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Das jüdische Echo · 1921-12-23 · 51 (23.12.1921) · p. Seite 657

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
51 (23.12.1921)
Date
1921-12-23
Page
Seite 657 (sequence 3)
Language
German
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Das Jüdische Echo Nummer 51 25. Dezember 1921 8. Jahrgang Chanukah Auch in diesem Jahre feiern wir Chanukah. Auch diesmal schimmern die Lichter der Menorah, heut wie immer kündet die Chanukahymne Lob und Preis den Syrerkämpfern und des Gottes, der sie rettete. — Aber an allen Enden der Welt ist jüdische Not. Wer zählt die Geschlachteten der Ukraine, die geschändeten Frauen, die verhungernden Greise und Kinder? Wer ermißt das Leiden unserer Brüder in Polen und Ungarn? Wer vermag das Entwürdigende und Beschämende unserer Lage auch in den Ländern zu schildern, die Pogrome — bisher — nicht kennen? Wer das Elend unserer Kinder, denen Lehrer und Mitschüler das junge Leben verbittern? Kein Antiochus, kein Lysias undBacchides hat der Judenheit getan, was die Horthy, Petljura, Menelaus, Alcimas, keiner jener verachteten Griechlinge, hat den jüdischen Namen so geschändet wie unsere Neumänner und ihre öffentlichen und geheimen Anhänger. Die Griechenzeit fand ihr Ende in der geistigen Revolution der Assidäer und in der tätigen des Matitjahu und seiner Söhne. Unsere Zeit ist jeder geistigen Umwälzung im Judentum abhold und wehrt sich verzweifelt gegen jüdische Taten. In jenen Tagen setzten Juden ihr Leben gegen ihre Bedränger. In unseren winselt man zu Füßen der jeweiligen Machthaber. Damals erschlug Matitjahu den Abtrünnigen am Altar seines Götzen. Heut wäre der Abtrünnige wohl Minister seines Staates und ein Stolz jedes jüdischen Staatsbürgers. Ehedem drangen Juda und Jonathan mit ihren Gewappneten ins Heidengebiet, um den gepeinigten Brüdern im Ausland zu helfen. — Jetzt leugnet man Zusammenhang und Solidarität mit ausländischen Juden, sähe am liebsten alle per Schub über die Grenze gebracht, fühlt sich aller Verantwortlichkeit, alles tätigen Mitleids enthoben, wenn man sein „Scherflein“ zur offiziellen Sammlung für die jeweiligen Pogromopfer beigetragen hat. Wir aber feiern Chanukah und schämen uns nicht. Fühlen uns stolz als Enkel von Helden, erzählen von ihren Taten unseren Kindern, von ihren längst verschollenen Schlachten, wie man Märchen erzählt — wers nicht glaubt, zahlt einen Taler.— Was feiern wir Feste, die statt zu handeln immer nur dulden, seit zweitausend Jahren anderen Volkskörpern eingegliedert, doch nie ganz verwachsen, Jn Gefahr unterzugehen, doch ohne ernstlichen Willen, dem Elend zu wehren?! Immer wieder tritt das Schicksal vor die Nationen und verlangt Antwort auf entscheidende Frage. Eng ist die Wahl — kein Ausweg zwischen „Ja“ und „Nein“, zwischen Leben und Untergang. Die Makkabäer wollten das Leben und sicherten es ihrem Volk für Jahrtausende. Eine Tat, die ihre, ward Kraft und Antrieb noch unserer Generation. Sollen wir immer nur davon reden, untätig tätigen Ahnen Feste feiern? Die Makkabäerfrage ist auch uns gestellt. Die ungeheure Katastrophe unseres Volkes rede laut zu jedem, der hören will. Sollen wiir weiter die Verachteten und Gehaßten sein, diie bete noire unter den Nationen, schuldig an allem Unglück, an jedem Verbrechen? Wollen wir weiter unseren Wert an den Missetätern in unseren Reihen messen, unsere großen und guten Menschen anderen Völkern zuzählen, oder gar um ihrer Leistung willen beschimpfen lassen? Immer nur die Geduldeten sein, die sich den Lücken der Wirtschaft einfiigen und sie ausfüllen dürfen? Immer die Abhängigen, die der Strom einer Kalten fortreißt, an deren Quelle sie nicht gestanden? Sollen wir denken müssen, daß unsere Enkel oder Urenkel jüdischem Wesen entfremdet ihrer gern vergessenen Väter spotten könnten? Eine ungeheure Chance bietet sich — vielleicht zum letzten Mal — dem jüdischen Volk. Ein jüdisches Palästina kann werden — wenn wir wollen. Ein Land, von jüdischem Fleiß erbaut, mit jüdischem Schweiß gedüngt, mit jüdischem Blut verteidigt — ein Land des Friedens und schöpferischer Arbeit. Dort wird der Jude nicht nur Händler sein, Rechtsanwalt, Journalist, Schauspieler, dort wird er alles in allem sein. Der jüdische Boden, heut eine Wüste, aber morger beackert und sorglich gehegt wird Früchte treiben, schönere Früchte der jüdische Geist. Und wie in Makkabäertagen die jüdische Welt in Staunen und Stolz aufhorchte, wenn Judas Schwert auf Syrerhelmen klang, wird sie jetzt dem Schürfen des jüdischen Spatens, dem Klingen der iüdischen Hacke. lauschen, die wie damals das Schwert Wegbereiter der jüdischen Freiheit sind. Das jüdische Volk in Palästina wird das Judenvolk vor der Welt rehabilitieren. Was dort geleistet wird, muß als jüdische Leistung anerkannt werden. Die hebräische Sprache erhob sich aus dem Totenschlaf, beginnt heute schon zu leben. Und morgen werden englische, deutsche, französische Gelehrte hebräisch können müssen, um an dem Schaffen jüdischer Denker teilzunehmen und zu lernen. Das Judentum im Golus aber wird erwachen. Man wird jüdische Bücher lesen, die die Gegenwart schrieb, und sich darüber der alten neu erinnern. Man wird jüdische Zeitungen halten, jüdische Musik hören, alter und neuer jüdischer Weisheit nachdenken. Von jüdischen Taten wird man seinen Kindern erzählen — und diese Taten werden nicht immer nur vor undenklichen Zeiten geschehen sein. Ja, man wird jüdische Städte bereisen, jüdisches Land genießen und sich seiner Schönheit freuen. Und wird deshalb kein schlechterer Bürger seines Staates sein als heute, aber ein besserer Jude. Das kann nicht von heut auf morgen werden. Aber heut, nur heut ist der Anfang zu machen. Noch ist die Chance in unserer Hand. Man bot Palästina, das Römer, Araber, Türken verwüsteten, den Juden an, die es erbauen sollen. Ein Land erhält man nicht geschenkt, man muß es sich erwerben. Schon arbeiten jüdische Menschen auf jüdischem Boden, setzen ihr junges Leben, ihre Zukunft, ihr Gut und ihr Blut ein für das Land und ihr Volk. Junge Kaufleute, Schüler, Studenten werden Ackerbauer, verlassen angenehme Stellung, schützen das Elternhaus, um dafür hartes Schaffen und karges Brot einzutauschen. Sie trotzen den Krank-

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