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Das jüdische Echo · 1921-12-16 · 50 (16.12.1921) · p. Seite 646

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
50 (16.12.1921)
Date
1921-12-16
Page
Seite 646 (sequence 11)
Language
German
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646 Das Jüdische Echo Nr, 50 Weizmann kommt nach Berlin London, 4. Dez. (Tel. cL Z.B.) Weizmann fährt nicht, wie ursprünglich beabsichtigt war, nach Amerika, sondern wird an der Sitzung des Actions-Comites, die am 27. d. M. in Wien beginnt, teilnehmen. Auf der Reise dahin trifft er am 20. d. M. in Berlin ein, wo er mehrere Tage bleiben wird. Wir begrüßen den großen zionistischen Führer auf herzlichste auf deutschem Boden. Wir hoffen, daß wir ihn auf der Durchfahrt nach Wien oder auf der Rückreise auch in Süddeutschland werden begrüßen können, wo tausende von Juden aller Parteien in Verehrung und Dankbarkeit den Mann empfangen würden, dem das jüdische Volk seine großen politischen Erfolge verdankt. Die Jüdische Rundschau schreibt zu obiger Meldung: „Wir wissen nicht, was die Exekutive bewogen hat, von Weizmanns Amerikareise abzusehen. Es war geplant, daß er am 27. d. M. abreisen und sich zunächst nach Washington begeben sollte. Jedenfalls ist es vom zionistischen Standpunkt sehr zu begrüßen, daß Weizmann an der A.-C.-Sitzung teilnehmen wird.“ Große Rede Weizmanns Dr. Weizmann sprach in London am 27. November in einer großen öffentlichen zionistischen Versammlung in Memorial Hall. Es war nach langer Zeit wieder die erste öffentliche Kundgebung Dr. Weizmanns, und wir halten es daher für angezeigt, die wichtigsten Teile dieser Rede nach dem im Bulletin der Zionistischen Organisation in London veröffentlichten englischen Text wiederzugeben. Nach einer kurzen Einleitung sagte Weizmann: „Mir wird sehr oft der Vorwurf gemacht, daß ich der politischen Hauptfrage, nämlich der nach der Bede u-t ung der Balfour-Deklaration aus dem Wege gehe. Dies ist in gewisser Beziehung wahr. Ich war der Ansicht, wir sollten es der Zeit und unserer eigenen Arbeit überlassen, eine richtige Interpretation der Balfour-Deklaration zu geben; ich hätte also auch heute noch nicht davon gesprochen, wenn nicht andere es unternommen hätten, die Balfour- Deklaration zu interpretieren. Ich muß leider erklären, daß wir als Zionisten keiner der verschiedenen Auslegungen, mögen sie von hoher oder weniger hoher Seite erfolgt sein, zustimirten können. Die einzige Auslegung, die wir als authentisch, definitiv und sowohl für die englische Regierung als auch für die Zionistische Organisation bindend ansehen, ist das, was im Mandat niedergelegt ist. Es ist an dter Zeit, sowohl die Zioniisten als auch vielleicht eine Anzahl von Organen der britischen Regierung in Palästina, deren Pflicht die Durchführung der Balfour- Deklaration ist, an den Text des Mandats zu erinnern. Der Text des Mandats sagt in der Einleitung: ..insofern dadurch die Anerkennung ausgesprochen ist für die historische Verbindung des jüdischen Volkes mit Palästina und für die Grundlagen der Wiederherstellung (reconstituting) ihres nationalen Heims in diesem Lande...