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Das jüdische Echo · 1932-10-14 · 42 (14.10.1932) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
42 (14.10.1932)
Date
1932-10-14
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Palästina im Jahre 5692 — Richard Lichtheim über Disziplin-Frage — Aus der jüdischen Welt Feuilleton — Gemeinden- und Vereins-Echo München, 14. Oktober 1932 19. Jahrgang Anzeigen: Die viersespalteoc Millimeter-Zelle 30 Rpf. / Familien Anzelgen Ermäßigung / Anzeigenganserstraße 64 / Telephon 73664/66 Postscheck - Konto: München 3987 Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis- Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20 Rpf. I Verlag, Auslieferung des ..Jüdischen Echos“: München. PHnganserstraße Nr. 64. Palästina im Jahre 5692 Von Dr. Alfred Bonne, Leiter des orientalischen Wirtschaftsarchivs in Jerusalem II. Über Einzelheiten der wirtschaftlichen Entwicklung in den letzten zwei Jahren ist in vielen Berichten schon ausführlich geschrieben worden; hier mag nur kurz rekapituliert werden, daß in der Pflanzungszone dauernd neuer Boden erschlossen und mit Orangen bepflanzt wird, daß die Betriebszweige in der gemischten Wirtschaft dauernd vervollkommnet werden und daß für diese Betriebe, die sich in ihrer Rentabilität zwar nicht mit Orangenfarmen vergleichen können, jedoch eine viel höhere Stabilität der Einnahmen gewährleisten und daher Rückschläge wie sie die viel empfindlichere Orangenwirtschaft befürchten muß, nicht zu erwarten sind. Der Verlauf des Orangenabsatzes selbst hat bisher allerdings trotz der von Jahr zu Jahr steigenden Anbaufläche und Ernterncnge die mitunter gehegten Befürchtungen nicht gerechtfertigt. In der letzten Saison (1931/32) wurden nicht weniger als über 3 600 000 Kisten gegenüber 2 500 000 Kisten in der Saison 1930/31 verschifft. England ist zwar nach wie vor der wichtigste Exportabnehmer, doch treten neuerdings in stärkerem Maße auch Deutschland und andere westeuropäische Länder als Interessenten auf. Auch der Versuch zur Verwertung der Nebenprodukte des Orangenbaus sind weiterhin erfolgreich fortgesetzt worden. Obwohl der Orangenexport nach Ägypten durch ägyptische Schutzzölle auf Früchte sehr gelitten hat, ist der palästinensische Markt davon nicht übermäßig betroffen worden. Die neuen Kühlhäuser, in denen die Orangen bis zum Sommer aufbewahrt werden können, der steigende Absatz von Orangensaft sowie überhaupt der steigende Konsum hat kein die Preise drückendes Überangebot entstehen lassen. Selbst wenn die hohen Preise, die gegenwärtig noch auf den Absatzmärkten erzielt werden — die Preise für die beliebten palästinensischen Grapefrüchte, deren Kultur von Jahr zu Jahr zunimmt, waren in den letzten zwei Jahren außergewöhnlich lohnend — erheblich zurückgehen, so gehört die Orangenkultur immer noch zu den lohnendsten landwirtschaftlichen Betriebszweigen. Die städtische Entwicklung und die davon gespeiste Baubewegung zeigen nach wie vor einen hohen Grad der Unternehmungslust. So ist vor allem in den Städten Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa eine sehr sichtbare Ausdehnung der Wohngebiete und die Errichtung neuer großer Einzelbauten zu verzeichnen. In Jerusalem allein dürften in den letzten drei Jahren Bauten im Werte von 4 Millionen Pfund in Angriff genommen worden sein. In Tel-Awiw, das vorzugsweise als Aufnahmebecken für die neue Immigration dient, auch dann, wenn die Einwanderer in die Kolonien abströmen, haben zahlreiche neue Wohnhäuser das Bedürfnis an zusätzlichem Wohnraum decken müssen. Die Entwertung des Pfundes, die auch in Palästina zuerst unangenehme Befürchtungen auslöste, hat inzwischen zu einer Anpassung der Preise an die veränderte Marktlage geführt und der jungen palästinensischen Industrie manche Absatzvorteile auf den Märkten der Nachbarländer verschafft. Bei den größeren Industrieunternehmungen des Landes ist die definitive Eröffnung des Wasserkraftwerkes der Palestine Electric Corporation am Jordan zu erwähnen, die Anfang Juni 1932 in Anwesenheit des High Commissioners erfolgt ist. Die Palestine Potash Co., die die Mineralien des Toten Meeres ausbeutet, kann über einen stetigen erfolgreichen Fortgang ihrer Produktion berichten. Die Arbeitslosigkeit unter den jüdischen Arbeitern, die das Hauptkontingent der Industriearbeiter stellen, ist rtlativ unbedeutend. Im Vergleich mit dem Jahre 1927 zeigen die Ziffern der letzten Monate eine ganz geringfügige Arbeitslosigkeit, die auch relativ nicht entfernt mit den gegenwärtigen Verhältnissen auf dem Arbeitsmarkt der großen Industrieländer verglichen werden kann. Die Ziffern für den Import und Export weisen für Palästina auf die gleiche Erscheinung, wie sie für alle anderen Wirtschaftsgebiete des Landes gilt. Im Vergleich mit den ersten Nachkriegsjahren zeigt der Import und Export trotz eines Preisrückganges, der in diesem Ausmaße in der Wirtschaftsgeschichte der letzten Jahrzehnte nicht zu verzeichnen war, eine anhaltende Steigerung der Ziffern. Zwar zeigen die Ziffern für 1931 mit insgesamt £P 5 940 000 im Import und insgesamt £p 1 572 061 im Export gegenüber denen für 1930 mit £P 6 985 258 bzw. £P 1 896 095 einen kleinen wertmäßigen Rückgang, jedoch ist die allgemeine Struktur des Außenhandels die gleiche geblieben. Ja, mengenmäßig ist das Export- und Import- Volumen trotz der reduzierten Wertziffern in den letzten zwei Jahren größer als selbst im Jahre 1925 und weit höher natürlich als in den Jahren der großen Teuerung nach dem Krieg. Diese Betrachtung soll nicht geschlossen werden ohne mit einigen Worten auch die politische Lage, die ja in enger Wechselwirkung mit der wirtschaftlichen steht, zu streifen. Für die politische Lage in Palästina ist es charakteristisch,

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