Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 46 (18.11.1921)
- Date
- 1921-11-18
- Page
- Seite 582 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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582 Das Jüdische Echo Nr. 46 handelt? Enthielt nicht das Buch Theodor Herzls vom Judenstaat in seiner Auflage von 1918 ein Vorwort Otto Warbnrgs, das in späteren Auflagen — hin, hm! — fehlt! Daß spätere Auflagen nicht erschienen, was das Vorwort enthielt, sagt der Herr General nicht! Hat nicht der Delegiertentag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland im Jahre 1921 den Beschluß gefaßt, daß „der Sitz der Exekutive entsprechend den gegenwärtigen politischen, organisatorischen und finanziellen Ergebnissen London sein solle?“ Gab es nicht Juden in Deutschland, die sich der Baflourdeklaration schon während des Krieges freuten? Und beweisen nicht Aussprüche Lloyd Georges, Balfours, vor allem aber die, zwar von gegnerischer Seite angezweifeiten „Weisen von Zion“, daß.... Kurz und gut: Verrat, finsterer, tückischer Verrat! Aber nirgends, nein nirgends ein Wort klaren Beweises für unerhörte Vorwürfe! Sätze aus dem Zusammenhang gerissen, Bemerkungen, entstellt, und verdächtig gemacht — aber nie Tatsachen, nie auch nur der Versuch einer Nachprüfung! Kein Wort davon, daß die zionistische Organisation während des Krieges eine Politik völliger Öffentlichkeit, absoluter Loyalität der Neutralität nach allen Seiten führte. Die Zionisten bluteten in den Heeren ihrer Staaten; die Leiter der Bewegung verhandelten mit den Leitern ihrer Länder um ein, nur ein Kriegsziel, das wir den Zufälligkeiten des Krieges und Sieges zu entziehen trachteten, um die jüdische Heimstätte in Palästina, di'e unser Volk brauchte, um nicht vollends unterzugehen. Das mußten Sie wissen und sagen, Herr General, Sie wissen, daß deutsche Staatsmänner unser Verhalten billigten und wir erinnern Sie an die Erklärung des deutschen Unterstaatssekretärs von der Bussche—Haddenhausen für die jüdische Heimstätte. Sie mußten wissen, daß im Kriege und nach dem Kriege ein deutsches Pro Palästina- Komitee bestand, dem Politiker von Westarp bis Ledebour angehörten, und das noch 1919 für unser einziges Kriegsziel ein trat.... Sie wollen das alles nicht wissen, Herr General. Die Juden haben Sie um den sicheren Sieg gebracht. Die Juden haben die Niederlage verschuldet, nicht Sie. Ein Held sind Sie, ein Siegfried, den tückische Hinterlist fällte. Und der, Unglück und Schande überwindend, das verratene Volk allein wieder zu Freiheit und Glück zurückführen kann. Sie wollen herrschen. Was kommt es Ihnen, um dies Ziel zu erreichen, auf Glück, Ehre, Leben von ein paar hunderttausend Menschen an? Sie wußten doch wohl auch von den Armeniermetzeleien? Sie gaben doch wohl Ihre Zustimmung zur Fahrt Lenins nach Rußland? Sie wollen herrschen. Was stört Sie eine Lüge mehr oder minder? Wir haben Ihre Bulletins, die den Geist des Volkes betören sollten und ihn schließlich zersetzten, noch nicht vergessen! — Wären wir die Raubtiere, als die Sie uns schildern, hätten wir nur einen Teil der Macht, die Sie Mode ff. Herrenschneiderei Reiche Stoff-Auswahl Ermäßigte Preise ».Brauns Cie., HüDcben Mduhaut&ratr. 15/1, gegen- Ofcor der alten Akadsmla Sport uns andichten, auch nur ein wenig des Willens, zur Macht — Sie und Ihre Freunde vom Miesbacher Anzeigen und Völkischen Beobachter. Ihre ganze Lumpengarde dürfte so nicht sprechen! Und nicht verfaulten diie Leichen Hunderttausender von Juden auf dem blutigen Boden der Ukraine. Wir wollen nicht herrschen. Wir wollen in Frieden unser Land erbauen, nicht zuletzt als Zufluchtsstätte vor Ihnen und Ihresgleichen. — Nur Sie wollen herrschen, einst über die Welt, jetzt über das arme deutsche Volk, dessen Verzweiflung Ihnen für Ihre Agitation gerade recht ist. Wir wissen nicht welche Regierungsform der Augenblick erfordert, Monarchie oder Republik, Demokratie oder Diktatur. Aber Diktatoren müssen, soll nicht ewiger Fluch sie treffen, Männer reinen Wüllens, heldenhafter Größe sein. Sie aber lügen, Herr General. Beweisen Sie Ihre Behauptungen oder wundern Sie sich nicht, wenn man Sie, aller Soldatenehre bar, für einen Verbrecher hält, der mit eigener Schuld Unschuldige belastet. Karl Glaser Der Zionistenfag In München Die Versammlung Die öffentliche Tagung am Abend des 5. November war sehr gut besucht. — R.-A. Dr. Straus, Vorsitzender der zionistischen Ortsgruppe München, begrüßte die Erschienenen, vor allem den Vorsitzenden der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, R.-A. Rosenblüth-Berlin, und den Vorsitzenden des Gruppenverbandes, Dr. Meinhold Nußbaum- Nürnberg, gab bekannt, daß die israelitische Kultusgemeinde München den Verhandlungen guten Erfolg wünsche und erteilte nach einigen Worten des Herrn Dr. Nußbaum Herrn R.-A. Rosenblüth das Wort zu seinem Referat: „Der Aufbau Palästinas und das Weltjudentum.“ Ausgehend von den großen politischen Erfolgen des Zionimus gab der Redner eine Darstellung der gegenwärtigen Lage der Bewegung. Die Zustände in Palästina seien unbefriedigend. Gelänge es, stabile Verhältnisse zu schaffen, so würde auch das Araberproblem viel von seiner Gefährlichkeit verlieren. — Auf neue San Remos dürfe man nicht hoffen. Nicht durch Hilfe von außen, nur durch unsere Kraft könne Palästina aufgebaut werden. Der Kongreß habe ein Budget aufgestellt, dessen Durchführung gesichert werden müsse. An der Aufbringung der Mittel hätten sich alle Juden zu beteiligen. Die Unterstützung des Keren Hajessod liege nicht nur in zionistischem Interesse. Wie solle man die Aufnahme ostjüdischer Massen in irgendein Land verlangen, wenn man diese Gelegenheit zur Kolonisation vorüber lasse? — Amgabe der Zionisten sei es, in der Hingabe von Mitteln vorbildlich zu sein und die Jugend zu stellen, die Palästina durch ihre Arbeit aufbauen werde. (Lebhafter Beifall.) Nach einer mit starkem Beifall aufgenommenen Rede des Sekretärs des Gruppenverbandes, Herrn Redakteur Glaser, schloß die Versammlung, die der zionistischen Ortsgruppe einige neue Mitglieder zu geführt hatte. Die Verhandlungen Am Sonntag, den 6. November, vormitt 10 Uhr eröffnete der Vorsitzende des Gruppenverbandes, Herr Dr. Nußbaum-Nürnberg, die eigentlichen Verhandlungen. Aus München, Nürnberg, Bamberg, Würzburg, Regensburg, Buchau, Floß, Fischach und Augsburg waren Delegierte erschienen. Der Zuhörerraum war während des ganzen Tages