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Das jüdische Echo · 1932-10-07 · 41 (7.10.1932) · p. [Seite]

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
19 (1932)
Issue
41 (7.10.1932)
Date
1932-10-07
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Das Jüdische Echo Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstaiten oder den Verlag,—Bezugspreis' Jährlich: RM. 8.—. halbjährlich: RM. 4.—. vierteljährlich: RM. 2.—. Einzelnummer 20Rpf. / Verlag, Auslieferung des „Jüdischen Echos“: München. Plinganserstraße Nr. 64. I N H fl L T Palästina im Jahre 5692 — Gesai tvorstandssitzung der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden und der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge — Feuilleton Aus der jüdischen Welt — Gemeinden- und Vereins-Echo — Spenden-Ausweis Anzeigen: Dl* viergespaltene Millimeter-Zelle 30 Rpf. / Familien Anzeigen Ermäßlgung/Anzelgen- Annahme: Verlag des Jldl sehen Echos. München. Plln ganserstraße 64 / Telephon 73664/68 Postscheck - Konto: München 3W Nr. 4t München, 7. Oktober 1932 19. Jahrgang Palästina im Jabre 5692 Von Dr. Alfred Bonne, Leiter des orientalischen Wirtschaftsarchivs in Jerusalem I. Der Autor dieses Artikels hat vor kurzem das Buch „Palästina, Land und Wirtschaft“ geschrieben, das in der deutschen wissenschaftlichen Buchhandlung, Leipzig, erschienen ist. Wenn jemandem vor wenigen Jahren die Gabe der Voraussicht kommender politischer und wirtschaftlicher Ereignisse verliehen gewesen wäre, so hätte er allenfalls mit der Voraussage der kommenden Weltwirtschaftskrise Glauben finden können, nie und bei niemandem aber mit einer Verkündigung der erstaunlichen Tatsache, daß in einer Epoche unerhörter Zerstörung wirtschaftlicher Werte, einer tiefgehenden Erschütterung des weltwirtschaftlichen Gefüges, die wirtschaftliche Erschließung des kleinen Palästinas nach wie vor ungestört fortschreitet und der Welt das heute seltene Schauspiel eines konstruktiven wirtschaftlichen Aufbaues bietet. Es ist in der Tat eine ungewöhnliche ja verblüffende Erscheinung, daß die krisenhaften Zuckungen der Volkswirtschaften aller Länder in Palästina kaum mehr als einen schwachen Widerhall finden, daß, während in den Industrieländern der Welt die wichtigsten Wirtschaftspositionen in ihren Wurzeln gefährdet erscheinen, in Palästina ein Aufbau neuer Positionen im Gange ist, als ob nicht eben erst die Lehren jener Krise eine Warnung vor jeder Unternehmungslust ausgesprochen hätten. Versucht man die Gründe für diese ungewöhnliche Situation Palästinas zu finden, so stößt man auf zwei Hauptursachen: die eine besteht in der jüdischen Aktivität, in den Anstrengungen, das Land als jüdisches Nationalheim aufzubauen und dafür mit nicht abzuschreckender Energie zu kämpfen; die andere liegt in der steigenden Bedeutung Palästinas als Länderbrücke des vorderen Orients und wichtiges Bindeglied im Rahmen des Britischen Imperiums eine Funktion, die in diesem Lande heute trotz der allgemeinen wirtschaftlichen Stagnation die Realisierung großer internationaler Verkehrsprojekte als zweckmäßig erscheinen läßt. Die Anlage eines modernen Hafens in Haifa, die Führung einer pipe-line quer durch die Syrische Wüste von den Ufern des Tigris nach der Mittelmeerküste, der Plan einer Autostraße oder Eisenbahn, die der gleichen Richtung folgt, sind Millionenprojekte von großer wirtschaftlicher und wirtschaftspolitischer Tragweite für alle Länder, die von ihnen betroffen werden. Die große Aufmerksamkeit, die Palästina unter verkehrsgeographischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten in den letzten Jahren findet, ist nicht ein Ergebnis zufälliger Entwicklung. Schon lange vor dem Kriege ist die einzigartige Position Palästinas als verkehrsgeographische Brücke, als handelspolitisches und strategisch hochbedeutsames Gebiet insbesondere von England erkannt worden, das in diesem Teile der Welt wichtige Interessen des Imperiums zu sichern hatte. Tatsächlich sind auch schon während des Krieges, als der endgültige Verlauf der künftigen Grenzen noch nicht feststand, bereits Abmachungen getroffen worden, um die wichtigsten britischen Interessen gehörig in den endgültigen Friedensverträgen zu verankern. Mit der Niederlage der Türkei irn Weltkrieg, die die arabischen Länder von der türkischen Herrschaft befreite, ist der Ausbau dieser Projekte, die zum größten Teil in Palästina ihren natürlichen Ein- und Ausgangspunkt haben, möglich geworden. Daß diese Projekte von eminentem Einfluß auf die wirtschaftliche Entwicklung Palästinas und insbesondere auf die von ihnen unmittelbar betroffenen Distrikte sein werden, bedarf keines weiteren Hinweises. Allein die Investierungen für die Führung der pipe-line und des Petroleumhafens, die zu einem nicht geringen Teile auch in Palästina gemacht werden, erfordern Millionen. Der Hafen in Haifa, der bis zu seiner Fertigstellung einen Betrag von nahezu anderthalb Millionen Pfund erfordern wird, wird mit dem Ausbau der Verkehrsverbindungen nach dem weiteren Hinterland schnell von zentraler Bedeutung für Palästina und seine Nachbarländer werden. In den Konzessionen für die Gewinnung des Petroleums aus den Ölfeldern des Irak ist ausbedungen, daß von der Gesamtbeförderung von 4 Millionen Tonnen pro Jahr mindestens 50 Prozent der Kapazität des gesamten Rohrleitungssystems über den Hafen Haifa geleitet werden müssen. Für den Hafen Haifa bedeutet allein der zu erwartende Verkehr von Tankdampfern, die in Zukunft dort öl laden werden, eine Vervielfachung des gesamten bisherigen Hafenumsatzes. Ebenso wird die Errichtung der geplanten Raffinerien der Ölgesellschaften zu einer gesteigerten Nachfrage nach Konsum- und Produktionsartikeln führen und sich in einer weiteren Erhöhung der Importziffern und der Produktion auswirken. Als zweite Ursachenreihe für die exzeptionelle wirtschaftliche Situation Palästinas wurde oben die fortdauernde jüdische Aufbautätigkeit genannt. Die zahlreichen Versuche und Ansätze für die

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