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Das jüdische Echo · 1930-02-21 · 8 (21.2.1930) · p. Seite 102

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
8 (21.2.1930)
Date
1930-02-21
Page
Seite 102 (sequence 4)
Language
German
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102 Das Jüdische Echo Nr. 8 Das ist das eigentliche Wesen und das Ziel der Jewish Agency, in der Zionisten und Nichtzionisten gleiches Recht und gleichen Einfluß haben. Wenn das bisher nicht so deutlich in die Erscheinung getreten ist, wie mancher wünscht, so liegt das an dem Vorsprung in Erfahrung und Sachkenntnis, den die Zionisten in zehnjähriger aufopfernder Arbeit gewonnen haben und an der hemmenden Belastung, die die erweiterte Jewish Agency gleich zum Beginn ihrer Tätigkeit durch die Augustereignisse und ihre Folgen zu bestehen hatte, aber auch bestanden hat. Die Jewish Agency stellt eine Arbeitsgemeinschaft für ein ganz bestimmtes Gebiet dar, dessen Neutralisierung nur klärend im Kampf um Galuthfrage und Gemeindeeinrichtungen wirken würde. Bei Ausschaltung der Palästinafrage würden sich die Parteien schärfer abzeichnen. Wenn die Gegner auch im Beratungssaale der Jewish Agency freundlich beisammensitzen, so haben sie darum ihre volle Handlungsfreiheit in allen anderen Fragen nicht aufgegeben oder auch nur eingeschränkt; höchstens könnte sich die Diskussion in urbanerer Form abspielen und das wäre kein Schaden. * Der Artikel Oskar Wassermanns entspricht in manchen seiner Formulierungen kaum dem Willen und den Überzeugungen der zionistischen Partner der Agency; auch sind andere viel zutreffendere Äußerungen von ihm bekannt, trotzdem dürfte der in einigen Punkten vielleicht nicLt ganz klare Artikel seinen Zweck, der Agency neue Freunde zu werben, erfüllen. Diesen Zweck verfolgt auch die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft der Jewish Agency, Ortsausschuß München-Augsburg, die bei einer Besprechung einer Anzahl von Interessenten am Donnerstag, 13. Februar, gegründet wurde. Sie besteht zur Hälfte aus Zionisten und zur Hälfte aus Nichtzionisten und hat sich die Arbeit für den Agency-Gedanken zur Aufgabe gesetzt, ln den Ausschuß wurden gewählt die Herren Karl Adler, Konsul Siegfried Aufhäuser, Rabbiner Dr. Leo Baerwald, Dr. August Feuchtwanger, J.-R. Dr. Emil Fränkel, Justin Liclitenauer, Bernhard Lustig, Oberstlandesgerichtsrat Dr, Alfred Neumeyer, J.-R. Dr. Elias Straus, Dr. Eugen Strauß (Augsburg), Dr. Berthold Weiß, Dr. Ernst Wilmersdoerffer, als Stellvertreter die Herren Dr. Wladimir Fliasberg, Ludwig Friedmann (Augsburg), Geh. J.-R. Prof. Dr. Heinrich Frankenburger, Paul Grünbaum, Dr. Karl Löwenthal, Dr. Ludwig Regensteiner, Jakob Reich, Oberamtsrichter Dr. Joseph Schäler, Dr. Alfred Werner und Frau Gertrude Weil. Zu Vorsitzenden wählte dieser Ausschuß die Herren Dr. Ernst Wilmersdoerffer und Bernhard Lustig. Der Ortsauschuß der Jewish Agency wird bereits in den nächsten lagen mit einer großen Veranstaltung vor die jüdische Öffentlichkeit treten; am Donnerstag, 27. Februar 1930, abends pünktlich 8 Uhr, findet im Kongreßsaale des Hotels „Bayerischer Hof“, Promenadeplatz 19, ein Ausspracheabend über das Thema; Die deutschen Juden zum Aufbauwerk in Palästina statt. (Einladungen nur bis zum 25. Februar durch das Büro des Keren Hajessod München, Herzog- Rudolf-Straße 1.) Als Referenten wurden gewonnen Herr Ministerialrat Dr. Otto Hirsch (Stutt- I. MÜNCHENER PLISSE-BRENNEREI FRANZ GRUBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten. Kostümstickereien BurgstraBe 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 7E gart), der neugewählte Präsident des Oberrats der Württembergischen Israelitischen Religionsgesellschaft und Dr. N a h u m Gold m a n n , der bekannte zionistische Redner und Publizist. Die Erörterung soll sich insbesondere auf das Verhältnis der deutschen Nichtzionisten zur Frage des jüdischen Palästina und der Jewish Agency erstrecken. Zweifellos wird dieser Ausspracheabend, sowohl durch die Bedeutung seiner Veranstalter als durch die angekündigten Redner sich zu dem großen jüdischen Ereignis dieses Winters gestalten. Der arabische Wirtschaftsboykott Von Dr. K. Schwager (Jerusalem) Es ist nicht zu leugnen, daß die arabische Exekutive eine sehr wirksame Waffe aus dem Arsenal des nationalen Kampfes hervorgeholt hat, als sie den Wirtschaftsboykott der arabischen Bevölkerung Palästinas der jüdischen gegenüber verkündete. Der Grundsatz, mit dem dieser Abschnitt der Feindseligkeiten eingeleitet wurde; Kaufe nichts bei den Juden außer Boden und verkaufe ihnen alles, nur keinen Boden, ist in seiner trefflichen Schlagwort-Formulierung kennzeichnend für die wirtschaftliche Verknüpfung des jüdischen und arabischen Bevölkerungselementes in Palästina Auf zwei Wegen schreitet die jüdische Aufbauarbeit vor: Landwirtschaft einerseits, Handel und Industrie andererseits. Die Drosselung des Bodenerwerbes bedeutet Stagnation der jüdischen landwirtschaftlichen Kolonisation, das Einkaufsverbot für jüdische Waren einen schweren Schlag für die junge, aufstrebende Industrie und vor allem eine fast unerträgliche Beeinträchtigung des jüdischen Handels, der naturgemäß seinen Hauptkonsumenten in den breiten arabischen Volksmassen hatte. Und die Arrangeure des Boykotts wissen ihre Waffe gut zu gebrauchen! Sie verstanden es, die Überwachung der jüdischen Kaufläden in Jerusalem, Jaffa und Haifa so gut zu organisieren, daß wochenlang kein arabischer Kunde es wagen durfte, bei seinem alten jüdischen Geschäftsfreund einzutreten. Den ärgsten Ausschreitungen setzte zwar die Polizei schließlich ein Ziel, aber auch heute noch — ein Vierteljahr nach Verkündigung des Käuferstreiks — ist der jüdische Handel in den gemischtnationalen Stadtteilen lahmgelegt. Aber trotzdem kann man feststellen, daß die gefährliche Waffe schon schartig geworden ist. Ein Wirtschaftsboykott gegen die jüdische Minorität in einem anderen Lande, geführt mit der gleichen Energie und Organisation wie dieser, hätte sie unbedingt in ihrer Basis erschüttern und bis zum Ruin bringen müssen. Daß hier nur eine Schwächung gewisser wirtschaftlicher Positionen des jüdischen Bevölkerungsteiles eingetreten ist, ist der Beweis, daß es in Palästina bereits eine eigene jüdische Wirtschaftskonstruktion gibt — soweit eben im zwanzigsten Jahrhundert überhaupt von einer nationalen Abgrenzung in ökonomischen Dingen zu sprechen ist. Aber — und man kann vermutlich nicht oft genug diese Tatsache der Galuth-Judenheit vor Augen führen — in Palästina ist der Jude Produkt i v i s i e»r t worden, er ist, als Volksganzes genommen, nicht mehr Teil eines Wirtschaftskörpers, sondern steht auf seinen eigenen Füßen. Die jüdische Führung hat klugerweise niemals die Parole ausgegeben, den arabischen Boykott mit einem jüdischen zu beantworten. Aber gerade unter dem Eindruck der arabischen Feind-

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