‘ Wir gehen nach Palästina, nicht um einige isolierte Kolonien aufzubauen oder um einige tausend Immigranten anzusiedeln; dies mag eine gute Sache sein, aber sie ist nicht der Sinn der Balfour-Deklaration. Der Sinn der Balfour-Deklaration ilst die Wiederherstellung (re-constituting) des alten jüdischen Nationalheims. Das alte cudäa war keine isolierte Kolonie, es war eine nationale und politische Einheit, und diese nationale und politische Einheit ist es, welche nach dem Mandat in Palästina wiederhergestellt werden soll. Ich glaube, das ist klar. Jede andere Auslegung ist Pilpul. Artikel 2 des Mandats sagt: ,Die Mandatarmacht soll verantwortlich dafür sein, daß das Land unter solche politische, administrative und ökonomische Bedingungen gestellt wird, welche die Errichtung des jüdisch-nationalen Heims, im Sinne der Einleitung sicherstellen.4 Ich glaube, das ist vollständig klar. Es bedarf keines weiteren Kommentars; was davon ab weicht, ist nicht mit den Bestimmungen und nicht mit den gegebenen und oft wiederholten Versprechen vereinbar, und die Ehre derjenigen, welche diese Versprechungen und Verpflichtungen gegeben haben, steht auf dem Spiele mit der Durchführung des Mandates im rechten Sinne. Wir wissen, daß dies keine leichte Aufgabe ist, und wir sind die letzten, diese Aufgabe noch zu erschweren. Wir tun unser bestes, um, soweit es an uns liegt, die Aufgabe der Mandatarmacht so leicht als möglich zu machen. Wir vertrauen der Zentral regier ung, und ihre Hauptrepräsentanten sind darauf bedacht, das Mandat seinem Geist und seinem Wortlaut nach zu erfüllen. Aber wir sind uns auch dessen bewußt, daß dunkle Mächte am Werke sind, manchmal sichtbar, welche darauf ausgehen, die Arbeit der Regierung und der Zionisten zunichte zu machen. Dies sind die hauptsächlichsten Tatsachen, welche der heutilgen politischen Situation zugrunde liegen. Auf der einen Seite ein völlig klares politisches Programm, niedergelegt im Mandat, auf der anderen Seite weichen die Vorgänge in Palästina bedauerlich von dem Inhalt des Mandates ab. Und einer der Beweise dafür ist ein Dokument, welches jüngst als Ergebnis der Untersuchung über die Unruhen in Jaffa veröffentlicht worden ist. So furchtbar auch Pogrome sein mögen, ich glaube, daß die Zionistische Organisation, die Zionisten und vor allem die palästinensischen Juden, die auf vorgeschobensten Posten stehen, es als ein beinahe natürliches Ereignis hinnehmen, daß beim Aufbau eines Landes solche Dinge sich ereignen; und obwohl ich zu Gott bete, daß dies der letzte sein mag, fürchte ich doch, daß es nicht der letzte war. Wir werden wahrscheinlich auch weiterhin noch ih Palästina zu leiden haben. Nicht dies ist es, was uns beunruhigt. Die beunruhigende Tatsache ist das Dokument selbst, die Denkweise, welche darin zum Ausdruck kommt. So fair es in der Zusammenstellung der Tatsachen sein mag — ich halte es für außerordentlich fair — so sehr läßt es in seinen Schlußfolgerungen Logik und Sympathie vermissen. Die gewöhnliche Schlußfolgerung, zu welcher die Untersuchung nach einem Pogrom in anderen Ländern zu kommen pflegte, daß die Juden unrecht haben, und zwar,, weil sie Juden sind und an gewissen jüdischen Anschauungen und Idealen festhalten, welche zufälligerweise nicht mit denen der Nichtjuden zusammenfallen. Die Schlußfolgerung, zu der diese Untersuchung kam, war ähnlich. Der Hauptgrund der Unruhen in Jaffa war die Tatsache, daß es Immigranten gab, daß es eine Zionist Commission gab, welche gewisse Ideale hatten und diese Ideale durchzuführen versuchten. Ich möchte die Kommission fragen: Wozu sind wir in Palästina, wenn nicht um dieser Ideale willen? Wir sind dort tun der Ideale willen, welche in einer klaren

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