Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 46 (18.11.1921)
- Date
- 1921-11-18
- Page
- Seite 581 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo ^——■ Kammer 46_18. November 1921 8. Jahrgang Ludendorff Motto : Leben bleiben sowie sterben Für das Vaterland ist süß Calumniare audacter.... Der Jude Saul sah den Phihsterkriieg verloren; da stürzte er sich ins Schwert. Der Semit Hannibal nahm Gift, als er nach einem Kampf ohne Gleichen nichts mehr für sein sterbendes Vaterland tun konnte, das ihn von Anfang an verraten hatte. Der Römer Brutus tötete sich, um das Ende der Freiheit nicht erleben zu müssen, für die er siieglos gekämpft, und der Preuße Friedrich war entschlossen, eher ins Grab zu steigen, als den Untergang seines Staates mit zu ertragen. Ludendorff, dem das deutsche Volk Vertrauen ohne Gleichen, das Leben seiner Väter und Söhne, die Gesundheit seiner Frauen und Kinder, Gut und Blut bis zum letzten anvertraut hatte, damit er es rette — Ludendorff floh nach unerhörter Niederlage nach Schweden, um sein Leben in Sicherheit zu bringen. Ludendorff schreibt mit emsigem Fleiß Bücher und freut sich der Scheine, die ihr Erlös ihm bringt. Ludendorff füllt Seite auf Seite, um zu beweisen, daß er schuldlos, die Gemeinheit des Feindes, die Unfähigkeit deutscher Staatsmänner und Generale, die Unzulänglichkeit des deutschen Volkes, der Verrat der Sozialisten, die Machtgier des Jüdischen Volkes schuldig an allem Unheil seien. Ludendorff ist vielleicht ein genialer Taktiker; er ist nicht von dem Holz, aus dem das Schicksal Helden schnitzt. Er ist ein kleiner Mensch — aber wer hat ein Recht, Größe zu fordern? Immerhin gibt es eine notwendige Bescheidenheit des Mißerfolgs, eine natürliche Zurückhaltung nach der verschuldeten oder unverschuldeten Niederlage, die uns selbstverständlich erscheint. Barbarische Völker töteten ihre glücklosen Generale; Römerstolz dankte selbst ihnen für Pflichterfüllung. Aber wir haben nicht gehört, daß der Konsul Varro nach dem Zusammenbruch von Cannae für sich oder seine Partei die Führung des Staates beansprucht habe. — Gesunde Nationen bestrafen nicht dem Mißerfolg aber sie erwarten, daß der Verantwortliche selbst seine Konsequenzen zieht. Ludendorff hat das nicht begriffen. Der Entmachtete kann die Tage seiner Allmacht nicht vergessen. Er will herrschen, wieder herrschen. Deshalb flicht er sich selbst auf tausend Seiten Lorbeerkränze, rühmt er in hundert Kapiteln sein Tun und seine Voraussicht, beschwichtigt er sein eigenes Gewissen durch spitzfindige Vermin ftgründe, Schmähungen und Anklagen gegen andere, immer gegen andere. Und doch hielt er den Feldherrnstab in Händen; hatte er die ganze Macht. Erlahmte das Volk er mußte es emporrütteln. Gab es Verrat — er mußte ihn entdecken, unterdrücken. Versagte das Heer — er mußte die Moral der Truppen heben, die Mannschaft zu Hingabe und Sieg fortreißen! Was er auch sagen mag — alles klagt ihn an, nur ihn. Er hatte die Macht! Er trug die Verantwortung! Das mag er spüren. So bedarf er einer dämonischen Gewalt, einer Kraft, die über Menschenstärke geht, sozusagen einer „force majeure“, um der Anklage, die ihn ewig verfolgen mag, wenigstens vor der Außenwelt ledig zu werden. Er fand sie in den Juden.— Die Masse versteht das uralte Volk aus dem Osten nicht, das mitten unter ihr lebt; sie mißtraut. seiner Geschichte, seinen merkwürdigen Überlieferungen und religiösen Gebräuchen, seinen alten Büchern in unheimlicher Schrift, seinen seltsamen Zusammenhängen, seiner trotz allem unlösbaren Gemeinsamkeit. Die Masse beargwöhnt die Juden, schreibt ihnen gern die Schuld an allem Bösen zu, fürchtet sie und ist leicht geneigt, sie zu hassen und aus Furcht niiederzuschlagen, wie man ehedem „Hexen“ tötete und unbequeme Geister als Zauberer verbrannte. — Der Jude ist für die Halbgebildeten, die Ungebildeten und Unglücklichen eine Art böses Prinzip, der leibhaftige Satan; sie glauben seinen dunklen Machenschaften, da sie Erklärung für ilhire Not suchen, ihre trostlose Lage zu verdanken und spüren in dieser Überzeugung zugleich Gruseln und Erleichterung. Diese Stimmung ilst von je von Reaktionären und Antisemiten für ihre Pläne ausgenutzt worden. Es war ja so bequem, politische Gegner als Werkzeuge geheimnisvoller jüdischer Macht hinzustellen und sie so unheilbar zu schädigen. Nach so uraltem Rezept verfuhr Ludendorff in seinem neuen Buch „Politik und Kriegführung“. Und wie geschickt versteht er sein Gift zu verspritzen. Lauter kleine Andeutungen, gelegentlich Fälschungen — so zitiert er aus einem Buch des Sanitätsrates Maretzki-Berlin über den Orden Bnei Bris in Deutschland eine Stelle, in der über die Wirksamkeit der Logen gesprochen wird, bewußt falsch. Aus „fruchtbarer Energie“ macht er „furchtbare Energie“ — furchtbare Energie der U. 0. B. B. Man denke! — Eine Kleinigkeit, nicht wahr? Aber unser Mann wußte gut, was er damit bezweckte. Nie läßt er sich dazu herbei, Beweise für seine Verdächtigungen zu erbringen. Er erhebt lediglich Anklage; Das jüdische Volk, an seiner Spitze die Logen, die zionistische Organisation und eine geheimnisvolle Oberleitung, über deren Art und Zusammensetzung Ludendoni nichts zu wissen erklärt, zu deren Kennzeichnung eir aber die bekannten Worte Rathenaus von den dreihundert Männern, die das wirtschaftliche Geschick des Kontinents leiten, zitiert — habe die Niederlage Deutschlands gebraucht, „um den Juden in Palästina ein Staatsgebiet und Anerkennung als Volk zu erwerben und ihnen in Europa und Amerika eine überstaatliche und überkapitalistische Herrschaft zu verschaffen.“ Und Teile dieses jüdischen Volkes standen innerhalb Deutschlands Grenzen ... Den Spießer gruselts und geheimnisvolle Andeutungen sollen ihn noch ängstlicher, in seiner Angst noch zorniger auf diese Träger ungreifbaren Verrates machen. — Hat nicht der in Deutschland lebende Professor Weitzmann — nie hatte er seinen. Wohnsitz in Deutschland! — schon 190f» mit Balfour und England wegen Palästinas vor-