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Das jüdische Echo · 1921-12-16 · 50 (16.12.1921) · p. Seite 650

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
50 (16.12.1921)
Date
1921-12-16
Page
Seite 650 (sequence 17)
Language
German
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650 Das Jüdische Echo Nr. 50 Berdyczewsky, der Skeptiker, der immer Zweifelnde, vermag sich nicht für oder gegen zu entscheiden; er ist kein Gegner des Zionismus, aber er kritisiert ihn von verschiedenen Gesichtspunkten, beobachtet die Nuancen in der Bewegung und sucht nach einer Differenzierung des damals noch komplexen aber einheitlichen Zionismus, Das hat freilich erst sein treuer Schüler, der vor kurzem ermordete Schriftsteller und Arbeiterführer Brenner, in dessen Charakter und Schaffen wir soviel Ähnliches mit Berdyczewsky finden, durchgeführt. In den 80—90er Jahren ist bei vielen jüdischen Schriftstellern die Tendenz zu bemerken, Inhalte der jüdischen Vergangenheit auf die Zukunft anzuwenden, welche sie sich eigentlich eher als eine Fortsetzung der Vergangenheit, als der Gegenwart vorstellen. Berdyczewsky bringt ein Neues in diese Strömungen und setzt die Gegenwart in ihre Rechte vor der Vergangenheit ein. Das war seinerzeit eine große Tat, denn dadurch besiegte das wirkliche Leben die Memoiren und schilderte uns klar das Leid und die Pein der jetzigen Generation. Und wenn sich unsere Literatur jetzt so viel mit dem Leben der Gegenwart des ganzen jüdischen Volkes oder nur einzelner Individuen beschäftigt, wem hat sie dafür zu allererst dankbar zu sein, wenn nicht Berdyczewsky? In seinen deskriptiven Erzählungen vom Volksleben (wie z. B. „Mibait umichuz“, „Machanaim“, „Meiri Haktanah“, „Mischnei Olamot“ usw.) wie auch in den Schilderungen vom chassddiischen Leben bemüht er sich, uns den jüdischen gewöhnlichen Menschen darzustellen „so wie er ist“ mit allen seinen Vorzügen und Mängeln und entdeckt bei den gehetzten und immer nach „Pamosse“ jagenden Wochentajgsjuden trotz ihrer Rückständigkeit und religiöser Starrheit eine reiche und weite Seele — in einem gewissen Gegensätze zum großen Peretz, der den Chassidismus durch und durch sentimentalisierte und nur die Sabbath- Juden mit der „Neschama jeteirah“ sah, welche „die goldene Kette“ fortzusetzen haben. Aber auch für Berdyczewsky war der Chassidismus ein herrliches Lied — ein wunderbarer Gesang und ein tiefer Trost in den grauen Wochentagen. Er erkannte im Chassidismus den Faden, der den Menschen mit der Jezirah, mit der Weltschöpfung verbindet, den Faden, der durch den „Pilpul“ überrissen worden war. Was in der erstickenden Luft des Rationalismus in der „Galuth“ ausgetrocknet war, die Frische und das Leben, — hier im Chassidismus begann es wieder aufzublühen ... Nicht in der lärmenden Welt, nicht in der Menge konnte Berdyczewsky seine geistigen Bedürfnisse befriedigen, sondern nur in vollständiger Einsamkeit, weit vom Lebensgetöse und menschlichem Geschrei, da fand er sich selbst, da war er ganz was er war. Nachdem er sich vom öffentlichen Kampf zurückgezogen hatte, schuf er still und bescheiden seine wunderbare „Adagot“ und widmete sich der Forschung des jüdischen Folklers vom Talmud bis zum Chassidismus, wobei er mit einer besonderen Fachliebe die allgemein-jüdischen Motive der „Agadah“ bearbeitete. Als Resultat dieser Studien sind einige wertvolle Bände, auch deutsch erschienen: „Der Born Judas“ (Inselverlag) und „Sagen der Juden“ (Rütten und Loening). In Berdyczewsky verlieren wir nicht nur einen starken und geistreichen Schriftsteller, sondern auch einen tiefen, echtiüdisohen Denker. * * Aus der jüdischen Welt Palästina Neuer Landkauf in Palästina. Die amerikanische Zion Comonwealth (amerikanische „Achuso“) hat 13 000 Dunam Land im Tale Jesreel gekauft, zum Preise von 250 000 Dollar. Das Land ist einer der fruchtbarsten Teile Palästinas und schließt sich dem früheren Kauf des Nationalfonds von 60 000 Dunam an. Gemäß den Plänen der Zion Comonwealth sollen auf dem neu erworbenen Boden Gartenstädte errichtet werden. (J.C.B.) Zementexport nach Palästina. „Manchester Guardian Commerciial“ schreibt: „Die Bautätigkeit in den palästinensischen Städten, besonders in Jaffa, ist im Zunehmen begriffen. Große Mengen Zement und Baumaterialien werden aus Zentraleuropa eingeführt. Die beliebtesten Zementmarken sind Spalato, Dalmatiner und Heidelberg. Auch Polen beginnt mit dem Export von Zement, der gut und dabei billiger ist als die oben erwähnten Marken.“ Amerika Die zionistische Delegation in Amerika Große Spenden für den Keren Hajessod. Aus New York wird uns berichtet: Der Empfang der zionistischen Delegation, die unter Führung Nahum Sokolow s zu den Verhandlungen mit der amerikanischen Regierung eingetroffen ist, wurde von der jüdischen Bevölkerung zu einer selbst für amerikanische Begriffe imposanten Kundgebung ausgestaltet. Die riesige Carnegie Hall konnte die unaufhörlich zuströmenden Massen nicht fassen. Tausende von Leuten mußten draußen bleiben. Als erster Redner sprach Nahum Sokolow, der der Versammlung die bedeutsame Erklärung Hardings für die weitere Unterstützung des Zionismus offiziell zur Kenntnis brachte. Die Versammlung nahm die Mitteilung mit großer Begeisterung auf. Sokolow berichtete weiter über seine Verhandlung mit dem amerikanischen Staatsdepartement, über seine Besprechungen mit Balfour und den Führern der anderen Delegationen zur Washingtoner Abrüstungskonferenz. Nach Sokolow hielt Richter Rosenblatt eine - Abschiedsrede anläßlich seiner Übersiedlung nach Palästina behufs Übernahme seiner Funktionen in der zionistischen Exekutive Palästinas. Auch die Ansprachen Professor Warburgs, Jabotinskys und Goldsterns wurden mit langandauemden Ovationen beantwortet. Nach dem Empfang wurde eine Sammlung für den Keren Hajessod veranstaltet, die den ansehnlichen Betrag von 180 000 Dollar In bar ergab. Unter den Einzahlenden befanden sich der Orden Brith Abraham mit 100 000 Dollar, Samuel Untermeyer (erste Rate) mit 10 000 Dollar und Harry Fische! mit 5000 Dollar. Rumänien Die jüdischen Minoritätsrechte in Rumänien. „Mantuirea“ begrüßt die Anerkennung des Jüdischen Nationalverbandes für Siebenbürgen durch die rumänische Regierung als eine neue Wendung in der rumänischen Judenfrage. Im Gegensatz zur Haltung der früheren Regierungen, die von nationalen Minderheitsrechten für die Juden nichts wissen wollten, hat die neue Regierung einen günstigeren politischen Kurs eingeleitet Nun obliegt es der Judenheit Altrumäniens, auf die Anerkennung der jüdischen Minderheitsrechte im

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