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Das jüdische Echo · 1930-01-10 · 2 (10.1.1930) · p. Seite 17

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
17 (1930)
Issue
2 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
Seite 17 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 2_ 10. Januar 17. Jahrgang Der 25. Delegiertentag der Z.V. f. D. 'Am 29. Dezember, 10.30 Uhr, wurde der 23. Delegiertentag der deutschen Zionisten im großen Saal des Jenaer Volkshauses eröffnet. 149 Delegierte, Mitglieder des Landesvorstandes, Vertreter aus Palästina, Holland, Dänemark, Österreich, Südafrika, u. a., sowie Hantke und Wollstein vom K. IL und Rosenblüth von der Exekutive in London waren erschienen. Eine besondere Bedeutung erhielt die Tagung durch die Anwesenheit Professor Chaim Weizmanns. Zudem sah man Hunderte von Gästen aus allen Teilen Deutschlands. Die Delegierten setzten sich zusammen aus: 48 Allgem. Zionisten (Richtung Blumenfeld), 35 Hitachduth, 25 Misrachi, 23 Unabhängige (Kollenscher), 12 Revisionisten, 6 Radikale. Präsidium: Blumenfeld, 6 Vizepräsidenten, je einer von jeder Partei. Kurt Blumenfeld eröffnete die Tagung. Danach hielt Herr Dr. Weizmann sein Referat über die politische Lage im Zionismus. Weizmanns Rede Ich spreche heute zum erstenmal seit den traurigen Ereignissen in Palästina. Es ist um so schwerer, als die Untersuchungskommission in Erez Israel erst gestern ihre Arbeiten beendet hat, ihr Bericht aber noch nicht vorliegt. Die Untersuchungskommission hat zwar nur engbegrenzte Instruktionen, hat sich aber an diese nicht ganz gehalten. Sie sollte nur die unmittelbare Ursache der Unruhen feststellen und wie solche in Zukunft zu vermeiden wären. Die Ereignisse haben schwere Folgen, materieller und seelischer Erschütterung für das Judentum. Die ganze Frage des Zionismus steht heute offen vor dem Tribunal der Welt. Wir sind gezwungen, unsere Stellung nochmals klarzulegen, unsere Rechte zu unterstreichen, unsere Methoden darzulegen. Die Situation hat Ähnlichkeit mit derjenigen vor etwa zehn Jahren. Die Welt, die damals neuen Ideen gelockert offenstand, ist wieder erstarrt. Die Welt versteht uns heute weniger als vor zehn Jahren. Aber unsere Leistung in Palästina spricht mehr für uns als alle Deklarationen. Sie ist ein politischer Machtfaktor und wiegt schwer in der Schale der Entscheidung. Die Gegner haben den Zeitpunkt des Angriffs taktisch richtig erfaßt. Sie sagten: „Pen jirbu“ (sie könnten noch stärker werden!), wenn wir jetzt nicht den Versuch machen. Der Versuch ist mißlungen. Wir stehen unerschüttert. Drei Probleme stehen vor uns: unser Verhältnis zur Mandatarmacht, zu den internationalen Kontrollorganen und zur öffentlichen Meinung der Welt. Unser Recht, in Palästina ein Nationalheim aufzubauen, ist genau so unerschüttert wie vor zehn, hundert oder tausend Jahren. Dieses Recht kann uns niemand nehmen. Die Gründe, die zur Anerkennung durch die Mächte geführt haben (die Judenfrage, zehn Millionen Menschen, die man in anderen Ländern nicht existieren läßt), bestehen fort, sind stärker geworden. Wofür wir gekämpft haben, ist in der Präambel des Mandats verkörpert. Sie wird stehen, wenn auch alles andere fällt. Was England anbelangt, steht diese Frage glücklicherweise nicht zur Diskussion. Deshalb hat die Kommission beschränkte Vollmachten. Aber das Mandat wird im Geist und Wortlaut durchgeprüft werden. Ein praktisches Programm für die nächsten Jahre wird festgelegt werden. Darum ist es notwendig, sich auf diese Arbeit zu konzentrieren. Es ist mir genau bekannt, daß die Mandatarmacht neiht alles tat, was dem Geiste, Sinne und Wortlaut des Mandats entspricht. Aber wir haben uns gesagt, sie hat eine schwere Aufgabe, zehn Jahre sind eine kurze Zeit, um den richtigen Weg zu finden. Auch wir tasten noch im Dunkeln. Deshalb stellte ich mir 1920 zur Aufgabe, das jüdische Volk zu entdecken. Es hat meinen Ruf gehört und seine Arbeit getan. Deshalb können wir heute vor der Welt eine andere Sprache sprechen. Wenn es uns gelingt, dem jüdischen Volk, der Welt und der Mandatarmacht ein klares Bild der Zukunft zu zeigen, sind die Opfer, die wir gebracht haben, nicht zu groß. Das delikateste Problem: Es sind allerorts Retter auferstanden, die wir nicht akzeptieren und nicht desavouieren konnten. Wir sind für Verhandlungen mit unseren Gegnern, aber zur rechten Zeit und im richtigen Geiste. Was ist der Geist und was ist die Zeit? Die Grundlage unserer Existenz ist unser Recht auf das Nationalheim, das nicht erst durch die Balfour-Deklaration geschaffen wurde, sondern seit Jahrtausenden besteht durch die Verheißung Gottes an Abraham und das wir durch unsere Geschichte getragen haben. Noch nie in der Geschichte ist eine Kolonisation gemacht worden wie die unsrige, ohne Macht, ohne Gewalt. Kein Jude soll diese heilige Arbeit in den Verdacht setzen, daß sie nicht friedlich sei. Es ist der Landesbevölkerung kein Haar gekrümmt worden. Ich sage den Arabern, in der Erkenntnis, daß meine Worte in die Welt dringen: Wir kamen nach Palästina auf £rund unseres Rechtes und nichts wird uns davon abhalten. Auch dieses Pogrom nicht. Wir brauchen sie und sie brauchen uns. Wir wollen ein gemeinsames Vaterland aufbauen. Dazu gehören aber zwei. Es liegt an ihnen, das zu verstehen. Sie haben die Verwandtschaft zu Israel und Ismael vergessen. Wir werden sie durch redliche Arbeit dazu bringen. Aber auch sie müssen einen Schritt dazu tun. Es gereicht ihnen nicht zur Ehre, daß kein Wort der Verurteilung über Hebron und Safed von ihnen gefallen ist, einem Volk, das auch seine Freiheit erringen will. Sie müssen erkennen, daß sie ihr Heim nicht auf Leichen Unschuldiger aufbauen

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