Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 49 (9.12.1921)
- Date
- 1921-12-09
- Page
- Seite 633 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 49 Das jüdische Echo 633 Da wir auf dem Standpunkt stehen, daß das nationale Kapital in Palästina die Bankinstitutionen, die Wasser- und Elektrizitätskräfte in der Hand haben und so die Macht haben muß, den Aufbau zu kontrollieren, daß aber auch für das Privatkapital die Möglichkeit geschaffen werden muß, Arbeiten in Palästina in großem Maßstab zu beginnen, sind wir uns auch klar darüber, daß die Zionistische Organisation allen Privatkapitalien, die schon heute in Palästina arbeiten können, die erforderliche Aufmerksamkeit schenken muß. Sie müssen den nötigen Kredit finden. Um nun der Privatinitiative, die sich schon jetzt in Palästina betätigen kann, entsprechende Möglichkeiten zu schaffen, wird der Wirtschaftsrat sich bemühen, in der Finanzwelt diie notwendige Stütze für solche Unternehmungen zu finden. Der Wirtschaftsrat wird auch versuchen, bekannte wirtschaftliche Experten heranzuziehen, die zwar dem Aufbau von Erez Jsrael nicht allzu nahe stehen und auch bisher dem jüdischen Leben ferngeblieben sind, aber doch bereit wären, an den Beratungen des Wirtschaftsrates teilzunehmen. Ferner wird der Rat die bereits bestehenden Finanzinstitutionen stärken und ausbauen, die großen Budgets, die der Kongreß beschlossen hat. verwalten und endlich neue Institutionen gründen müssen, um der Palästinaorganisation neue Instrumente zu schaffen. Dies ist in großen Umrissen eine Darstellung der Hauptaufgaben des Wirtschaftsrates; sein ganzes Aufgabengebiet ist so groß und weitverzweigt, daß es unmöglich ist, schon jetzt alle Details zu besprechen. (Ziko.) Aus der Jüdischen Welt Palästina Deutsche Schiffahrt nach Palästina. Die „Deutsche Levante-Linie“ läßt am 13. Dezember ab Hamburg ihren Dampfer „Alesia“ auslaufen, der auf seiner Fahrt nach Alexandrette in Jajfa und Haifa Station machen wird. (Ziko.) —■ Die Regierung befaßt sich seit längerer Zeit mit der Frage der Wasserzuleitung in Jerusalem. Ein offizielles Komitee, in dem einige Experten, darunter auch ein Vertreter der Gemeinde teilnahmen, arbeitete unter Vorsitz des Kreilsverwalters einen Plan der Wasserzuleitung aus, der von der Regierung approbiert wurde. Die zur Durchführung nötigen Ausgaben, die vorerst auf 30 000 Pfund geschätzt wurden, konnten nach weiterer genauer Überprüfung des Planes auf 15 000 Pfund reduziert werden, dank vorteilhaften Einkaufes des Materials und der dazu nötigen Maschinen. Die Stadtgemeinde, die keine übrigen flüssigen Mittel hat, nimmt eine Anleihe von 15 000 Pfund auf, deren Verzinsung und Amortisation auf 1500 Pfund sich beläuft, zu deren Deckung die Hauszinssteuer um 1 Prozent erhöht werden soll. Man hofft jedoch, daß es später durch Erhöhung der Einkünfte für Wasserzuleitung gelingen wird, diese Erhöhung der Hauszinssteuer wieder ermäßigen oder selbst gänzlich aufheben zu können. (J. P. Z.) — Von Danzig gehen dieser Tage mehrere Schiffsladungen mit polnischem Holz ab. Es ist der erste Versuch, Holz von Polen nach Palästina zu exportieren. (J. C. B.) Neue Bankgründungen in Palästina. Die „American Palestine Company“ hat mit Erlaubnis der palästinensischen Regierung zwei neue Banken in Palästina organisiert: die „Urban Mortgage Bank of Palestine“ und die „Industrial Credit Bank of Palestine“. Das erste Unternehmen wird hauptsächlich Baukredite erteilen, während das zweite die Entwicklung aussichtsreicher Industriezweige fördern will. (Ziko.) Palästinensische Verfassung und Staatsangehörigkeit. In der Novembersitzung des palästinensischen Staatsrats teilte Oberkommissar Sir Herbert Samuel mit, daß die Verfassung für Palästina als eine Verordnung des britischen Königs erlassen werden wird. Gleichzeitig wird ein besonderes Gesetz über die Staatsbürgerschaft der Landesbewohner in Kraft treten. Da die Bestimmungen dieses Gesetzes den Artikeln des Vertrages von Sevres Rechnung tragen müssen, ist auch in diesem Fall die Form eines Regierungsbefehls erforderlich. Das Gesetz wird im Einklang mit dem Passus des Vertrages von Sevres stehen, nach welchem jeder ottomanische Untertan, der gegenwärtig in Palästina wohnt, sofort palästinensischer Staatsangehöriger wird. Eine Ausnahme kann gemacht werden, wenn ottomanische Untertanen den Wunsch haben, die Staatsbürgerschaft eines Landes anzunehmen, zu dem sie ihrer Rasse nach zu gehören glauben. Die palästinensische Staatsbürgerschaft würde dann jedoch beim Verlassen Palästinas erlöschen. Gemäß den Bedingungen des Vertrages dürfen Juden fremder Staatsangehörigkeit, die beim Inkrafttreten des Friedensvertrages in Palästina ansässig sind, palästinensische Bürger werden, wenn sie innerhalb eines Jahres einen entsprechenden Antrag stellen. Schließlich kann die palästinensische Staatsbürgerschaft auch durch Naturalisation erworben werden, wenn der Antragsteller nicht weniger als zwei Jahre in Palästina gewohnt hat und sich im Lande dauernd niederlassen will. (Ziko.) Amerika — Wiie das New York Büro des Keren Hajessod meldet, ist der Nichtzionist Louis Marshall, ein bekannter Führer der amerikanischen Juden, Mitglied des amerikanischen Vorstandes des Keren Hajessod geworden. (J.C.ß.) literarisches Echo Felix A. Theilhaber. „Der Untergang der deutschen Juden“. Zweite verbesserte Auflage. Jüdischer Verlag, Berlin N. W. 7. (geh. Mk. 26.—, br. Mk. 20.—.) Zu haben in der Ewer-Buchhandlung, Wagmüllerstraße 19. Als dieses Werk im Jahre 1911 zum ersten Male erschien, hat es ungeheures Aufsehen, in manchen Kreisen einen Sturm der Entrüstung erregt. Jeder empfand, daß der Verfasser in dilesem Buche eines der heikelsten aber auch wichtigsten Probleme des modernen Judentums angeschnitten hatte. Die Auflage war binnen kurzer Zeit vergriffen und infolge persönlicher Inanspruchnahme des Verfassers konnte eine Neuauflage zunächst nicht erscheinen. In der letzten Zeit hat der Verfasser das Werk nun einer Neubearbeitung unterzogen Dentist H. ULLMANN Httnchen, Baaderplatz 1/1, Tel. 25904 Spezialität: Laboratorium für feine Zahntechnik