Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 17 (1930)
- Issue
- 4 (24.1.1930)
- Date
- 1930-01-24
- Page
- Seite 52 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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52 Das Jüdische Echo Nr. 4 Die Gegensätze im arabischen Lager überbrückt Jerusalem, 51. Januar. (JTA.) Nach einer Aussprache zwischen den arabischen Führern, an der auch Musa Kazim Pascha teilgenommen hat, sollen — wie von arabischer Seite mitgeteilt wird ■— die Mißhelligkeiten zwischen den beiden Flügeln der arabischen Exekutive, die in der bekannten Pressefehde und in den Amtsniederlegungen Ausdruck gefunden haben, nunmehr beigelegt worden sein. Musa Kazim Pascha, Jakub Furadschi und Moghanan Effendi haben ihre Rücktrittsserklärungen zurückgezogen und behalten ihre Ehrenämter als Präsident, bzw. Vizepräsident, bzw. Sekretär der arabischen Exekutive. Auch die Verzichterklärungen von Auni Bey Abdul Hadi und Ragheb Bey Nashashibi auf die Mitgliedschaft in der nach London sich begebenden arabischen Delegation sollen zurückgenommen worden sein. Der Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Bey Nashashibi, ist jetzt, wie verlautet, bereit, mit der Delegation nach London zu fahren. Diese Lösung scheint aber die Anhänger Musa Kazim Paschas nicht voll zu befriedigen. So verlangt „Felestin“ eine Vollsitzung der Palästinensich-Arabischen Exekutive und die Abhaltung neuer Wahlen. „El Akdam“ schlägt die Einberufund eines allpalästinensischen arabischen Kongresses vor. „El Sassaat Mustakim“ gibt bekannt, daß während der Abstimmung viele Mitglieder der arabischen Exekutive abwesend waren und daß Nichtmitglieder gestimmt haben. Jerusalem, 17. Januar. (JTA.) Die Aussöhnung der beiden arabischen Gruppen hat zu Veränderungen in der Zusammensetzung der Delegation geführt. Als Mitglieder der Delegation sind jetzt bestimmt: der Großmufti von Jerusalem, Hadsch Amin el Husseini, der Bürgermeister von Jerusalem, Ragheb Nashashibi, Auni Bey Abdul Hadi, Moghanan Elias Effendi Moghanan, ferner Fakhri Nashashibi, der Neffe und Sekretär von Ragheb Bey, und Dschemal es Husseini. Moghanan Effendi, der bei der ersten Wahl abgelehnt worden war, und Fakhri Nashashibi treten neu in die Delegation ein. Ausgeschieden ist der einer deutschen Kreuzfahrerfamilie entstammende Christ Alfred Roch. Musa Kazim Pascha, der Führer der ersten arabischen London-Delegation, gehört der jetzigen Delegation, die vom Mufti geführt wird, nicht an. Personalia München. Am 26. Januar feiern Herr und Frau Bernhard W a d 1 e r ihre goldene Hochzeit. Herr Wadler, der sich um die Münchener ostjüdische Gemeinschaft große Verdienste erworben hat, besonders durch seine Tätigkeit bei der Gründung des Vereins Linath Hazedek und späterhin bei der Gründung der Talmud-Thora-Schule, wird aus diesem Anlaß sicherlich Gegenstand zahlreicher Ehrungen sein. Auch wir entbieten dem Paar unsere herzlichsten Glückwünsche. Gemeinden-und Vereins-Echo Das fünfundzwanzigjährige Stiftungsfest der VJA. Am 19. Januar beging die Vereinigung jüdischer Akademiker an der Universität München im Festsaal des Regina-Palast-Hotels das Fest ihres fünfundzwanzigjährigen Bestehens. Die Feier wurde durch drei vom jüdischen Kammerorchester unter Leitung von Heinrich Lamm stilgerecht vorgetragene Stücke alter Musik eingeleitet. Der Präsident der Vereinigung, Hermann Mandelbaum, begrüßte die sehr zahlreich erschienenen Gäste und Delegierten auswärtiger Bundesvereinigungen. Nach ihm sprach namens der alten Herren Rabbiner Dr. Ernst Ehrentreu, vom Bundespräsidium Dr. Joseph Stern (Berlin), im Auftrag der Kultusgemeinde und des Verbandes Bayerischer Israelitischer Gemeinden Oberstlandesgerichtsrat Dr. Neumeyer und für die Religionsgesellschaft „Ohel Jakob“ Justizrat Dr. Max Feuchtwange r. Die Redner betonten die Wichtigkeit eines Zusammenschlusses aller gesetzestreuen jüdischen Akademiker in einer Zeit, in der der kulturelle Bestand des Judentums mehr denn je gefährdet sei. Nur die Verbindung von alter Tradition mit moderner Wissenschaft, „Thora im derech erez,“ könne dem Ansturm der religions- und judenfeindlichen Umwelt trotzen. Als Hauptredner des Abends ergriff Rabbiner Dr. Klein (Nürnberg) das Wort zum Festvortrag über das Thema: „Kulturjudentum und Chassidismu s.“ Der Referent führte aus, daß nicht grundsätzliche Gegensätze in der Auffassung der Gotteslehre die Bildung der beiden äußerlich so verschiedenen Richtungen im Judentum hervorriefen, sondern nur Abweichungen in der Religionsausübung. Der Chassidismus, die mystische Bewegung des Judentums, betont besonders stark das Gefühlsmoment in der Religion und sucht so das zu erreichen, was das Kulturjudentum mehr verstandesmäßig durch seine rabbinische Gesetzgebung anstrebt. Ziel und Wille aber ist beiden Bewegungen gemeinsam: Die Vervollkommnung des Menschen in der von der Thora vorgeschriebenen Weise. Die großangelegte Rede riß die Versammlung zu stürmischen Beifall hin. Ein Bachsches Konzert für Klavier und Streichorchester, dessen Klavierpart Dr. August Feuchtwanger vollendet vortrug, beschloß die eindrucksvolle Feier, die ein sprechendes Bild von der geistigen Regsamkeit der orthodoxen akademischen Jugend gab. Menny Ascher. Kinderfest im Steinickesaal Eine wirkliche Festesstimmung war bei dem Kinderfest im Steinickesaal, das die Schülerinnen des Luisengymnasiums und Lyzeums am Sonntag, den 19. Januar, veranstaltet haben. Hertha Aufsesser und Gabriella Rosenthal hatten den Plan für diesen Abend gefaßt aus eigenem Antrieb, aus dem Wunsche heraus, den Kindern zu helfen, die in Palästina gelitten hatten unter den blutigen Angriffen der Araber. Und sie haben diesen Plan durchgeführt unter mannigfachen Schwierigkeiten und obwohl sie Widerstände fanden, wo Hilfe selbstverständlich gewesen wäre. Einfach und sachlich klang es aus der kurzen Ansprache, die die Feier eröffnete: Kinder haben hier ganz aus eigener Kraft für Kinder gearbeitet und wir müssen gestehen, es ist ihnen über Erwarten gut gelungen. Ein reizender Solotanz, am Anfang kindlich und graziös zugleich, ein lustiger Grotesktanz von „sechs Lausbuben“ und als Hauptstück die Begeisterung auch der Allerkleinsten, die in großer Zahl erschienen waren, bildete die Josephsgeschichte. Der Text, dem diesjährigen I. MÜNCHENER RUSSE-BRENNEREI FRANZ GRÖBER, MÜNCHEN Holsaum, Knöpfe, Endeln Kanten, KostUmstickereien BurgstraBe 16/3 Knopflöcher Telephon 22 9 73