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Das jüdische Echo · 1933-02-03 · 5 (3.2.1933) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
20 (1933)
Issue
5 (3.2.1933)
Date
1933-02-03
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag — Bezugspreis' Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.-. Einzelnummer 20 Rpf. I Verlag, Auslieferung des ..Jüdischen Echos": München. Piinganserstraße Nr. 64. I N H R LT: Die Hitler-Regierung — Die Juden sind Ausbeuter Hochschulantisemitismus auch in Köln — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Geschäftliches — Spenden-Ausweis Anzeigen: Dl* viergespaltene Millimeter-Zeile 30 Rpf. / Familien Anzeigen Ermäßigung / Anzeigen Annahme: Verlag des J fl d t sehen Echos. München. Plin ganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 3W Nr. 5 München, 3. Februar 1933 20. Jahrgang Die Hitler-Regierung Die Bildung der Regierung Hitler und die Begleitumstände, unter denen sie sich vollzog, die bereits verfügte Auflösung des Reichstages und die sybillinische Ausdeutung aus offiziellen Kreisen, daß Änderungen des Wahlrechtes durch Notverordnung für möglich gehalten werden, wenn sie auch nur in geringfügigem Maße erfolgen sollen, bedeuten zweifellos eine Umwälzung in Deutschland. Ob die Konflikte, die innerhalb des neuen Kabinetts vorhanden sein mögen, und die allerdings angesichts der Machtfülle, die die Deutschnationalen sich Vorbehalten haben, unausbleiblich sein dürften, einen Schluß darauf zulassen, daß auch diese neue Lösung nur ein Zwischenspiel sein wird, muß heute dahingestellt bleiben; es ist zu undurchdringlich, was bekannt wird und die Gerüchte jagen sich. Nur eines scheint klar, daß in Deutschland für absehbare Zeit ausgesprochen antisemitische Regierungen am Ruder sein werden. Offenbar in dem Gefühl zur Feier der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler etwas Besonderes beitragen zu müssen, haben bisher Unbekannte in Nürnberg die Fenster jüdischer Geschäftshäuser eingeschlagen. Es gibt auch andere Ausdruckformen für das gleiche Gefühl, so wenn etwa der Nationalsozialist Hinkler im Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtags sich auf eine Bemerkung des sozialdemokratischen Abgeordneten Rosenfeld erklärt, mit solchen Judenjungen schlage man sich nicht, denen gebe man einen Tritt auf den Hintern. Oder wenn der Rektor der Universität Breslau einen Brief an den Professor Cohn richtet, in dem er 'darlegt, daß der Schutz von dessen Vorlesungen von der Universität nicht gewährleistet werden kann und ihn bittet, diese auszusetzen. Es hätte all dieser und ähnlicher Manifestationen die sich häufen werden, nicht bedurft, um uns deutschen Juden ins Bewußtsein zu bringen, daß der nunmehrige verantwortliche Leiter der deutschen Politik der Führer einer programmatisch antisemitischen Partei ist, mehr noch: der Führer einer Partei, die ihren Aufstieg in erster Linie der von diesem Führer zu einem System ausgebauten skrupellosen antisemitischen Hetze verdankt. Zwar hat dieser ausgesprochene Antisemit vor seinem Amtsantritt den Eid auf die deutsche Reichsverfassung geleistet, in der auch die Gleichberechtigung der deutschen Juden verankert ist, auch ist er nicht der alleinige Hüter der Verfassung und doch wird man kaum annehmen dürfen, daß der Reichskanzler Hitler das Programm vergessen hat, auf das der Agitator Hitler eingeschworen ist. Was nämlich zunächst und theoretisch unvereinbar erscheint, läßt sich gerade in der Staatspraxis unter Umständen gut durchführen; wie dies zu bewerkstelligen ist, haben die Herren Erick, Klagges u. a. zur Genüge gezeigt. ln dieser Situation bleibt den deutschen Juden nur die Möglichkeit, trotz alledem, wo immer und wann immer es sei, den neuen Reichskanzler auf die beschworene Verfassung hinzuweisen und alle Rechte in Anspruch zu nehmen, die sich aus dieser ergeben, sich gegen jede Verengerung ihres Lebensspielraumes aufs Energischste zur Wehr zu setzen. Es wird bei der Verschlungenheit der internationalen Politik auch dem Reichskanzler nicht gleichgültig sein können, welchen Eindruck seine Regierung macht. Die ganze Welt hört und schaut heute auf Deutschland und wird es vielleicht nach dessen Verhalten zur Judenfrage beurteilen, aber auch in Deutschland selbst gibt es Kräfte, denen eine barbarische antisemitische Politik der Verfall Deutschlands als Kulturnation bedeuten würde. Darum ist es allererstes Erfordernis der Situation, daß sich das deutsche Judentum eine Stimme gibt, die Anspruch auf Autorität machen kann und die auch im Ausland gehört wird, wenn sie im Inland spricht. Es kann in diesem Zusammenhang nicht unausgesprochen bleiben, daß es ein Fehler wäre, die Vertretung der deutschen Juden auch weiterhin den Führern zu überlassen, die gerade die im deutschen Nationalismus wirkenden Kräfte immer falsch eingeschätzt haben und den Kampf um die Existenz des deutschen Judentums mit Mitteln führen zu können glaubten, deren Unwirksamkeit sich jetzt erweist und die noch dazu die Eolge gehabt haben, daß der innere Zusammenschluß unter den Juden, die Pflege der jüdischen Eigenart nicht so ausgebaut wurde, wie es möglich gewesen wäre. Es wird daher dem deutschen Judentum heute nichts anderes mehr bleiben, als an die Lösung seiner Existenzfragen nach den Grundsätzen heranzugehen, die Kollenscher erst unlängst liier entwickelt hat (siehe aktive und passive Judenpolitik). Nur die Organisierung nach den Grundsätzen, deren oberste sind: Primat des Judentums, Pflege des jüdischen Geistes und jüdische Selbsthilfe wird uns die Kraft geben, die unsere Väter gehabt haben, auch schwere Zeiten zu überdauern. * * * Berlin, 31. Januar. (JTA.) Während alle anderen Zeitungen bisher die jüdische Frage im Zusammenhang mit der Reichskanzlerschaft Hitlers in ihren Kommentaren nicht berührt haben, schreibt die „Vossische Zeitung“ in ihrer Morgenausgabe vom 31. Januar u. a.: „Dann, und das ist die große Gefahr, die mit dem 30. Januar 1933 in die deutsche Politik getreten ist, dann wird die Versuchung riesengroß werden, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen. Mit dem Widerspruch der Tatsachen kann man durch Gewalt nicht fertig werden, aber den Widerspruch im Volke kann man mit Gewalt zum Schweifen bringen. Die Armut kann man nicht abschaffen, aber die Freiheit kann man abschaffen. Die Not läßt sich nicht verbieten, aber die Presse läßt sich verbieten. Der Hunger läßt sich nicht airsweisen, aber die Juden kann man ausweisen.“

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