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Das jüdische Echo · 1933-02-24 · 8 (24.2.1933) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
20 (1933)
Issue
8 (24.2.1933)
Date
1933-02-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Erscheinuneszelt: Jeden Frettac. Bezug : Durch die Postanstalten oder den Verlag, — Bezugspreis1 Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20Rpf. / Verlag, Aaslieferung des „Jüdischen Echos“: München. Pltnganserstraße Nr. 64. N H L T Zionismus in dieser Zeit — Das Zentrum für die Gleichberechtigung der Juden — American Jewish Congress zur Lage in Deutschland — Die Sowjetregierung macht Geschäfte mit Grabsteinen — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Spenden-Ausweis Anzeigen: Die viergespaltene Millimeter-Zelle 20 Rpf. / Famillen- Anzeigen Ermäßigung/Anzeigen- Annahme: Verlag des J I d 1schen Echos. München. Pllnganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 2987 Nr. 8 München, 24. Februar 1933 ^20. Jahrgang Zionismus In dieser Zeit Von Max Jacobsolin, Vorsitzender der Breslauer Zionistischen Vereinigung Im Jahre 1920 lebten in Palästina 65 000 Juden. Heute, 12 Jahre später, ist ihre Zahl auf 200 000, also auf das Dreifache gestiegen. Der Zuwachs beruht zu einem Zehntel auf dem Geburtenüberschuß, zu neun Zehnteln auf der Einwanderung. Die 200 000 Juden Palästinas sprechen im täglichen Umgänge hebräisch; sie sprechen hebräisch im Freundeskreise, in ihren Geschäften, Versammlungen, in Theatern und Volksfesten. Sie haben für 32 000 hebräisch sprechende Schüler ihre Volksschulen, Gymnasien, Realschulen, Lehrerseminare, ein Technikum und eine Universität, die einzige Universität des vorderen Orients. Sie haben zahlreiche hebräische Tageszeitungen, Wochen- und Monatsschriften und ihre eigene hebräische Literatur (die auf bedeutender Höhe steht). Sie bilden einen eigenen Wirtschaftskörper. In ihren landwirtschaftlichen Betrieben haben sie dem Boden ein Vielfaches der Erträge abgerungen, die der Araber aus der gleichen Fläche zieht. Sie haben ihre Produktion und ihren Absatz in vorbildlichen Genossenschaften, ihren Import und Export in großen Gesellschaften organisiert. Sie haben ihre eigenen politischen Körperschaften und Vertretungen und werden nicht nur vom Völkerbunde und von England, sondern von allen Kulturmächten, z. B. auch vom Deutschen Auswärtigen Amt, als ein besonderer politischer Körper anerkannt. Das sind die Tatsachen, die im Verlauf von zwölf Jahren aus Theodor Herzls großartiger „Utopie“ entstanden sind. Wer die Tatsachen kennt, dem erscheint es heute ein wenig lächerlich, daß die Juden in Deutschland noch vor 20 und 15 Jahren versuchten, durch Diskussionen und mit „wissenschaftlichem“ Rüstzeug die Fragen entscheiden zu müssen, ob die Juden eiin Volk, eine Nation und dergleichen sind oder nicht. Denn nicht der wissenschaftlich untersuchte Begriff entscheidet, sondern das Leben, der Wille und die Wirklichkeit. Wie jüdische Wirklichkeit in Palästina lebt und wächst, haben wir schon gesehen. Wie es um ihre Zukunft aussieht, dafür nur ganz kurz folgende Ziffern: Es gibt in Palästina keine Arbeitslosigkeit, wohl aber eine starke Nachfrage nach Arbeitern. Die Palästinaregierung, die übrigens alles tut, um das Land vor Überfüllung und ungesunder Einwanderung zu schützen, hat für das erste Halbjahr des laufenden Jahres 4500 Einwanderungserlaubnisse für unbemittelte Arbeiter erteilt; das bedeutet, daß — nach allen bisherigen Erfahrungen — ungefähr eine drei- bis viermal so große Einwanderung mittelständischer Elemente, sogenannter Kleinkapitalisten, für den gleichen Zeitraum zu erwarten ist. — Wie jüdische Wirklichkeit in den übrigen Ländern der Welt aussieht, das wissen leider nur sehr wenige von uns, weil die meisten die Augen geflissentlich vor den Tatsachen schließen. Wer sehen kann und sehen will, muß sich eingestehen, daß wir vor den Trümmern des geistigen Lebens und der Wirtschaft unserer jüdischen Welt stehen. Zugegeben, daß die Wirtschaftskrise nicht auf die Juden beschränkt ist, sondern daß alle Bewohner Europas und Amerikas von der Krisis geschüttelt sind. Aber wir Juden tragen ™fht nur den natürlichen und selbstverständlichen Anteil an der allgemeinen Wirtschaftsnot, sondern wir sind doppelt geschlagen, weil wir überall in der Wirtschaft an den Stellen stehen, die am meisten verwüstet sind. Der reine Handel, einst die Grundlage einer unverhältnismäßig großen Zahl von jüdischen Existenzen, ist am schwersten erschüttert. An den staatlich protegierten und subventionierten Betrieben der Großindustrie und der Landwirtschaft sind Juden kaum beteiligt. Als Angestellte und Arbeiter finden sie kein Unterkommen, weil sie Juden sind. Das ist in kurzen Worten die Lage, die hier nicht näher geschildert zu werden braucht, weil genug darüber geschrieben worden ist. Nur soll man nicht glauben, daß es sich hier um vorübergehende Erscheinungen handelt, und daß nur die deutschen Juden von ihnen betroffen 'sind. Es ist in allen Ländern Europas und in Amerika genau so — auch in den Ländern, in denen der Antisemitismus noch nicht entfernt den Grad des deutschen Antisemitismus erreicht hat. Die weitere Entwicklung zeigt leider die klare Tendenz der weiteren Ausstoßung jüdischer Existenzen. Es gab auch in früheren Jahrhunderten Zeiten furchtbarer wirtschaftlicher und politischer Krisen für die Juden, und wir haben sie überstanden. Aber wir konnte« sie nur überstellen, weil wir eine innere Kraft besaßen: Die Verbundenheit mit jüdischer Lehre und jüdischem Leben. Diese innere Kraft ist uns abhanden gekommen. Die Verbundenheit mit jüdischer Kultur, mit hebräischer Sprache, mit unserem geistigen Gute, mit dem jüdischen Gesetz ist verloren gegangen. Man tröstet sich damit, daß man hebräisch „beten kann“. Damit meint man, daß man imstande ist, im Gottesdienste mit dem Vorbeter mitzulesen und sich aus der daneben abgedruckten schlechten deutschen Übersetzung über den Inhalt zu unterrichten. Aber man sollte sich einmal klar darüber werden, daß dieses — leider zum Durchschnitt gewordene — Maß hebräi-

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