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Das jüdische Echo · 1921-11-25 · 47 (25.11.1921) · p. Seite 599

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
8 (1921)
Issue
47 (25.11.1921)
Date
1921-11-25
Page
Seite 599 (sequence 6)
Language
German
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Nr. 47 Das Jädische Echo 599 Palästina abhängt. Wir wollen Pioniere stellen, die dem Lande nützen, und Mittel schaffen, deren unsere Sache bedarf. Wir wollen nicht davon reden, daß unsere Tätigkeit die Lage des armen Fellachen bessert, aber wir wollen daraufhin wirken, dlaß der Fellach selbst die Besserung seiner Lebenshaltung jüdischer Einwanderung und jüdischem Schaffen zuschreiben muß. Wir wollen für jeden sein, der, aus welchen Gründen auch immer, nicht gegen uns ist. Wir wollen aber auch nicht um Liebe werben, wo Liebeswerben als Schwäche und Unehrlichkeit gedeutet wird. Wir müssen — das wurde auf dem Kongreß betont — mit dem arabischen Volk verhandeln* wo es verhandlungsfähig ist und über berufene Vertreter verfügt. Wir dürfen jedoch nicht vergessen, daß auch wir verhandlungsfähig sein müssen und es nur sind, wenn wir etwas zu bieten haben. Schon heute sind unsere stärksten Positionen unsere Arbeiter, Kolonisten, Lehrer und Techniker, die Häuser, die wir erbaut, die Schulen und Straßen, die wir errichtet, die Gewerbe, die wir zu begründen begonnen haben. Kolonien und Lehrfarmen, Gärten und Felder, Bewässerung und Elektrisierung, Sanierung, Banken, Arbeitskräfte und Waren nutzen dem Lande als Ganzem, kommen jedem Juden und jedem Araber unmittelbar zugute. Gegen körperliche Angriffe aber müssen wir uns wehren. Grundsätzliches Dulden ist ebenso verderblich wie prinzipielles Auftrumpfen. Die Frage der Legion ist eine praktische, keine theoretische. Vielleicht ist eine Miliz, eine gut ausgebildete Gendarmerie, die bloße Bewaffnung des Jischuw geeigneter, weniger verstimmend, leichter durchzusetzen. Vielleicht hat eine dem britischen Heereskörper eingefügte Truppe die besonderen Vorteile, che Jabotinsky immer wieder hervorhebt. Darüber mögen Sach versündige, möge der bedrohte Jischuw selbst entscheiden. Klar allein ist, daß wir die Möglichkeit wirksamer Gegenwehr haben müssen. Hier hat das Nötige unter Vermeidung jener Provokation der nicht jüdischen Bevölkerung zu geschehen. Theoretiker in Europa mögen einen Verzicht darauf für denkbar halten; die Palästinenser scheinen anderer Meinung zu sein. — Sie haben Recht. — Vielleicht darf man von Männern verlangen, daß sie einer Idee zuliebe sich hinschlachten lassen; man kann nicht von ihnen fordern, daß sie Zusehen, wie ihre Frauen und Kinder getötet werden. — Übrigens scheint ein noch so erhabenes Dulden unerträglich für eine tätige Gemeinschaft zu sein. — Trumpeldor und die Seinen haben ein Beispiel gegeben, das nicht vergessen werden kann. Alles in allem: wir haben weder Grund zur Verzweiflung, noch zu lauten Worten, wir stellen fest, daß es in Palästina Nationalitätenkämpfe gibt, wie anderswo auch, und daß wir dafür gerüstet sein müssen. — Es ist merkwürdig, daß die Panikstimmung, die sich auf die Nachricht von Unruhen in Palästina immer wieder geltend macht, am wenigsten Boden bei uns Zionisten findet, die doch schließlich die Meistbetroffenen sind. Sonderbar, daß stets diejenigen, die sonst weder eine Mark, noch eine halbe Stunde für Palästina übrig haben, stets mit Bedauern auf das traurige Ende unserer Palästinahoffnungen und Aufbaumöglichkeiten hiinweisen. — Freilich wäre es wirksamer, wenn dies Bedauern so echt wäre, daß es sich mit einer gewissen Schadenfreude nicht gar so leicht verwechseln ließe. Wir Zionisten, die für Palästina arbeiten, der Jischuw, der in Palästina arbeitet, verzweifeln nicht. Unsere Menschen in Erez Jsrael erinnern sich der ersten Geülah. Da standen die Bauleute auf den Zinnen Jerusalems, in der einen Hand die Kelle, in der anderen das Schwert. G—. Araber- oder Judenfrage in Palästina? Aus „Jüdische Politik“, Schriftenreihe der Freien zionistischen Blätter von Jakob Klatzkin Araberfrage — ist dieser Name nicht irreführend? Bedeutet nicht schon diese Formulierung eine Verkennung des Problems, eine Verschiebung der Problemstellung? Alle Völker und Länder haben ihre Judenfragen — und das jüdische Volk hat in seinem Lande, in Erez Jsrael, eine Araberfrage. So will es scheinen. Und wir könnten beinahe froh sein, daß wir, Territorialvölkern gleichgestellt, in einem einzigen Lande nicht Objekt, sondern Subjekt, gleichsam Besitzer einer Frage sind... Liegt hier nicht lediglich eine Narhensverwechslung vor? und ist sie nicht die Verschleierung einer anderen Frage? Sollte mau nicht ehrlicherweise von einer Judenfrage in Palästina sprechen? Indes ist diese Formulierung weder gewollte Irreführung noch sinnlose Selbsttäuschung. Vielmehr verrät sie in ihr ein Grundzug unseres nationalen Ethos. In der jüdischen Volkspsyche ist Palästina als ihr Heim, als Vaterland und nicht nur als Land der Väter, so tief verwurzelt, daß in ihr der Gedanke einer Judenfrage in Erez Jsrael

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