Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 20 (1933)
- Issue
- 9 (3.3.1933)
- Date
- 1933-03-03
- Page
- Seite 70 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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70 Das Jüdische Echo Nr. 9 Lande 2. Klasse Schiff hin und zurück, sowieinkl. Logis, Verpflegung und sämtlicher Besichtigungen, ist RM. 580.—. 3. Klasse Schiff RM. ö25.—. Ein mit der Cosulich Line getroffenes Arrangement ermöglicht es uns. auch nur die reine Schiffsreise hin und zurück anzubieten, falls sich Interessenten an der Gesellschaftsreise im Lande nicht beteiligen wollen. Der Preis für die reine Schiffsreise hin und zurück exkl. Hafengebühr beträgt für 2. Klasse RM. 335.—. für 3. Klasse RM. 253.—. Prospekte sind erhältlich beim Präsidium des K.J.V.Berlin-Charlottenburg 2. Bleihtreustr. 50. Meldeschluß für die Reise 3. März. Jüdischer Nationalionds München Der Verein Bikur Cliolim grat. Farn. Schenirer herzlich zur Verlobung ihres Sohnes 1.—. Familie A. Gidalewitsch und S. Gidalewitsch u. Frau grat. Farn. Neumann herzlich zur Verlobung ihrer Tochter 1.—. Einzelne Büchsen: Kirschbaum 11.—, Büchse an einem OG.-Abend 3.50 — 14.50. I tn i t a s c h e n : Der „Zist“ 5.72. Material: Arnold Grünbaum 1 Serie Liederkarten —.50. Gesprochene Zeitung in Augsburg Auf Einladung der zionistischen Ortsgruppe führte die Verbindung jüdischer Studenten Jordania, München, unter Leitung von Isrnaz Gidalewitsch am 13. Februar 1933 in Augsburg eine „Gesprochene Zeitung“ auf. Ein zahlreiches Publikum verfolgte mit Interesse das abwechslungsreiche Programm. Das erste Hauptreferat behandelte die politische Lage der deutschen Juden. Die eingehenden und überlegten Ausführungen gipfelten in der Forderung des Zusammenschlusses aller deutschen Juden zur Selbsthilfe und zur iüdischen Leistung. Es folgten kurze Nachrichten aus der jüdischen Welt und aus Palästina. Darauf ein nackender Hymnus auf das Leben in Palästina von dem Franzosen Londres und zum Schluß des ersten Teiles das Col Nidre von Bruch. Der zweite Leitartikel legte dar. wie aus einer inneren geistigen Notwendigkeit heute ieder Jude zur zionistischen Konsequenz kommen muß. Wenn dieser Artikel auch einige zu scharfe Formulierungen, die der psychologischen Situation der deutschen Juden nicht in allem gerecht wurden, enthielt, verfehlte er doch nicht seine Wirkung. Es folgten in bunter Folge ein Bericht über den jüdischen Nationalfonds ein hebräisch und deutsch vorgetragenes Gedicht von Bialik und eine Geschichte von Perez. Songs aus dem zionistischen Pronagandastück „Die einzige Lösung“ bildeten den Abschluß der offiziellen Darbietungen, auf die noch ein geselliges Beisammensein mit Tänzen und Liedern folgte. Nürnberg: Bericht: (Vortragszyklus Kurt Blumenteld) Am 4., 6. und 7. Februar sprach der Vorsitzende der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Herr Kurt B 1 u m e n f e I d , Berlin, auf Einladung der Zionistischen Ortsgruppe und des Zionistischen Jugendrings über „Kongreßprobleme“, „Politische und wirtschaftliche Bedingungen für die Verwirklichung des Zionismus“ und „Entscheidung zum Zionismus“ (eine Auseinandersetzung mit den jüdischen Galuthtendenzen). Die Persönlichkeit des Redners und das immer stärker werdende Interesse j1ji am Palästina-Aufbau brachten eine außerordentlich große Besucherzahl zu allen drei Veranstaltungen. Am ersten Abend betonte der Redner, daß die heutige, überaus günstige Wirtschaftslage Palästinas nicht mit der vierten Alija (1925) zu vergleichen ist. Damals baute man hauptsächlich Häuser; heute ist die Basis der Orangenanbau. 