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Das jüdische Echo · 1930-03-14 · 11 (14.3.1930) · p. Seite 151

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
11 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
Seite 151 (sequence 16)
Language
German
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 151 gen und Nuancierungen fähig ist; reif ist die Behandlung der Form, die zuweilen streng, aber nie steif eingehalten, zuweilen ganz gelöst wird, wenn das höhere Gesetz des Stoffes erfordert. Voll, wuchtig, hinreißend der Rhythmus, der in manchen Gedichten (Der Mensch im Gebirg, Polarlied) das Erlebnis der Natur, der Landschaft, der Religion großartig gestaltet. Reif und reich vor allem die Erkenntnis der Situation, aus der heraus der heutige Dichter. aus der heraus auch Sturmann sein Werk sc-halfen muß, des Konflikts der vergessenen Kinder des Herrn“, der „sich in ewiger Wanderung fremden“ mit den glücklicheren Erben, für die „die Zeit kein Maß“ hat, und deren Blut „die Treue der Scholle“, „die Ewigkeit im Wandel des Jahres“. Dies ist die Situation des jüdischen Dichters Slurmann. Aber gerade weil er diesen Konflikt so stark spürt, gelingt ihm auch die Meisterung jüdischer Stoffe, gelingt ihm die Formung unseres jüdischgeschichtlichen Erlebnisses, das zum Erlebnis auch der jüdischen Gegenwart wird. (Welch merkwürdige Ironie, aber auch welch würdige Antwort auf so viele unwürdige Vorgänge, daß Sturmann diese Gedichte mit Unterstützung gerade der Stadt München der deutschen Öffentlichkeit vorlegen darf!) Die in der Abteilung „Kinder des Herrn“ gesammelten Gedichte tragen formal die gleichen Züge wie die übrigen und sie sind vielleicht doch die stärksten, weil sie den inneren Konflikt überbrücken, weil in ihnen der „Zufallgezeugte“, der „von der Sehnsucht nach Herkunft Wunde“ die „Stätte seines Ursprungs“ fand. I. E. Gemeinden- und Vereins-Echo Unsere nächste Nummer erscheint aus Anlaß des 25jährigen Gründungstages der Zionistischen Ortsgruppe Nürnber,g-Fürth in verstärktem Umfang. Redaktionssch1uß: Dienstag, 18. März, 11 Uhr Dr. J. Steinberg Es ist dem Kulturverein J. L. Perez und dem Gesamtausschuß der Ostjuden gelungen, den bekannten jüdischen Schriftsteller Jizehok Steinberg für zwei Vorträge zu gewinnen. Am Samstag, 22. März, 8.30 Uhr abends, spricht er im Lessingsaal über „Das Pintele Jid und das Pintele Mensch“, am Sonntag, 23. März, 11.30 Uhr vormittags, im Saale des Kunstgewerbehauses, Pfandhausstraße 7, über: „Jeruscholajim — Moskau — Neuyork.“ Einige Informationen über die bisherige literarische Tätigkeit Dr. Steinbergs werden aus diesem Anlaß willkommen sein. Dr. Steinberg, der im Jahre 1888 in Dünaburg als Kind einer religiösen Familie geboren wurde, später, nachdem er von der Moskauer Universität aus politischen Gründen relegiert worden war, in Heidelberg studierte und nach Ausbruch der russischen Revolution sogar einige Zeit Justizminister der Sowjets war, ist Verfasser mehrerer deutscher und französischer Broschüren. Eine besondere Würdigung seiner literarischen Leistungen erfuhr er durch Zuerteilung des Goethebund-Preises in Bremen für sein Drama „Der Dornenweg“, das 1927 in Bremen aufgeführt wurde. Dieses Drama verkörpert sowohl in den Gestalten als auch in den Handlungen die Geschichte der russischen Revolution. Der jüdischen literarischen Tätigkeit wandte sich Dr. Steinberg erst im Jahre 1925 zu. Besondere Aufmerksamkeit zog er sich durch die beiden Bücher von „Februar bis Oktober“ und „Das moralische Gesicht der Revolution“ zu. Das erstere ist ein hervorragendes und instruktives Buch über den Ablauf der russischen Revolution. Das zweite Buch behandelt eine der aktuellsten Fragen unserer Zeit, das Problem des Terrors. Steinbergs Stellung zu diesem Problem, mit meisterhaftem Stil und schöpferischer Publizistik behandelt, ist eine dialektisch-geistige — im Gegensatz zur mechanischen. In einer Gegenüberstellung Dantons und Robespierres offenbart Steinberg seine eigene Stellungnahme; das Mittel des Terrors scheint ihm nur im alleräußersten Falle zulässig. Steinberg zeigt sich in diesem Buch als Ethiker. Er gehört zu den jüdischen Dichter-Philosophen, welche sich nicht nur durch Originalität und Schwung des Gedankens auszeichnen, sondern auch durch einen feinen ausdrucksvollen Stil. Lehrkurse der Israelitischen Kultusgemeinde München. Bibliotheksaal der Gemeinde, Herzog- Max-Straße 7. Dienstag, den 18^ März, 20.15 Uhr: Dr. M. E 1 i a s b e r g: „Not und Fürsorge“ (2. Abend). Kunstgewerbehaus, Pfandhausstraße 7. Donnerstag, 20. März, 20.15 Uhr: Sseder-Abend und Pessach-Hagadah (1. Abend). Th. Harburger: „Die bildende Kunst am Ssederabend“ (mit Lichtbildern). Siehe auch das Inserat in dieser Nummer. Zionistische Ortsgruppe München. Schekelaktion 569 0. Die Schekelaktion hat bereits begonnen. Alle Zionisten sollen für sich und ihre Familienangehörigen den Schekel entrichten, aber zugleich ist es ihre Aufgabe, unserer Bewegung auch neue Anhänger zuzuführen,, die durch Entrichtung des Schekels das Bekenntnis zum Baseler Programm ablegen. Jeder Zionist ist dafür verantwortlich, daß das Ergebnis der diesjährigen Aktion von der organisatorischen Größe und der zionistischen Bewegung beredtes Zeugnis ablegt. CONTINENTAL Schreibmaschinen das Fabrikat der Wanderer-Werke A. G Hauptvertrieb für Südbayern: Joh.Winklhofer&Söhne München 50 Telephon 73844 :: Forstenrieder Str. 53 Reparaturen allerSysteme

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