Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 7 (14.2.1930)
- Date
- 1930-02-14
- Page
- Seite 91 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 91 Der Bar-Kochba Nürnberg Von unserem Nürnberger Berichterstatter Der Bar-Kochba Nürnberg hat sich turnerisch und sportlich ausgezeichnet entwickelt, die Zahl seiner Mitglieder ist in den letzten Jahren erheblich gestiegen, dazu verfügt er über vorbildliche Finanzen. Das soll hier unumwunden anerkannt und derLeitung zum Verdienst angerechnet werden. Wenn die — zum großen Teil aus Zionisten bestehende — Opposition sich trotzdem in der letzten Generalversammlung zu einem Vorstoß gezwungen sah, so bedarf das einer näheren Erklärung, die in der Generalversammlung selbst infolge der gleich zu Beginn beschlossenen Beschränkung der Redezeit auf fünf Minuten unmöglich gegeben werden konnte. Der Bar-Kochba, der wie alle jüdischen Turnvereine in der Vorkriegszeit von Ziopisten gegründet worden ist, ist auch später von Zionisten unter großen Mühen und Opfern aufrechterhalten worden. Man hatte damals nicht allein mit der Abneigung gegen jüdische Vereine überhaupt ,zu kämpfen. Auch das Verständnis für Turnen und Sport war unter den Juden noch sehr gering. Bis in die letzten Jahre hinein bekleideten Zionisten, darunter ausgezeichnete Turner und Sportler, den Posten des ersten Vorsitzenden und sonstige Ämter im Bar-Kochba. Die Nürnberger Zionisten konnten es daher nicht ruhig mitansehen, wenn der Verein in eine den Absichten der Gründer wie auch den Statuten vollkommen zuwiderlaufende Richtung geriet. Es muß betont und mit aller Entschiedenheit festgestellt werden, daß es sich nicht darum handelt, den Verein zionistisch zu machen. Der Versuch, den Verein, dessen überwiegende Mehrheit nichtzionistisch ist, zionistisch zu führen, wäre töricht. Wohl aber muß verlangt werden, daß der Verein in jü.dis ehern Sinne und in jüdischem Geiste geführt wird. Abgelehnt werden muß der Versuch, den Geist überhaupt aus dem Bar-Kochba zu verdrängen, wie es mit der uns leider so vertrauten Parole geschieht, „wir wollen turnen und Sport treiben und sonst nichts“. Wenn zu den Aufgaben des Bar-Kochba nicht auch jüdische Erziehung gehört, so ist nicht einzusehen, wozu wir einen jüdischen Turnverein brauchen und warum die Turner und Sportler nicht in einen allgemeinen Turn- und Sportverein gehen. Ein Zusammenschluß der Jugend, die nicht positiv jüdische Ziele, sondern lediglich Absonderung von den andern verfolgt, wäre jüdischer Chauvinismus, der von der Gegenseite manchmal — zu Unrecht — den Zionisten zum Vorwurf gemacht wird. Der Einwand, daß die jüdische Erziehung von anderen Vereinen geleistet werden kann, ist verfehlt. Ein großer Teil des Bar-Kochba wird von diesem vollständig absorbiert und gehört keiner anderen jüdischen Organisation an. Es wäre unverantwortlich, diesen großen Teil der jüdischen Jugend Nürnbergs ohne jüdische Erziehung zu lassen. Diese Erziehung soll, wie immer wieder zu betonen ist, nicht zionistisch, sondern jüdisch überhaupt sein. Welchen Wert die Leitung des Bar-Kochba auf die jüdische Erziehung ihrer Mitglieder legt, geht zur Genüge daraus hervor, daß sie beantragte, die nach den Statuten zu bildende Tendenzkommission aufzuheben; nur weil dieser Antrag nicht in der vorgeschriebenen Form eingebracht und daher nicht zulässig war, ist die Kommission diesesmal noch nicht beseitigt worden. Er wird in der nächsten Generalversammlung bestimmt nachgeholt werden, wenn der Kurs des Bar-Kochba so weitergeht. Die Nürnberger Zionisten haben lange genug zugesehen, wie man mit ihrer Schöpfung umgeht. Sie haben sich mit den bisherigen Zuständen abgefunden, obwohl sie nicht nur über die jüdische, sondern auch über die allgemein menschliche Haltung des Bar-Kochba tief verletzt waren. Man ging in der Engherzigkeit so weit, daß man den bekannten Sportler und Turnarzt Dr. Ernst Simon aus Palästina nicht sprechen ließ. Der Bruderverein des Bar-Kochba, der Berliner Boxklub Makkabi, den seine nationaljüdische Einstellung nicht an Erfolgen gehindert hat, wie sie der Bar-Kochba trotz seiner großen sportlichen Leistungen bei weitem nicht aufzuweisen hat, mußte sich ebenso wie der Bar-Kochba Köln über mangelnde Gastfreundschaft beklagen. Dieses Verhalten des Bar-Kochba Nürnberg steht in grellem Gegensatz zu der außerordentlich freundschaftlichen Haltung, die der allgemeine Turn- und Sportverein gegenüber palästinensischen Turnern einnahm. Es wäre besser, wenn der Vorstand des Bar- Bochba sich von der Haltung einer solchen Stelle beeinflussen ließe, anstatt daß er in seinen als Beiblatt des jüdischen Gemeindeblattes erscheinenden Bar-Kochbablättern ein Blatt wie den „Stürmer“ als Kronzeugen anführte. Wir finden es unverständlich, daß sich eine jüdische Organisation in irgendeinem Zusammenhang auf ein derartiges Blatt beruft. Wir verstehen auch nicht, wie es der Bar- Kochba mit der von ihm so viel gerühmten Disziplin vereinbaren kann, daß er trotz seiner ausgezeichneten Vermögenslage seine klare und unbestreitbare Pflicht zur Beitragsleistung gegenüber dem deutschen Kreis des Makkabi nicht erfüllt. Diesem Verhalten des Nürnberger Bar-Kochba gegenüber konnten die Nürnberger Zionisten nicht länger untätig Zusehen. Sie können ihre Opositionsstellung nicht aufgeben, solange der Bar-Kochba nicht jüdischer, solange er nicht weitherziger gegenüber allen jüdischen Richtungen wird. Bis dahin werden zwar die zionistischen Mitglieder des Bar-Kochba weiter in ihm turnen und Sport treiben, sie müssen es aber bei dem jetzigen Zustand des Vereins ablehnen, an der Verantwortung mitteilzunehmen. I. 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