Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 9 (28.2.1930)
- Date
- 1930-02-28
- Page
- Seite 124 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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124 Das Jüdische Echo Nr. 9 II. Unsere Arbeitsgemeinschaften werden wie bisher fortgeführt. Alles Nähere durch den Vereinsvorsitzenden. III. Die Freitagabendfeiern finden regelmäßig Herzog-Max-Straße 3/1 um 20.30 Uhr statt. Alle jungen Juden Münchens, denen die Weihe eines häuslichen Freitagabends versagt ist, sind herzlich willkommen. IV. Die Heimnachmittage unserer Junggruppen finden jeden Samstag, Herzog-Max- Straße 3/1, statt, und zwar: a) für die Jüngeren um 15 Uhr, b) für die Älteren um 17 Uhr. Der „Jüdische Kulturverein J. L. Perez“ bot am 15. Februar Gelegenheit, sich über die gegenwärtige Lage der Juden in Polen ein Bild zu machen. Herr Josef Löwy berichtete in lebhafter eingehender Schilderung von dem derzeitigen Stand der polnischen Judenheit unter besonderer Berücksichtigung des kulturellen Lebens. Seine vor kurzem stattgefundene Reise führte ihn vor allem in drei Zentren der jüdischen Siedlung in Polen: Warschau, Wilna und Krakau. Es war von hohem Interesse, zu ersehen, wie in jeder der genannten Städte das allgemeine und besonders das geistige Leben der Juden zu anderen Ausprägungen gelangt ist. In Warschau herrscht mehr das „poschete“ jüdische Gefühl, das sich allein aus der Tatsache ergibt, daß 350 000 Juden dort wohnen, daß für sie ihr besonderes Sein eine Realität ist. Das Schulwesen, auch das höhere Bildungswesen der Juden ist ein selbstverständlicher Ausfluß dieser Tatsache. In Wilna, in der altberühmten Hochburg jüdischer Geistigkeit, ist auch heute noch das Streben selbst der einzelnen bis herab zum „Baalagole“ auf Vertiefung des jüdischen Wissens gerichtet. Es ist daher begreiflich, daß das Zentrum auch der jiddischistischen Intelligenz, das Jiddische Wissenschaftliche Institut, sich dort befindet und zu bedeutender Höhe entwickelt hat. Leider liegen in Krakau, das während seiner Zugehörigkeit zur österreichisch-ungarischen Gesamtmonarchie eine Rolle als Vorort von West- -galizien innehatte, die Verhältnisse nicht so günstig als in Warschau und in Wilna. Die Assimilation an das Polentum, das nach den Ausführungen „des Redners die weitaus meisten Zionisten — soweit sie nicht der jiddischistisch eingestellten „Linken Poale-Zion“ zuzurechnen sind — in seinen kulturellen Bann gezogen habe, sei weit vorgeschritten und habe das selbständige geistige Leben der Krakauer Juden ertötet. Inwieweit diese Darstellung des Referenten, der sich großer Objektivität befleißigte, allen Einzelheiten des Lebens der polnischen Juden gerecht wurde, entzieht sich natürlich unserer Kenntnis. Jedenfalls aber gab Herr Löwy ein umfassendes Bild von den dortigen Zuständen, das auf eindringlicher Beobachtung und auf gründliche Informationen aufgebaut war. Der reiche Beifall der gespannt Lauschenden war wohl verdient. Z’bi. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez München Voranzeige. Samstag, den 8. März, abends 8,30 Uhr, spricht im Lessingsaal, Herzog-Rudolf- Straße 1, Herr Dr. Ignaz Emrich über jüdische Politiker und jüdische Politik. Gäste sind herzlich willkommen. Eintritt frei. Die Vorstandschaft. Jüdischer Gesangverein München. Wir möchten nochmals daran erinnern, daß heute abend 20.30 Uhr im Bayerischen Hof unser Maskenball: Hulla di Mechulla stattfindet. (Siehe auch Inserat.) Von einer großen Anzahl von Firmen wurden weitere sehr schöne und wertvolle Preise gestiftet. Esra-Gruppe München. Am Sonntag, dem 9. März 1930, abends 7 Uhr, veranstaltet der Esra-München im Großen Theatersaal, Reitmorstraße 7 (nächst Max-II-Denkmal), eine Purim-Feier unter Mitwirkung des jüdischen Kammerorchesters (Leitung Heinrich Lamm). Gäste und Freunde herzlich wilkommen! Kartenvorverkauf: Ewer-Buchhandlung, Ottostraße 2; Engelhard, Klenzestr. 34, bei dem Kastellan der Synagoge Herzog-Rudolf- Straße 3 und Buchhandlung August Wertheimer, Westenriederstraße 4. Jüdischer Kindergarten, München. Mittwoch, den 12. März, 4 Uhr nachmittags, feiert der Jüdische Kindergarten, Herzog-Rudolf-Straße 1, sein Purimfest. Wer Interesse hat, ist eingeladen. Da wir nur wenig Platz haben, kann nur eine beschränkte Zahl von Karten abgegeben werden, die im Kindergarten täglich von 9 bis 12 Uhr zu bekommen sind. Eintritt für Erwachsene 1 RM., für Kinder 50 Rpf. Zionistische Ortsgruppe Nürnberg-Fürth. Am Donnerstag, dem 20. Februar, sprach Frau Ghitta H i 11 m a n n in unserer Ortsgruppe über „D e r geschichtliche Jesu s“. Frau Hillmann kennzeichnete in ihrem Vortrag, der sich auf umfangreiches und fleißig zusammengetragenes Quellenmaterial stützte, zwei Hauptströmungen der heutigen Jesusforschung: Die eine, die Jesus nur als mythische Figur ansprach, die andere, die glaubt, daß Jesus als weiser Rabbi in Judäa gelebt habe und der Stifter des Christentums gewesen sei. Die eine betrachtet Jesus als den vermenschlichten Gott, die andere als vergöttlichten Menschen. Die Referentin selbst entschied sich nach eifrigem Studium der Materie für die Ansicht derjenigen Wissenschaftler, welche die Jususfigur als Mythos darstellen und bemühte sich an Hand der Quellen diese Tatsache, für die sie wesentliches Material beibrachte, systematisch nachzuweisen. Herr Dr. Bamberger ergänzte die Ausführungen der Vortragenden; an der Diskussion beteiligten sich ferner die Herren Dr. R. Liebstädter, Dr. M. Nußbaum und Dr. W. Strauß-Reich. Die erschienenen Gesinnungsgenossen und Gäste dankten durch ihren Beifall für den interessanten und aufschlußreichen Vortrag. Warnung! Herr Georg Schorr, Juwelier, München, Landschaftstraße 3, und Herr L. Rapoport, Kaufmann, München, Dachauer Straße 45/2 m., bitten uns um Aufnahme folgender Warnung: Es wird vor einem Hochstapler gewarnt, der sich in München als Abraham bzw. Adolf Bolimowski ausgab und im Alter von 23—26 Jahren steht. Sein Geburtsort soll angeblich Bendzin (Polen) oder auch Kiew (Rußland) sein. Seine Eltern besitzen angeblich eine Besteckfabrik. Genannter gibt an, vier Jahre beim polnischen Heer gedient zu haben und sechs Jahre in Berlin als Beamter des polnischen Konsulats beschäftigt