Urwähler-Zeitung
- Journal
- Urwähler-Zeitung
- Volume
- 2 (1850)
- Issue
- 51 (1.3.1850)
- Date
- 1850-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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(Zweiter Haupt-Expedition: Spandauerstraße Nr. 76. Jahrgang.) Organ für Jedermann «ns dem Wolke. Erscheint täglich, mit Ausnahme der Tage nach den Sonn- und Festtagen. Preis pro Woche I Sgr. s Pf. Inserate pro Petitjeile 2 Sgr» Diejenigen geehrten Abonnenten hier, Welche die Urwähler-Zeitung frühMorgens Pünktlich zu erhalten wünschen, zahlen wöchentlich »Pf. Botenlohn. Auswärtige wenden sich an die ihnen zunächst belegenen K. Postämter und zahlen (incl. des Postausschlags) vierteljährlich 20 Sgr. /N. 51. Berlin, Freitag, den 1. März 1850» V Die März-NevolutLorr und ihre Lehre. / „Weshalb war die That der Gewalt im Marz so schwach, daß im November die Revolution wieder vom k Absolutismus eingefangen werden konnte?" i Diese Frage, die einzigen Zeilen ans einem gro- E ßen Angriffs-Artikel der gestrigen Abend-Post, die für uns verständlich genug sind, wollen wir für heute beantworten, um für die Zukunst eine Lehre daraus zu gewinnen. Die März-Revolution ging im November verloren, weil das Volk erst Lm November den März verstehen lernte. Die März Revolution hatte den alten Absolutismus vernichtet, aber keinen neuen Zustand der Dinge ausgerichtet. Die schwachen Ministerien bildeten sich ein, durch gütliche Vereinbarung mit der alten Zeit die neue schaffen zu können. Die Majorität der Volks» Vertretung war schwach genug, monatelang an diesen Traum zu glauben; und das Volk war thöricht genug, seiner Gewalt zu vertrauen und zu wähnen, mit den Bürgerwehrwaffen auch die Garantie seines Rechtes in Händen zu haben. Woher aber diese Unsicherheit und Täuschung in Ministerien, Volksvertretung und Volk? Daher, weil die Demokratie völlig unvorbereitet war Noch zwei Tage vor dem glorreichen!8. März forderten selbst die entschiedensten Stimmen nichts als die schleunige Einberufung des vereinigten Land» tages, und schon zwei Tage nach dem 18. März wußte mau. daß eine solche Vertretung keine wahre sei. Mau war mit einem Schlage aus der künstlichen Vertretung nach Ständen aus die naturgemäße Vertretung nach Seelen gekommen. Daß aber ein solcher naturgemäßer Zustand eine sofortige Umwandlung aller bisherigen künstlichen Staatsverhältnisse in naturgemäße erfordern, daß selbst die schönste Verfassung ohne gleichzeitige Umgestaltung aller organischen Gesetze nur ein leeres Blatt sei, das ahnten zwar Viele, sprachen zwar Einige aus; aber im Allgemeinen war es dem Volke unbekannt. Diese große Täuschung war es, die das Volk durch den ganzen Sommer des Jahres 1848 befangen hielt» Es spaltete sich selber, erging sich in Demonstrationen und leeren socialistischen Projecten und übersah, daß inzwischen die Reaction ihre ganze'Kraft wieder sammelte/ um den Streich gegen die März-Revolution mit Erfolg zu führen. Erst nach dem November lernte das Volk seine Fehler kennen. Alle vereinzelten Parteien derjenigen^ die die März - Errungenschaften zur Wahrheit machen wollten, schloffen sich aneinander und es entstand jene große Volksparrei, welche, so lange sie geschlossen bleibt und sich fern hält von phantastischen Projecten für die Zukunft, jelbst einem zehnmal stärkeren Reactioussystens als dem jetzigen gegenüber, unüberwindlich, ewig unüber«. windlich sein wird. Sehen wir uns den jetzigen Zustand der Dinge an^ so werden nur Schwachköpft von einer Hoffnungslosigkeit der Volkspartei sprechen. Das System der jetzigen Regierung ist unhaltbar. Sie kann auf dem halben Wege, den sie jetzt iune'hat, nicht stehen bleiben. Eine Regierung, bt? auch nur eine Spur von freier Prcffe läßt, kanu sich auf ihr Beamtenthum allein unmöglich stützen. Sie muß zur entsittlichenden Corruption greifen, zu. dem System Louis Philipps, der durch Bestechung der öffentlichen Meinung im großartigsten Maßstabe acht-, zehn Jahre lang regierte, um am Ende mit Schimpf und Schande, von keiner einzigen Stimme bedauert und betrauert, aus dem Lande zu fliehen. Was aber dem genialen Groschen-König Louis Philipp achtzehu Jahre lang gelungen ist, ist jetzt schon so durchsichtig und offenkundig, daß es nicht achtzehn Monate lang