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Das jüdische Echo · 1930-03-21 · 12 (21.3.1930) · p. Seite 170

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
12 (21.3.1930)
Date
1930-03-21
Page
Seite 170 (sequence 21)
Language
German
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170 Das Jüdische Echo Nr. 12 Hinkis wird auch gegen das Gefängnisurteil Berufung einlegen Jerusalem, 12. März. (JTA.) Der Anwalt Dr. Eliash, Verteidiger des Tel-Awiwer jüdischen Polizisten Hinkis, der zuerst vom Jaffaer Kreisgericht zum Tode verurteilt wurde, woraufhin das Urteil vom Jerusalemer Appelationsgericht aufgehoben und in fünfzehnjährige Gefängnisstrafe umgewandelt wurde, teilte der Jüdischen Telegraphen- Agentur mit, daß Hinkis auch gegen das Gefängnisurteil des Appellationsgerichtes Berufung beim Privy Council (Kronrat) zu London einlegen wird. Als das Appellationsgericht unter dem Vorsitz von Oberrichter MacDonnell die Aufhebung des Todesurteils gegen Hinkis aussprach, wurden Hinkis sofort die Ketten abgenommen, auch wurde er des Scharlachgewandes, das der zum Tode verurteilte Gefangene zu tragen hat, entkleidet, worauf ihm seine Zivilkleidung zurückgegeben wurde. Die Verkündung der Aufhebung des Todesurteils hat unter den Juden Jerusalems unbeschreibliche Freude hervorgerufen. Die Leute, die vor dem Gerichtshause auf die Urteilverkündung warteten, umarmten sich und beglückwünschten einander, als das Urteil bekannt wurde. Die Zeitungen veranstalteten Extraausgaben. Synagogale Musik Im Rahmen der Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München sprach am 11. März im „Rheinischen Hof“ Kantor Müller „Von synagogaler Musik im Westen und Osten“. Einleitend skizzierte der Vortragende in kurzen Strichen die Entwicklung des Synagogengesanges, dessen Ursprung wohl bis in die Zeit des zweiten Tempelbestandes vermutet werden dürfe. Für diese Vermutung sprächen motivische Elemente pentatonischen Charakters, die in den verschiedenen Arten der Pentateuchkantillation zum Teil noch heute deutlich erkennbar sind. Trotz ihrer Primitivität wohnt diesen uralten Motiven eine so unverwüstliche Triebkraft inne, daß sie das keusche, gemütvolle Chasonus, die traditionellen rezitativischen Singweisen, insbesondere der Stammgebete, grundlegend zu befruchten imstande waren. Während in Süddeutschland der überlieferte Synagogengesang sich verhältnismäßig rein erhalten hat, abgesehen von den durch Zeit und Umgebung bedingten Einflüssen, nahm er in den Ländern des Ostens durch die Vorliebe für eine auf Kehlfertigkeit beruhende Virtuosität, die aber häufig weit mehr naturalistisch als künstlerisch wirkt, eine vom Standpunkte des Westjuden aus wenig erfreuliche Entwicklung. Über diese verbreitete sich der Referent in ausführlicheren Darlegungen, die ihre wirksame Bestätigung fanden durch eine Reihe von Vorträgen auf Schallplatten. Die Gegenüberstellung des musikalischen Vortrags der gleichen Gebetstexte durch polnische und deutsche Chasanim bot eine interessante, sehr lehrreiche Vergleichsmöglichkeit. Bei voller Würdigung der künstlerischen Ausgestaltung des modernen Gottesdienstes vor allen anderen durch Sulzer und Lewandowski, den bahnbrechenden Schöpfern einer synagogalen Chorgesangsliteratur, mußte der Vortragende mit Nachdruck auf die stiefmütterliche Behandlung eines Hauptfaktors im jüdischen Gottesdienste hinweisen, auf den Gemeindegesang. Die Schwierigkeiten bei der Lösung dieses Problems sollen nicht geleugnet werden. Allein, solange nicht liturgische Übungen in den Lehrplan des jüdischen Religionsunterrichts als obligatorisches Lehrfach aufgenommen werden, solange wird eine geregelte, aktive Beteiligung der Gemeinde am Gottesdienste ein unerfüllbarer Wunsch bleiben müssen. Reicher Beifall lohnte die anregenden Ausführungen des Vortragenden, denen seitens der Gemeindemitglieder ein zahlreicherer Besuch zu wünschen gewesen wäre. E. Kirschner. Schalit-Aufführung in Berlin Einem Bericht von Herrn Oberkantor Hermann Zivi (Elberfeld) über das Konzert der Vereinigung Berliner Synagogenchöre am Mittwoch, dem 12. Februar 1930, im Konzertsaal der Hochschule für Musik in Berlin entnehmen wir folgende bemerkenswerten Ausführungen über die in München bereits bekannte Schalitsche Vertonung einer Hymne Jehuda Halevis: „Der seinem textlichen Vorbild adäquat schaffende Musiker ist in sich eine Eigenart, abgeschlossen wie auch Arno Nadel. Er ist eine Eigenart, die durch die massige Architektonik im künstlerischen Aufbau seines Werkes von Wirkung zu Wirkung schreitet. Seine Akkorde sind festgefügt wie Marmorblöcke. Seine Formen sind prägnant und überzeugend und fließen in eine archaistische Gesamtwirkung. Ganz besonders interessant ist der jeweilig motivische Auftrag, den Schalit den verschiedenen in sein Werk eingestellten Tonkörpern erteilt, so daß die gesamte Konsonanz zu einem Höhepunkt dessen gelangt, was musikalisches Erleben auch für den Zuhörer bedeutet. Der Beifall, den das grandiose Werk in Abwesenheit des Komponisten erfuhr, war groß und gewaltig. Wie verlautet, soll der „Hymnus“ in der Übersetzung von Franz Rosenzweig (Berliner Domchor) demnächst auch von dem bekannten Berliner Professor Rüdel in deutscher Sprache aufgeführt werden. Das Konzert des famosen Weinbaumschen Chores war vom Anfang bis zu seinem Ende ein Siegeszug, dessen künstlerische Bedeutung dem zahlreich anwesenden Publikum in jeder Weise Veranlassung gab, seiner Dankbarkeit für die künstlerischen Genüsse beifallsfreudig Ausdruck zu geben.“ Gemeinden- und Vereins-Echo fln die jüdische Jugend Münchens Von den Unterzeichneten Vereinen erhalten wir nachstehende Zuschrift: Was lange erstrebt wurde, soll jetzt Wirklichkeit werden. München soll ein jüdisches Jugendheim erhalten. Die Israelitische Kultusgemeinde wird der Jugend in allernächster Zeit einige Räume zur Verfügung stellen können. Dann müssen wir — die jüdische Jugend Münchens — beweisen, daß wir auf dieser uns gegebenen Grundlage arbeiten können und wollen. In freudiger Gemeinsamkeit aller Gruppen, sowohl der bereits bestehenden als auch der großen Gruppe jener Menschen, die nicht in Bünden organisiert sind. Allen soll das Jugendheim dienen und alle sollen sich beteiligen an der Arbeit, die sich in ihm entwickeln und auf uns wirken soll, die dem ganzen Der Ratskeller das Lokal jedes Einheimischen und Fremden. Neuer Pächter hänsFürst

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