Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 20 (1933)
- Issue
- 4 (27.1.1933)
- Date
- 1933-01-27
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Das Jüdische Echo Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug : Durch die Postanstalten oder den Verlag —Bezugspreis- Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20Rpf / Verlag, Anlieferung des ,.Jüdischen Echos“: München, Plinganserstraße Nr. 64. INHALT: Jüdisches Siedlungsland in Transjordanien — Die Palästina-Debatte der Mandatskommission — Schlechtes Gewissen — Das Mittel zur Bekämpfung des Antisemitismus (!) — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Geschäftliches — Spenden-Ausweis Anzeigen: Die viergespalteae Millimeter-Zeile 20 Rpf. / Famllien- Anzelgen Ermäßigung / Anzeigen- Annahme: Verlag des Jüdischen Echos. München. Plinganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 2987 Nr. 4 München, 27. Januar 1933 20. Jahrgang Jüdisches Siedlungsland In Transjordanien Jerusalem, 17. Januar (JTA.) Die arabische Presse Palästinas teilt als eine bereits feststehende Tatsache mit, daß eine jüdische Gesellschaft in Palästina mit dem Emir Abdullah von Transjordanien einen Pachtvertrag abgeschlossen hat. laut dem der Emir aus den in seinem persönlichen Besitz befindlichen Domänen 50 000 Dunam Boden für eine Dauer von 99 Jahren der Gesellschaft in Pacht übergibt. Den gleichen Quellen zufolge hätten einflußreiche arabische Führer Transjordaniens Telegramme an das Kolonialamt in London gesandt, in denen sie die Öffnung der Tore Transjordaniens für jüdische Einwanderung und die Freigabe des Bodenkaufs fordern. Die Zeitungen berichten weiter, daß die Arabische Nationale Partei Palästinas eine Kundgebung nach Jerusalem „zur Abwehr dieser neuen zionistischen Gefahr“ einberufen hat. Jerusalem, 18. Januar (JTA.) In Transjordanien eröffnen sich immer mehr Möglichkeiten für jüdische Siedlung. Wie schon mitgeteilt, hat Emir Abdullah von seinem Domänenbesitz 50 000 Dunam Boden für jüdische Siedlung zur Pacht für eine 99jährige Dauer angeboten. Heute wird mitgeteilt, daß Mitkal Pascha, ein sehr einflußreicher Scheich Transjordaniens, von seinem Bodenbesitz 100 000 Dunam für jüdische Siedlung zum Kauf angeboten hat. Die palästinensisch-arabische Tageszeitung „El Islamia“ erklärt, Mitkal Pascha sei gezwungen einen Teil seines Bodens zu verkaufen um seinen Stamm vor dem Verhungern zu retten, da jetzt in Transjordanien die wirtschaftlichen Verhältnisse katastrophal geworden sind. Die hebräische Arbeiter-Tageszeitung „Dawar“ erfährt, daß Führer transjordanischer Stämme seit einiger Zeit Fühlung mit der Jewish Agency suchen und diese veranlassen wollen, Boden in Transjordanien zu kaufen und auf demselben Juden anzusiedeln. Dabei erklären die arabischen Führer, sie sehen mit Neid auf Palästina, das infolge der jüdischen Aufbauarbeit aufgeblüht ist, während Transjordanien, das sich bis jetzt jüdischer Siedlung verschloß, wirtschaftlich versumpft; die jüdische Kolonisation in Transjordanien würde eine Rettung für das Land bedeuten. Diese arabischen Führer bestürmen den Emir Abdullah fortwährend, die Idee der jüdischen Siedlung in Transjordanien autoritativ zu fördern. Indessen bemühen sich syrische und palästinensische Araberführer und die von ihnen beeinflußten Zeitungen, den Emir Abdullah davon zu überzeugen, daß er im Interesse der arabischen Sache eine jüdische Siedlung nicht unterstützen dürfe. Jerusalem, 19. Januar. (JTA.) Wie arabische Zeitungen behaupten, ist in dem Entwurf des Abkommens zwischen dem Emir Abdullah von Transjordanien und einer jüdischen Gesellschaft betreffend Pacht von 70 000 Dunam Boden am Ostufer des Jordan vorgesehen, daß etwa 3000 Juden auf dem gepachteten Boden Beschäftigung finden; ein zionistischer Führer aus Amerika wird die Kolonisationsarbeit in Transjordanien leiten. Die Leitung der extremistischen arabischen Partei „Istiqulal“ (Unabhängige) hat nach einer sechsstündigen stürmisch verlaufenen Sitzung beschlossen, den Emir Abdullah durch eine Abordnung ersuchen zu lassen, einen Verkauf von Boden in Transjordanien an die Juden nicht zuzulassen, da dies den größten Schlag für die Araber Palästinas bedeuten würde. Aus verschiedenen Teilen Palästinas werden an den Emir Abdullah telegraphische Ersuchen gerichtet, es nicht zuzulassen, daß Juden in Transjordanien Fuß fassen. Jerusalem, 23. Januar. (JTA.) Die hebräische Presse Palästinas bezeichnet es heute zum erstenmal als eine feststehende Tatsache, daß von jüdischer Seite ein bindendes Abkommen mit dem Emir Abdullah von Transjordanien betreffend Pacht von 70 000 Dunam Boden in Transjordanien für eine Bauet von 99 Jahren getroffen worden ist. Der Jüdischen Telegraphen-Agentur wird seitens der Jewish Agency in Palästina erklärt, daß diese Meldung der hebräischen Presse unrichtig sei; die Jewish Agency werde in diesen Tagen zu dieser ganzen Angelegenheit in einem Kommunique Stellung nehmen. „Al Jamon el Arabia“, das Organ des Mufti von Jerusalem Haj Amin el Hussein!, hält an der Richtigkeit der Mitteilung über ein Bodenpacht-Abkommen zwischen einer jüdischen Gesellschaft und Emir Abdullah fest und erklärt, dieses Abkommen sei eine „zweite Balfour-Deklaration“, Die Palästina-Debatte der Mandatskommission Am 23. Januar versammelte sich der Rat des Völkerbundes in Genf zu seiner neunten Session, auf deren Tagesordnung auch die Behandlung des Berichtes der Mandatskommission stand, die im November und Dezember 1932 getagt und auch das Palästinamandat und die Verwaltung Palästinas im Jahre 1931 geprüft hat. Auf die Erklärung des High Commissioner Sir Arthur Wauchope betreffend Vorbereitung eines Legislative Council nach Inkrafttreten der Munizipalverordnung hin haben Mitglieder der Mandatskommission an Wauchope Fragen über die Aus-