Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 20 (1933)
- Issue
- 1 (6.1.1933)
- Date
- 1933-01-06
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Erschelnuneszelt: Jeden FrettaK. Bezug: Durch die Postanstatten oder den Verlag — Bezugspreis* Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20Rpf / Verlag, Auflieferung des ..Jfldischen Echos“: München. Pllnganserttraße Nr. 64. I N H Ä L T : Die jüdische Frau im Wirtschaftsleben — Bemerkungen — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Geschäftliches Spenden-Ausweis Anzeigen: Di* viergespaltene Millimeter-Zelle 20 Rpf. / Famlllen- Anzeigen Ermäßigung / Anzeigen- Annahme: Verlag des Jüdischen Echos. München. Pllnganserstraße 64 I Telephon 73664/68 Postscheck - Konto: München 2987 Nr. I München, 6. Januar 1933 20. Jahrgang Die jüdische Frau im Wirtschaftsleben Von J a k o J> L e s t s c h i n s k y Im Rahmen der von der Zentralwolilfahrtsstelle der deutschen Juden und der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge liera usgegebenen Schriftenreihe erscheint soeben ein neuer Band: ..Das wirtschaftliche Schicksal des deutsche n J u dent u m s“ Preis RM. 5.50. Der bekannte jüdische Statistiker und Nationalökonom Jakob Lestschinsky gibt in dieser 175 Seiten starken Broschüre, an Hand reichen statistischen Materials, einen Abriß der wirtschaftlichen Entwicklung der deutschen Juden in den letzten hundert Jahren. Er zeigt, wie im Laufe der geschichtlichen Entwicklung große Massen der aus der Eeudalepoche stammenden jüdischen Deklassierten und Luftmenschen in produktive Mitglieder des Staates und der Gesellschaft verwandelt wurden, wie die jüdische kleinkrämerische und kleinstädtische Gruppe, die sich an der Peripherie des wirtschaftlichen Geschehens befand, langsam, aber stetig mit dem wirtschaftlichen Organismus der Umgebung verflochten und zum untrennbaren Bestandteil des Staatsganzen geworden ist. Es folgen die für die kapitalistische Entwicklung charakteristischen Prozesse der Urbanisierung, Industrialisierung und Klassendifferenzierung, des Anwachsens der Lohnempfänger, der Einbeziehung der Frauen in das werktätige Leben. Lestschinsky zeigt sodann den Verlauf des wirtschaftlichen Aufstiegs des deutschen Judentums im Einklang mit der Gesundung seiner wirtschaftlichen Struktur und seine Angleichung an die Nachbarn, die ihrerseits einen entgegenlaufenden Prozeß der Annäherung ihrer wirtschaftlichen Formen an die bei den Juden früher herrschenden Formen wirtschaftlicher Betätigung durchgemacht haben. Am Höhepunkt der kapitalistischen Entwicklung angelangt, läßt uns die Schrift die unabwendbaren, verhängnisvollen Folgen dieser Entwicklung erkennen, das vielfach verästelte Gebilde der gebundenen und verstaatlichten Wirtschaftsysteme, die Kartelle und Syndikate des Hochkapitalismus, die das Judentum von neuem bedrohen, es isolieren und aus dem wirtschaftlichen Organismus des Landes zu verdrängen suchen. Mit den Folgerungen, die Lestschinsky aus seiner Darstellung zieht, braucht man keineswegs in allem übereinzustimmen, um dem Buch weiteste Verbreitung zu wünschen. Es füllt entschieden eine fühlbare Lücke in der Literatur über das behandelte Problem aus und ist durch seine leicht faßliche und fesselnde Darstellung auch dem Laien mühelos zugänglich. Als Probe aus dem interessanten Tatsachenmaterial bringen wir im Nachfolgenden einen Auszug aus dem Kapitel: 15 i e j ii d i s c h e E r a u i in Wirtschaftsleben, welcher Gegenstand bisher zu Unrecht kaum behandelt worden ist. 1). Bed. S o z i a 1 e G 1 i e d e r u n g Von den insgesamt 190 789 erwerbstätigen Juden in ganz Preußen waren 49 560 Frauen; das sind 26 Prozent. Bei der nichtjüdischen Bevölkerung bildeten die erwerbstätigen Frauen 54.5 Prozent der Gesamtheit der Erwerbstätigen, so daß die jüdische brau in dieser Beziehung kaum hinter der Nicht jüdischen zurückgeblieben ist. Diese 49 560 jüdischen erwerbstätigen Frauen verteilen sich nach der sozialen Lage wie folgt (in Klammern sind die männlichen Quoten angegeben) : Selbständige . . . . (ohne 1 leim a r b e i t e r) Angestellte. Arbeiter . . . . . . (einsch 1. I leima rbeitern) M.it helfe ndc Farni 1 i e nan ge h ö r i ge . Hausangestellte . . . I 1 541 ~ 25,5% (56,0%) 18 510 — 56,9% (52,7%) 4 862 - 9,8% ( 8,9%) II 144 — 22,5% ( 2.5%) 5 705 — 7,5% ( 0,1%) Zusammen. 49 560 — 100% (100%) Bei den Frauen ist der Anteil der Selbständigen etwa zweieinhalbmal geringer als bei den jüdischen Männern. Während aber bei den Männern die Angestellten kaum ein Drittel aller Erwerbstätigen ausmachen, beträgt die entsprechende Quote bei den Frauen mehr als ein Drittel. Die weiblichen Arbeiter und Hausangestellten figurieren mit einem Anteil von 17.5 Prozent, die männlichen dagegen bringen es nur auf 9 Prozent, d. h. auf eine halb so hohe Quote wie die weiblichen. Bei dem Vergleich der sozialen Gliederung der jüdischen und nicht jüdischen Frauen zeigt sich mit aller Deutlichkeit, wie sehr sich der soziale Aufbau der jüdischen Bevölkerung von der nichtjüdischen unterscheidet. Es entfielen auf 100 erwerbstätige Frauen: LEO BAECK INSTITUTE NEW YOHK