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Das jüdische Echo · 1932-11-25 · 48 (25.11.1932) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
48 (25.11.1932)
Date
1932-11-25
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag,—Bezugspreis Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20Rpf / Verlag, Aaslieferung des ..Jüdischen Echos“: München. Pllnganserttraße- Nr. 64. I N H ALT: Zur Lage der deutschen Juden — Obwohl sich der C.V.! — Palästina vor der Mandatskommission — Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Spenden-Ausweis Anzeigen: Dl* viergespaltene Millimeter-Zeile 30 Rpf. / Famillen- Anzeigen Ermäßigung / Anzeigen- Annahme: Verlag des J ■ «lisch e □ Echos. München. Plinganserstraße 64 / Telephon 73664/65 Postscheck - Konto: München 2987 Nr. 48 München, 25. November 1932 19. Jahrgang Zur Lage der deutschen Juden Den nachfolgenden Artikel trug Herr Richard Eisen im Rahmen der „Gesprochenen Zeitung“ des Münchemer Jungzionis,tischen Arbeitskreises vor. Wir glauben, daß die Ausführungen Beachtung verdienen, obwohl wir in manchen Punkten anderer Auffassung sind. D. Red. Die jüngste innenpolitischeEntwicklung in Deutschland fordert eindringlicher als die meisten Geschehnisse der letzten Jahre dazu auf, die Lage der deutschen Juden grundsätzlich zu überdenken. Denn die Entwicklung, die bisher in einem Fluß war, dessen Richtung und Ziel niemand genau absehen konnte, ist jetzt zu einem gewissen Stillstand gekommen. Es scheint festzustehen, daß Deutschland eine Regierung haben wird, die unter nationalsozialistischer Führung oder mindestens maßgebendem nationalsozialistischem Einfluß steht. Daß gerade in d i e s e m Augenblick die Regierung Papen einer nationalsozialistischen weichen muß, sollte alle jene Vogel- Strauß-Politiker eines besseren belehren, die immer glauben, sich bei dem geringsten günstigen Anzeichen beruhigen zu dürfen, und die z. B. in dem relativ doch recht geringen Rückgang der Nationalsozialisten bei den letzten Reichstagswahlen den Beginn eines unaufhaltsamen Niedergangs dieser Bewegung sehen wollten. Bevor wir uns über die Bedeutung dieser Tatsachen selbst klar zu werden versuchen, ist es interessant zu beobachten, wie sich ihnen gegenüber die deutschen Juden verhalten. Als eine nationalsozialistische Regierung im Reich noch als ein unvorstellbares Schreckgespenst erschien — das ist nicht sehr lange her —, da herrschten zwei verschiedene Anschauungen darüber vor. Auf der einen Seite versuchte man, solange es irgendwie ging, eine solche Möglichkeit vor sich selbst und den anderen einfach abzuleugnen. Man vertraute darauf, daß der gesunde Instinkt des deutschen Volkes und die ewige Kraft der liberalen Gedanken diesen Spuk bald überwunden haben würden. Auf der anderen Seite aber konnte man sich nicht genug tun in den düstersten Prophezeiungen für die Zukunft der deutschen Juden, die man leicht stützen konnte, wenn man jeden Punkt des nationalsozialistischen Programms, jede Hetzrede und jeden Hetzartikel für bare Münze nahm. Jetzt, da dieses Gespenst feste Gestalt angenommen hat, werden alle diese übertrieben optimistischen oder pessimistischen Anschauungen von selbst auf ihr richtiges Maß zurückgeführt. Wenn auch ein endgültiges Urteil erst nach der praktischen Auswirkung der neuen Verhältnisse gefällt werden darf, so kann man doch jetzt schon sagen, daß die Wahrheit in der Mitte liegt. Einerseits ist es sicher, daß vieles von dem, was man leichtfertig als einen unmöglichen Rückfall in finstere Barbarei bezeichnete, nun in steigendem Maße Wirklichkeit wird. Andererseits aber wird es sich ohne Zweifel herausstellen, daß manche Schreckbilder, die man vor kurzem noch in tiefem Ernst ausmalte — wie die für Pogrome freigegebenen Straßen oder die unmittelbare Enteignung einer größeren Anzahl von Juden — sich im hellen Tageslicht zum größten Teil in ein Nichts auf lösen, und daß das Vertrauen auf das Vorhandensein und den Einfluß einer gesitteten Gesellschaft in Deutschland nach wie vor nicht unberechtigt ist. Wenn wir so versuchen, uns ein unverzerrtes Bild von der heutigen Lage der deutschen Juden zu schaffen, so wird es sich im einzelnen ungefähr folgendermaßen darstellen. Auf wirtschaftlichem Gebiet wird manchen die oft vertretene Meinung einleuchten, daß sich die verantwortliche Teilnahme der Nationalsozialisten an der Regierung für die allgemeine Entwicklung nicht ungünstig auswirken wird; zur Begründung dieser Anschauung wird wohl mit einigem Recht darauf hingewiesen, daß die Nationalsozialisten durch ihre jahrelangen Versprechungen von Arbeit und Brot gerade auf diesem Gebiet aufs stärkste gebunden und gezwungen seien, alle Kräfte auf eine Belebung der Wirtschaft zu konzentrieren. Auch die Ansicht, daß ein solcher Aufschwung in gleichem Maße wie der gesamten Bevölkerung auch der Masse der Juden zugute kommen würde, ist nicht von der Hand zu weisen. — Unter der „zusätzlichep“ wirtschaftlichen Not der Juden, also den antisemitischen Tendenzen, die dem Boykott jüdischer Kaufleute und der Ablehnung jüdischer Angestellter, werden wir natürlich auch weiterhin zu leiden haben; aber es ist nicht anzunehmen, daß s i e sich unter einer nationalsozialistischen Regierung noch verstärken wird. Denn die antisemitische Verhetzung der breiten Massen dürfte ihren Höhepunkt wohl zu der Zeit erreicht haben, in der sie die zugkräftigste Parole einer verbissenen Oppositionspartei war. Wirtschaftliche Sondermaßnahmen endlich durch Gesetzgebung gegen den jüdischen Bevölkerungsteil im ganzen sind wohl auch jetzt schwerlich in größerem Umfange durchzuführen; in verstärktem Maße aber sind sie überall da zu erwarten, wo Juden noch an exponierten Punkten stehen, also vor allem, wie schon längst versprochen, gegen Kaufhäuser, Banken usw. Ungleich entschiedener und rascher aber geht die Entrechtung der Juden auf staatsbürgerlichem, gesellschaftlichem und kulturellem Gebiet vor sich. Was wir hier seit einiger Zeit erleben, wie die Entfernung der Juden von den

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