wollen; die 1929 by Welt-Verlag, durch Dr. Präger, Pressedienst, Wien) Juden hatten in Polen stets volle religiöse Freiheit...“ Heß saß ruhig dabei und sprach kein Wort; nur sein kluges Lächeln verriet, daß er zuhörte, und sicher war, seine Schüler würden Lubliner leicht beikommen. Mordechai betrachtete verstohlenBeniowski. Der ehemalige Kosakenoffizier, der beiOstrolenka zu den Polen übergegangen war und für die Befreiung Polens gekämpft hatte, imponierte ihm. Beniowski hatte im Auslande Jüdisch gelernt und trug sich mit dem Gedanken, eine jüdische Armee zur Eroberung Palästinas zu bilden. Mordechai sah in Beniowski den Juden; jetzt verstand er Heß’ These, daß sich in allen anderen Kulturvölkern Individuen finden, welche das Judentum vertreten, und solche, welche das Griechentum repräsentieren; jetzt begriff er auch, daß das, was für den Griechen Raum, für den Juden Zeit ist. „Darin stimme ich mit Heß überein,“ fiel Kahane Lubliner ins Wort, „daß man weniger die jüdische Religion haßt als die jüdische Rasse; solange das Kraushaar nicht glatt, die Nase nicht kürzer werden wird, solange wird der Antisemitismus dauern. Solange der jüdische Typus unverändert bleibt, solange ist Ihre Mühe nutzlos, Panie Lubliner!“ „Kann man von Beniowski behaupten, daß er Jude sei?“ Mit dieser Frage wollte Lub-t liner Kahanes Argumente widerlegen. „Leider bin ich es nicht!“ warf Beniowski lächelnd ein. „Ebenso wie wir unsere Unsterblichkeit der jüdischen Religion verdanken, so hat unsere Religion ihre Unsterblichkeit der jüdischen Rasse und ihrer Fruchtbarkeit zu verdanken! Graf Szymanowski ist ein Christ dritter Generation, und wie jüdisch sieht er aus! Und sehen Sie sich den russischen Fürsten Rykow mit seinem echten Mongolengesicht an; der hat, Panie Lubliner, ihre Kusine geheiratet und ihre Kinder haben waschechte Judengesichter! Hätten wir nicht unseren Typus, von uns wäre längst keine Spur mehr übrig!“ „Das alles hat jedoch nichts mit dem polnischen Aufstand zu tun!“ warf Heß, mit sei-

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