Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 8 (1921)
- Issue
- 44 (4.11.1921)
- Date
- 1921-11-04
- Page
- Seite 562 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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562 Das Jüdische Echo Nr. 44 zeigt sich eine Bewegung unter den eingewanderten Juden Südafrikas, welche eine Abwanderung aus den Städten auf das Land und eine starke Neigung für landwirtschaftliche Betätigung hervorgerufen hat. Im Verlaufe weniger Jahre schon haben diiese jungen jüdischen Landwirte eine ganze Umwälzung itm landwirtschaftlichen Betrieb herbeigeführt. Ihre moderne Art, den Boden zu kultivieren, hat auch auf die Buren eingewirkt; denn die Juden haben ihnen bewiesen, daß unter ihrer Verwaltung selbst diejenigen Bodenflächen, welche die Buren bei größer Kraftanstrengung nicht produktiv zu gestalten vermochten, fruchtbar gemacht werden konnten. Einer der bedeutendsten und erfolgreichsten jüdischen Landwirtpioniere in Südafrika ist der aus Rußland eingewanderte Jude Kafinowitsch. Vor einigen Monaten besuchte der südafrikanische Ackerbauminister auf einer Inspektionsreise auch die Wirtschaft dieses Mannes. Und als er deren außerordentliche Erfolge sah, berief er sämtliche Burenfarmer des Distriktes auf das Gut und hielt an sie eine Ansprache, in welcher er die Arbeit des jüdischen Kolonisten als Beispiel empfahl. Bemerkenswert ist hierbei, daß die Besitzung des ' erfolgreichen Landwirts fast ausschließlich aus solchem Boden bestand, den die früheren Eigentümer als unbrauchbar für die Urbarmachung brachliegen ließen. Ein anderer Jude gilt als Kartoffelkönig, weil er dieses wertvolle Volksnahrungsmittel besonders produktiv und intensiv kultiviert und seinen Nachbarn in dieser Beziehung wertvolle Anregungen gab. Es bilden sich in Südafrika schon jüdische Farmerverbände, die sich zu einer Gemeinde vereinigen und alle Einrichtungen für ein jüdisches Gemeindeleben einführen. Gewiß hat es auch hier manchen mutlosen und wenig ausdauernden Juden gegeben, der nach mißlungenen Versuchen nacii Johannesburg zurückgewandert ist; aber die überwiegende Mehrheit hat der Stadt endgültig den Rücken gekehrt. Auch die Frauen der jüdischen Farmer haben sich, obwohl sie vorher mit dem städtischen Leben eng verbunden waren, in die Landwirtschaft eingelebt und unterstützen jetzt ihre Männer mit allen Kräften. (Ziko.) üus der Jüdischen Welt Palästina Eine neue Brücke über den Jordan. Beim Austritt des Jordans aus dem Kinerethsee soll in nächster Zeit eine neue Brücke gebaut werden. Die Vorarbeiten sind 80 jüdischen Arbeitern des Kinereth-Lagers übertragen worden. (Ziko.) Auswanderung nach Palästina über Konstantinopel. Im Monat September haben sich allein über Konstantinopel 400 Auswanderer nach Palästina begeben. Unter diesen befand sich eine große in Kischiinew begründete Kooperative, die mehrere genossenschaftlich organisierte Gruppen aus verschiedenen Städten Rumäniens umfaßte. In den letzten Tagen passierte die erste Gruppe der aus 250 Familien bestehenden „Berschad“- Gesellschaft Konstantinopel, um, von dort ebenfalls nach Palästina weiterzureisen. Unter den Mitgliedern dieser Familien sind! die verschiedensten Berufe vertreten. Das eingezahlte Kapital dieser ersten Gruppe beträgt 30 000 £. Jede Familie zahlte einen Mitgliedsbeitrag von 50 £ ein; das übrige Kapital wurde zur Verfügung der Gesellschaft bei einer Bank deponiert. Landwirtschaftliche Geräte im Werte von zirka 1 Million Mark liegen in Hamburg zur Verschickung bereit, während gleichzeitig ein Rindertransport aus Rumänien nach Palästina abgeht. Der Jüdische Nationalfonds überläßt den Familien in der Ebene Jesreel den erforderlichen Boden. (Ziko.) Eine kanadische Häuserbank für Palästina, Nach einer Meldung des „Canadian Eaglay“ hat die kanadische Judenschaft die Eröffnung einer Bank in Palästina mit einem Grundkapital von 1 Million £ zum Zwecke der Unterstützung der Bauindustrie beschlossen. (Ziko.) literarisches Echo Einführung in den Zionismus. Von Dr. Abraham Schlesinger. VIII u. 168 Seiten. J. Kauffmann, Verlag, Frankfurt a. M. 1921. Mk. 25.—.*) Der Karlsbader Kongreß, der erste nach der durch den Weltkrieg erzwungenen Pause, zeigte dem Fernerstehenden schon rein äußerlich das Spiegelbild der inneren Entwicklung der zionistischen Bewegung. Die Fraktionen haben dieser Versammlung ihren Stempel aufgedrückt. An Stelle der Landsmannschaften, die nuf mehr eine formale Rolle spielten, sind die inneren Gruppierungen getreten. So hat die Entwicklung, die schon vor dem Kriege einsetzte, gesiegt; die Organisation, die stets das Bild des jüdischen Volkes „unterwegs“ darzustellen bestrebt war, besitzt die Stärke dieser großen Einheit, auch seine Parteiungen aufzu weisen. Diese Entwicklung der Allgemeinheit zu zeichnen, ist Ziel einer handlidhen Schrift, die zu rech- *) Zu haben in München in der „Ewer“-Buchhandlung, Wagmüllerstr. 19. PORZELLAN-NIEDEBLACIE d MÜNCHEN THEATINERSTRASSE 23 gegenüber der Feldherrnhalle «RÖSSTR AUSWAHL IN «EBBAUCHSPOBZELLAS TÄTLICHE LAfiEBEBSÄKZUSO