Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 19 (1932)
- Issue
- 52 (23.12.1932)
- Date
- 1932-12-23
- Page
- Seite 418 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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418 Das Jüdische Echo Nr. 52 Geschichte und das Wesen der Emanzipation der deutschen Juden. Die Vortragende beschäftigte sich eingehend mit den geistigen Ursprüngen nnd mit den Wandlungen und Schicksalen der Emanzipationsidee, wie sic beispielsweise in der I ranzösischen Revolution vorzüglich zu beobachten waren. Die eingehenden Studien und das tiefe Wissen um jede Einzelheit, das ans den lebendigen Ausführungen sprach, hielt die Zuhörer bis zum Ende der Vortragsreihe, die mit einer Betrachtung der heutigen Lage, in der die Emanzipation neu als Problem für Deutschtum und Judentum aufgeworfen ist. schloß, in Spannung. — An den reichen Beifall fügte Hans l amm den Dank der Jugend, und äußerte die Hoffnung, daß Frau Dr. Fraenkel-Ehrentreu in einem späteren Semester sich eingehend mit der Reform beschäftigen würde, da diese aus zeitlichen Gründen nicht mehr möglich war. Jüdischer Jugendverein, München Am Donnerstag, 29. Dezember 1952, findet im Lessingsaal, llerzog-Rudolf-Straße 1, ein gemütliches Beisammensein anläßlich Chanukka statt. Beginn 20.50 Uhr. Gäste herzlich willkommen. Israelitische Volksschule, München Wir machen nochmals auf unsere Chanukka- Schulfeier (Näheres im Anzeigenteil des Blattes) aufmerksam. Jüdischer Kulturverein J. L. Perez Unser langjähriger Mitarbeiter und Freund, Herr Josef Löwv, beging dieser Tage sein f ii n f u n d z wa n z i g j ä h r i g e s Sch r i f t s t el 1 e r j u b i 1 äu m. Dem Jubilar, der sich in der jiddischen Literatur besonders als Lyriker einen guten Namen erworben hat, gingen aus den bekannten Zentren jiddischen Geisteslebens — Osteuropa und Amerika — zahlreiche Gratulationen zu. Unser \erein, der zufolge der Ungunst der Zeit die beabsichtigte Jubelfeier auf das kommende Frühjahr verschieben mußte, blickt stolz auf diesen wackeren Kämpfer für jiddisches Kulturleben. Auch wir nehmen die Gelegenheit wahr, ihm unsere herzlichsten Glückwünsche zum Ausdruck zu bringen. Möge es ihm vergönnt sein, auch weiterhin mit großem Erfolg und innerer Befriedigung zu wirken. Die Vorstandschaft. Festabend der „Werkleute“, Bund jüdischer Jugend, München, und des Jüdischen Pfadfinderhundes (I.P.D.) im St. Annasaal am 17. Dezember Der Festabend der „Werkleute“ und des I.P.D. brachte nach einem Kammertrio von Händel (dessen Darbietung recht unterschiedlich war) ein biblisches Spiel „Saul“, russische Volkslieder und das Ritterschauerdrama „Blut und Liebe“ von Martin Luserke .Das Spiel von Saul wurde recht gut gespielt; es bringt — von den Spielern selbst verfaßt — in geschickter Folge den Bericht der Bibel. „Blut und Liebe“, das man immer wieder von hündischen Spielscharen sieht, ist eine gut gezimmerte Parodie. Wenn nicht alle Stellen, die zur Zeit ihrer Entstehung das Hauptgewicht besaßen, entsprechend herangeholt wurden, so liegt das daran, daß das Stück doch wohl schon ein Dutzend Jahre alt ist, in seiner „Problematik“ heute nicht mehr ganz auf der llölie ist. Doch es wurde mit Hingabe und Witz gespielt und so fand die Aufführung reichen Beifall. — Grundsätzlich muß jedoch die Programmgestaltung als verunglückt bezeichnet werden, weil sie Stücke zusammen gefügt hat, die jedes im Gegensatz zu den anderen dreien gestanden hat. Ein Festabend, der, wenn auch nur in beschränktem Umfang, dem Außenstehenden ein Abbild der geistigen Haltung der Veranstalter sein soll, muß, wie die Bünde, die Veranstalter waren, ein gewisses einheitliches Gesicht haben. Daran hat es bei diesem Festabend gefehlt. Und so sehr an sich das Gelingen eines solchen Abends erfreulich ist — gleichviel was und wie es geboten wird —, so sehr darf man hoffen, daß der nächste Abend geschlossener in Aufbau und Haltung ist, als der heurige: wenn zwei Bünde wie „Werkleute“ und I.P.D., mit ihren vielen Gemeinsamkeiten, sich dazu zusammenfinden, muß diese Forderung erfüllbar sein. II. L. Aus dem MUnehener Bar-Kochba Bar Kochba, Damen- und Mädchenabteilung Die nächste Turnstunde findet wegen der Weihnachtsferien erst wieder am Montag, den 9. Januar, abends 8 Uhr, in der Luisenschule statt. Bar Kochba Tischtennis Das am Sonntag im Königshof durchgeführte Freundschaftsspiel zwischen Bar Kochba und einer kombinierten Mannschaft aus den drei A-Klassenvereinen Neuhausen, Pasing und Jahn stand sportlich auf beachtenswerter Höhe und wurde nach spannenden, ausgeglichenen Kämpfen von Bar Kochba mit 6/4 Punkten gewonnen. Für Bar Kochba gewannen: Helfeld LDietrieh (Pasing) 5/1, Goldstern:Vrieslander (Neuhausen) 5/2, Spiro Tlölzl (Jahn) 5/2, Schneller :Dr. Schmitz 5/1. In den Doppels: Helfeld I und ILDietrich- Lagrange 5/1, Schneuer-Gersinsky:v. Hueiie-v. Heydenaber (Neuhausen) 5/2. Weitere Ergebnisse: Lagrange (Pasing) TIelfeld II 5/1, Ar. Ilueiie: Gersinskv 5/2, Schretter :Gröbel 5/2. Gersinsky und Gröbel konnten bei ihrem 1. Start in der 1. Mannschaft nur einen halben Erfolg erzielen, indem sie gegen starke Gegner mit Pech ehrenvoll unterlagen, v. Huene-v. Hedenaber:Goldstern-Spiro 5/2. A. G. Achtung Tischtennis Nächstes Training am Mittwoch, 11. Januar 1955 im Königshof. Bis dahin kein Spielbetrieb. Buchbesprechung Esriel Carlebach: Exotische Juden, Studien und Berichte. Welt-Verlag, Berlin 1952. Dieses Buch ist keine Reisebeschreibung im üblichen Sinne, keine an Äußerlichkeiten hängen bleibende Erlebnisschilderung. Carlebachs Ziel steht höher. Er will den Juden zeigen, der in den weitab von uns gelegenen Städten sein jüdisches Dasein führt. Um ihn zu erkennen, führt er nicht Gespräche mit ihm selbst, beobachtet nicht das Individuum, sondern läßt die jüdische Masse im jüdischen Zentrum auf sich wirken. Damit geht er einen ungewöhnlichen Weg. Er stellt nicht aus den Erscheinungen am Einzeljuden die Form der Gemeinschaft zusammen, sondern kristallisiert aus den Lebensäußerungen der letzteren den Charakter des ersteren heraus.