1932 wurden über eine Million Orangenkisten mehr als im Vorjahr abgesetzt. Drei Viertel der Ernte geht nach England, 12 Prozent nach Deutschland. Bemerkenswerterweise ist auch Kanada ein guter Abnehmer, da Palästina billiger liefern kann als Kalifornien. Alle Absatzgebiete können noch viel mehr aufnehmen als bisher. Es wird Aufgabe jüdischer Wirtschaftspioniere sein, neue Märkte zu erschließen, in Palästina Landentwicklungsgesellschaften, Hypothekenbanken und Industrien zu schaffen bzw. auszubauen. Heroischer Zionismus ist nötig, Palästinaarbeit soll nicht lediglich aus wirtschaftlichem Interesse geleistet werden. Mit Erörterungen über das Transjordanienproblem (Ankauf von Grund und Boden in Transjordanien), über palästinensische Arbeitsfragen und Organisationsfragen der Zionistischen Weltorganisation schloß der Redner seine mit starkem Beifall aufgenommenen Darlegungen. Ausgehend vom Basler Programm („Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina“), sprach Herr Blumenfeld am zweiten Abend über die politischen und wirtschaftlichen Bedingungen für dessen Verwirklichung. Mit der Balfour-Deklaration erkannte man die Judenheit als politischen Partner an. Die Balfour-Deklaration hat aber nur so viel Wert, als sie ihren Gegenwert in der politischen Wirklichkeit findet. Daher die Forderung: Möglichst viel arbeitsfreudige, brauchbare Juden nach Palästina und möglichst viel Bodenankauf in Palästina! Die ländliche Kolonisation mußte zuerst betrieben werden. Die Gegenden, wo Bauern leben, bleiben volkstreu! „Wer Bauern schafft, schafft Städte“ (Franz Oppenheimer). Palästina ist heute das einzige Land, wo Juden auch ohne Mittel einwandern können. Viele Länder, die noch heute Einwanderer in Massen aufnehmen können, haben ihre Grenzen abgeriegelt. Palästina will neue Menschen, obwohl ein jeder dort weiß, daß jeder Einwanderer für das Land und seine Bewohner eine Neubelastung bedeutet. Die Verwirklichung des Zionismus ist identisch mit der Antwort auf die Frage, ob der Jude das Lebensrecht seiner Gemeinschaft noch begreift, ob der Jude diesem Recht oder besser gesagt, dieser Pflicht noch entspricht. Die Gesamtjudenheit muß wieder zu einem verbindlichen Judentum kommen! Am dritten Abend beleuchtete Herr Blumenfeld zu Beginn seiner Darlegungen die Stellung der Juden zur Frage: Sind die Juden ein Volk? der C.-V. begann mit der Feststellung: Judentum — Konfession. Später einigte man sich auf die Bezeichnung: Jüdische Schicksalsgemeinschaft, man erkannte nach und nach, daß das Judesein auch Elemente in sich schließt, die außerhalb des Willens liegen. „Wir Juden, sagte man, sind von der Umwelt verschieden, aber nur ein wenig; es ist unwahr, daß wir anders sind; wir sind nur ein wenig anders.“ Für die politische Umwelt bedeutet aber die kleinste Differenz einen gewaltigen Unterschied! Den Zionismus bekämpften seine jüdischen Gegner, weil er aus dem Anderssein die Konsequenzen zog. Heute sagen viele „Jüdisches Volk“. Man interessiert sich für das Galuthjudentum: „Palästina steht nicht im Zentrum unseres Lebens, sondern das Judentum in der Galuth.“ Gegen eine solche Einstellung spricht