Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Journal
- Bericht der Exekutive der Zionistischen Organisation an den ... Zionistenkongress
- Volume
- XVII (1931)
- Date
- 1931-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 171)
- Language
- German
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Zerstörung des nationalen Geistes anlangt, so ist es kaum möglich zu schildern, mit welchen Riesenschritten die Assimilation von den jüdischen Massen, die furchtbar um ihr tägliches Brot zu kämpfen haben, Besitz ergreift. So herrscht unter den russischen Juden eine starke Tendenz zur Auswanderung in andere Länder, darunter auch nach Palästina; trotz der vielen in der Sowjetpresse erscheinenden feindseligen Artikel, trotz der Unruhen in Palästina bleibt die Treue zum Zionismus unerschütterlich. Die Tätigkeit der Hitachduth richtet sich hauptsächlich auf die Verbreitung zuverlässiger Informationen über Palästina sowie darauf, den Falschmeldungen der Sowjetpresse entgegenzutreten. Trotz der mit nichtautorisierten Veröffentlichungen verbundenen großen Gefahren versucht die Hitachduth immer wieder, Broschüren unter Anhängern und Freunden zu verbreiten. In Odessa wurde eines ihrer Mitglieder, das eine solche Druckschrift über die Lage in Palästina verbreitete, verhaftet. Zur Kennzeichnung der Situation möge der folgende Zwischenfall dienen: Im Markthändler-Verein hielt ein Kommunist einen Vortrag über die jüdische Kolonisation in Rußland. In seiner Rede kam er auch auf die jüdische Kolonisation in Palästina zu sprechen und sagte: „Es ist mir bekannt, daß sich in diesem Räume Zionisten befinden. Wenn sie können, mögen sie meine Darstellung widerlegen. Wir garantieren dafür, daß ihnen nichts geschehen wird." Daraufhin meldete sich ein Zuhörer, trat den falschen Darlegungen des Redners entgegen und kritisierte das System der russischen Kolonisation. Die Hitachduth gibt ein Bulletin mit Nachrichten über den Zionismus und Palästina heraus; ferner werden Schriften über verschiedene zionistische Fragen veröffentlicht. Innerhalb des sogenannten „illegalen Hechaluz" haben sich mancherlei Veränderungen vollzogen. Nach der Auflösung der Hechaluz-Siedlung „Mischmar" in der Krim im Mai 1929 wandten sich deren Mitglieder der Ausbildung im Baufach und den technischen Berufen zu. Ein schwieriges Problem bildet die Auswanderung nach Palästina, Hunderte junger Menschen sind willens, nach Palästina zu gehen; jedoch wird denjenigen, die das Land zu verlassen wünschen, von den Sowjet- Behörden jedes erdenkliche Hindernis entgegengestellt. Kein Gesuch um Ausstellung eines Auslandspasses wird berücksichtigt, falls ihm nicht eine Fahrkarte für die Reise, die £ 16 kostet, beigefügt ist. Aber auch dann vergehen viele Monate, ehe der Paß ausgestellt wird. In den Jahren 1929 und 1930 konnten nur wenige die Abreise nach Palästina bewerkstelligen; die übrigen gehen infolge der erbarmungslosen Verfolgungen allmählich zugrunde. Die Zustände in den Verbannungsorten verschlechtern sich ständig. Diese Orte bekommen die geringste Erschütterung des politischen und wirtschaftlichen Lebens sofort zù spüren. Viele Angehörige des Hechaluz sind schon durch alle Stadien der Verbannung hindurchgegangen, und noch scheint das Ende ihrer Leiden nicht gekommen zu sein. Einige von ihnen, die drei Jahre in „Politisolatoren" zugebracht haben, sind noch immer nicht freigelassen. 167